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Erste Ausfahrt im Panamera S Hybrid Wie Luxus das Sparen fördert

Als schwäbische Tugend ist die Sparsamkeit weltbekannt und daher scheut man sich in Zuffenhausen auch nicht, den "sparsamsten Porsche aller Zeiten" anzukündigen. Um mit dem neuen Panamera S Hybrid auf die nach EU-Norm gemessenen 6,8 Liter zu kommen, bedarf es allerdings etwas mehr als nur rollwiderstands-optimierter Reifen.

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Gipfelstürmer: Bei fast zwei Tonnen Gewicht soll der Panamera S Hybrid mit nur 6,8 Litern Sprit auskommen.

(Foto: n-tv.de/Busse)

Nach dem Cayenne S Hybrid ist die coupéhafte Limousine nun das zweite Modell mit dem kombinierten Antrieb aus Verbrennungs- und Elektromotor. Im Kern entspricht die Antriebseinheit der im Porsche-Geländewagen verbauten Technik. Allerdings schafft der Panamera im Unterschied zum Cayenne auch die so genannte elektrische Kaltfahrt. Das heißt, vollkommen emissionsfreies Fahren ist nach einer längeren Standphase möglich, selbst wenn das System noch nicht auf Betriebstemperatur ist. Zwei Kilometer zwar nur, aber in der City können das die summierten Wege zum Bäcker, zum Fleischer und zum Zeitungsstand sein.

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Zauberwort: Vor allem amerikanische Kunden elektrisiert die Modell-Bezeichnung "Hybrid".

(Foto: n-tv.de/Busse)

In Deutschland werden dennoch nur wenige Kunden diese Wege mit dem Panamera Hybrid zurücklegen. Es ist kaum zu erwarten, dass der Luxusschlitten hierzulande einen höheren Verkaufsanteil am Gesamtvolumen der Baureihe erzielt als etwa der Cayenne mit dem Kombi-Antrieb. Der lag im vergangenen Jahr bei etwa sechs Prozent. Von den 5266 registrierten Neuzulassungen also etwa 320 Exemplare. Fast zehn Mal so viele Cayenne Kunden bestellten 2010 zwischen Flensburg und Garmisch einen Cayenne mit Dieselmotor.

Porsche als Hybrid-Pionier

Dennoch ist die neue Panamera-Variante für Porsche außerordentlich wichtig, denn in den USA nutzen viele Kunden ein Hybrid-Modell zur Gewissensreinigung. Eine große und schwere Luxuslimousine soll es schon sein, aber bitte mit grünem Anstrich. Nicht ohne Grund macht der Anteil der Hybridmodelle an den Cayenne-Verkäufen in den Vereinigten Staaten rund 14 Prozent aus. Das dürfte eine passende Zielgröße für den Panamera sein. Und wer daran zweifelt, dass Ferdinand Porsche tatsächlich ein Hybrid-Pionier war, dem wird die US-Patentanmeldung einer "Automatic Regulation for Dynamic-Electric Machines" aus dem April 1903 vorgelegt.

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Der Preis von mehr als 106.000 Euro schränkt den Kundenkreis etwas ein.

(Foto: n-tv.de/Busse)

An einem Dilemma der elektrischen Fortbewegung hat sich seit damals wenig geändert. Die Bevorratung der Energie. Zwei Energiespeicher hat der Panamera Hybrid dabei, der eine ist der Kraftstofftank, der andere die Batterie. Sie ist etwa 70x30x20 cm groß und wiegt mehr als 70 Kilogramm. Doch was sie an Energie aufnehmen kann, entspricht etwa einem Schnapsglas dessen, was im Tank schwappt. Porsche benutzt eine herkömmliche Nickel-Metallhydrid-Batterie. Auf den Einsatz von leistungsfähigeren und leichteren Lithium-Ionen-Akkus wird vorerst verzichtet. Nach Aussage von Christian Heiselbetz, dem Projektleiter Antrieb für die Panamera-Baureihe, befinden sich diese zwar bereits in der Erprobung, aber die Integration ins fertige Fahrzeug wird noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. Lithium-Ionen-Akkus geben deutlich mehr Wärme ab als herkömmliche Batterien und müssen daher aufwändig gekühlt werden.

