Neuer Chinese bei Pariser SalonXpeng G9L setzt auf Luxus durch Technik

Die chinesische Automarke Xpeng vertritt die Philosophie, dass Luxus sich nicht über reine Opulenz definieren muss. Vielmehr soll technische Überlegenheit den Ausschlag geben. Den rollenden Beweis hat man zur Pariser Automesse mitgebracht, das Elektro-SUV G9L.
Unter den aufstrebenden Automarken Chinas zählt Xpeng zu den jüngsten. Und sicher auch zu den innovativsten. Zum Portfolio gehören neben Hybrid- und Elektrofahrzeugen auch humanoide Roboter, autonome Gefährte und Flugtaxis. Letztere können gar nicht so schnell produziert werden wie sie nachgefragt sind.
Erst vor zwei Jahren wagte Xpeng den Schritt nach Europa, konnte seitdem über 12.000 Kunden gewinnen. Weltweit verkaufte Xpeng bislang mehr als 1,3 Millionen Autos. In München unterhält man ein Entwicklungszentrum. Vier seiner Modelle lässt das Unternehmen mittlerweile sogar in Europa fertigen, bei Magna Steyr in Österreich. Technik und Qualität überzeugen, erst recht in Relation zum Preis.
Zwar mag Xpeng, was die Positionierung seiner Fahrzeuge betrifft, selbst nicht von Premiumsegment sprechen, doch wer einmal in einem Xpeng Platz genommen oder das Auto gefahren hat, dem kommt durchaus ein "Wow" über die Lippen. Besser machen das BMW, Mercedes, Audi und Volvo auch nicht.
Im Dezember 2026 auf dem Markt
Mit dem SUV G9L, das zurzeit seine europäische Premiere auf dem Pariser Autosalon feiert und noch im Dezember zu Preisen ab 74.600 Euro in den Markt geht, will die chinesische Automarke noch eine Schippe drauflegen. Der 5,12 Meter lange Elektro-Sechssitzer strotzt nur so vor Hightech- und Komfort-Features. Eine erste Begegnung und Berührung überfordern den Betrachter vollends. Türen öffnen und schließen automatisch, die Sitze stellen sich nach wenigen Sekunden auf die Körpermaße ein.
Bedingt durch einen Radstand von 3,11 Metern genießen auch die Gäste Fond üppige Beinfreiheit in ihren dicken Armlehnen-Sesseln. Vor ihnen im Fußraum ein kleiner Kühlschrank in der Mittelkonsole, über ihnen ein ausfahrbarer Riesenbildschirm zur medialen Unterhaltung oder auch zur Aktivierung der Massage oder anderer Annehmlichkeiten. Wer den G9L nicht in Sechser-Konfiguration, sondern lieber als Siebensitzer haben möchte - auch das geht. Beim Kofferraum verspricht Xpeng großzügige 1330 Liter. Unter der Fronthaube warten weitere 65 Liter auf Beladung. Das sollte selbst einer größeren Familie für den Wochenendausflug reichen.
Das Cockpit im G9L wirkt modern, aufgeräumt und hochwertig. Zentrales Element ist der riesige Touchscreen in der Mitte des Armaturenträgers. Für die Navigation besteht eine Partnerschaft mit Google. Die Menüs erschließen sich nahezu intuitiv, das Kachel-Layout entspricht dem eines Smartphones. Noch einfacher funktioniert die Bedienung über Sprache. Darstellungen und Reaktionszeiten auf dem Display sind brillant. Für die akustische Unterhaltung sorgen 23 Lautsprecher, eingebaut bis hinein in die Kopfstützen.
Trumpf absolute Ruhe
Doch auch mit absoluter Ruhe kann das Flaggschiff von Xpeng auftrumpfen. Es gibt eine aktive Geräuschunterdrückung, Akustikglas und eine extrem aufwändige Geräuschdämmung. Derart unterwegs zieht die Welt draußen lautlos vorbei.
Für eine entsprechend souveräne Fortbewegung stehen 530 kW und 695 Newtonmeter zur Verfügung. Das reicht, um das Topmodell in unter fünf Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 zu drücken. Trotz der nicht übermäßig günstigen Aerodynamik und den über 2,5 Tonnen Gewicht fällt der Verbrauch vergleichsweise niedrig aus. Versprochen werden nach WLTP 21,1 kWh/100 km. Eine Zweikammer-Luftfederung mit adaptiven Dämpfern gehört zur Grundausstattung, ebenso die mitlenkenden Hinterräder, die dem G9L trotz seiner Größe von über fünf Metern den Wendekreis eines Kompaktwagens verleihen. Sogar eine Wasserdurchfahrt bis zu 70 Zentimeter Tiefe ist möglich.
Knapp 600 Kilometer mit einer Stromfüllung
Unterm Blech steckt eine hochmoderne 800-Volt-Elektro-Architektur. Mit der hier angebotenen Batteriegröße von über 100 kWh soll der Familien-Transporter bis zu 591 Kilometer mit einer Stromfüllung kommen. Reisen ohne Reue. Geht es unterwegs an einen Schnelllader, sind bis zu 550 kW Ladeleistung möglich. Die bei Elektroautos übliche Disziplin 10 bis 80 Prozent Kapazität soll das G9L in unter zwölf Minuten schaffen, Rekord in diesem SUV-Segment.
Xpeng adressiert seinen G9L hauptsächlich an Familien und Geschäftsleute und steht damit nicht alleine da. Auch andere chinesische Hersteller buhlen um die finanzstarke Kundschaft. Gemeinsam ist ihnen die "9", die stets an der Heckklappe klebt. Die Ziffer steht für das jeweilige SUV-Topmodell. Bei Zeekr heißt dies 9X, bei Aito nur 9, bei Lynk & Co 900, bei Li Auto L9.
Selbst deutsche Premiummarken passen sich an. Audi rundet mit einem Q9 sein Portfolio nach oben ab, BMW hat Gleiches in ein paar Jahren mit einem X9 vor.