Der in seinem Ursprung als Audi-Motor auf die Welt gekommene V6-Treibsatz des Panamera leistet dank Kompressor-Beihilfe 333 PS. Der Elektro-Synchronmotor steuert 34 kW, also 47 PS bei, so dass die Leistung des gesamten Systems bei 380 PS liegt. Technisch wäre das Auto in der Lage, bis zu 85 Stundenkilometer im Elektrobetrieb zu fahren. Noch schneller geht es, wenn man segelt: Ist die Fuhre erst einmal in Schwung, kann das Auto mit bis zu 165 km/h über die Piste sausen, ohne dass Räder und Antriebssystem miteinander verbunden wären. Darüber werden Luft- und Rollwiderstand so groß, dass der Verbrennungsmotor eingreifen muss. Er treibt den Oberklässler bis maximal 270 km/h.

Mehrgewicht durch Elektrotechnik

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Bewegungsenergie lädt die Batterie: Der hellblaue Pfeil im 2. Instrument von rechts zeigt es an.

(Foto: n-tv.de/Busse)

Auf den ersten Testkilometern wusste der neueste Porsche durch seine souveräne und komfortable Gangart zu gefallen. Doppelendrohre links und rechts könnten zwar auf einen kraftvollen Sound hindeuten, doch auch unter Last benimmt sich der Hybrid akustisch sehr zurückhaltend. Bis auf ein gelegentliches Ruckeln bei der Rangierfahrt, das mutmaßlich vom schnellen Wechsel zwischen Elektro- und Verbrennungsantrieb herrührte, verrichtete der Kombi-Antrieb seine Arbeit unauffällig und gradlinig, beschleunigte dank Achtgang-Automatik geschmeidig und erfreute seinen Fahrer häufig mit der "Ready"-Anzeige im Drehzahlmesser, was auf die Abschaltung des Verbrenners hinwies.

Die mehrstündige Gebirgstour brachte zwar durch lange Abfahrten reichlich Gelegenheit zur Rückgewinnung von Bremsenergie, kostete aber wegen ebenso zahlreicher Anstiege auch Sprit. Fast zwei Tonnen wiegt der Panamera S Hybrid, gegenüber dem vergleichbaren Benziner wiegen Batterie und Elektromotor rund 180 Kilo mehr. In flachen Etappen mag der Normwert von unter sieben Litern erreichbar sein, hier zeigte der Bordcomputer am Ende 9,6 Liter. Tröstlich immerhin, dass es mit gleicher Leistung auf gleichem Streckenprofil, aber ohne Hybrid wohl zwölf Liter je 100 Kilometer gewesen wären.

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Luxus ohne Reue: Zum Bäcker und zurück kann man mit diesem Panamera auch rein elektrisch fahren.

(Foto: n-tv.de/Busse)

Mehr als andere Komfort-Limousinen kann der Panamera S Hybrid den Ehrgeiz fördern, sich einer umweltschonenden Fahrweise zu befleissigen. Statt vermeintlich verlorener Zehntel auf dem Rundkurs oder fehlender Klangfülle eines V8 nachzutrauen, freue man sich besser am zufrieden gestellten Umweltgewissen. Dies wird wach gehalten durch eine Reihe von animierten Grafiken, die auf dem zentralen Monitor abzurufen sind. Dazu gehört die "Zero-Emission-Anzeige", die anhand von grünen Säulen die Zeit protokolliert, wann das Fahrzeug abgasfrei unterwegs ist oder die Motoraktivität und zugeführte Energie zur Batterie visualisiert.

Ein nettes Mäusekino, das jenseits des Atlantiks gewiss eine Reihe von Fans gewinnen wird. Wo Effizienz und Nüchternheit das Urteil bestimmen, ist meist auch die Geduld nicht weit und die sagt: "Abwarten". Bald kommt der Panamera Diesel. Der wird dank großen Drehmoments fast genauso temperamentvoll aber mit Sicherheit nicht weniger sparsam sein. Wie es heißt, kommt der sogar mit 6,3 Litern Kraftstoff je 100 Kilometer aus.

Quelle: ntv.de