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Das brachte 2012 bisher: 126 weniger Tote, dafür 30.000 mehr erfasste Unfälle.
Das brachte 2012 bisher: 126 weniger Tote, dafür 30.000 mehr erfasste Unfälle.(Foto: picture alliance / dpa)
Mittwoch, 22. August 2012

Weniger Todesopfer, mehr Unfälle: Zahl der Verkehrstoten sinkt

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Die Besorgnis ist groß. Erstmals seit 20 Jahren steigt 2011 die Zahl der Verkehrstoten. Und das um satte zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Jetzt melden Verkehrsforscher wieder einen positiven Trend. Im ersten Halbjahr 2012 gibt es zwar mehr Unfälle, aber weniger Tote auf Deutschlands Straßen.

Die Zahl der getöteten Menschen im Straßenverkehr geht wieder zurück. Auf Deutschlands Straßen sind im ersten Halbjahr weniger Personen umgekommen als im Vorjahreszeitraum. 1693 Menschen starben von Januar bis Juni bei Unfällen, das sind 126 oder 6,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Während die Zahl der Verkehrstoten im Januar und Februar noch gestiegen war, sinkt sie seit März. Besonders stark gingen dabei die Zahlen der getöteten Fahrer und Mitfahrer auf Motorrädern sowie der verunglückten Jugendlichen im Alter von 15 bis 17 Jahren zurück.

Wie das Bundesamt berichtete, registrierte die Polizei von Januar bis Juni rund 1,16 Millionen Unfälle, das ist ein Anstieg um 2,7 Prozent. Die Anzahl der Unfälle, bei denen Personen zu Schaden kamen, stieg jedoch nur um 0,6 Prozent. Die Zahl der Verletzten hat insgesamt ebenfalls zugenommen, und zwar um 0,7 Prozent auf rund 184.500.

Bezogen auf eine Million Einwohner kamen im ersten Halbjahr 21 Menschen bei Unfällen ums Leben, im vergangenen Jahr waren es 22. Genau im Bundesschnitt liegt Hessen. Unterdurchschnittlich ist die Zahl der Verkehrstoten je eine Million Einwohner in den Stadtstaaten wie Berlin (4), Hamburg (9) oder Bremen (14), aber auch im bevölkerungsreichsten Flächenland Nordrhein-Westfalen (14). Über dem Durchschnitt liegen neben den neuen Bundesländern auch Bayern (24), Rheinland-Pfalz (27) und Niedersachsen (29). Schlusslicht ist Brandenburg mit 30 tödlich Verunglückten je eine Million Einwohner.

Schuld ist das Wetter

Langfristig werde die Zahl der Unfalltoten weiter deutlich sinken, heißt es in einer Prognose der Bundesanstalt für Straßenwesen. Demnach werde es 2020 noch 2500 Verkehrstote in Deutschland geben. Der Auto Club Europa (ACE) sieht einen Rückgang vor allem in den Städten voraus: Dort werde der motorisierte Individualverkehr langsamer werden, mehr Ältere werden am Steuer sitzen, sagte ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner. "Wir werden die Langsamkeit neu entdecken." Schon die hohe Fahrzeugdichte werde dazu führen, dass das Tempo und damit auch die Zahl der schweren Unfälle sinkt.

Eine Ursache für die hohen Unfallzahlen könne der Einzug von Multimedia in das Auto sein, sagte ACE-Verkehrsexperte Matthias Knobloch. "Wir sehen, wie rasant sich Multimediaangebote in modernen Autos verbreiten." Die Unfallforschung müsse zügig klären, wie groß der Anteil der durch Ablenkung verursachten Unfälle sei. Der ADAC betonte, wie wichtig das Verhalten der Autofahrer sei - sie sollten vorausschauend fahren und unbedingt den Sicherheitsgurt Anlegen. "Der Gurt ist Lebensretter Nummer eins", sagte ADAC-Experte Wolfgang Steichele.

Im gesamten vergangenen Jahr war die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland zum ersten Mal seit 20 Jahren gestiegen - um zehn Prozent auf 4009. "Wir hoffen, dass das ein Ausreißer war", sagte Expertin Ingeborg Vorndran vom Statistischen Bundesamt. Als mögliche Ursache für den starken Anstieg nannte das Statistische Bundesamt damals das Wetter. 2011 war der Winter mild, das Frühjahr trocken, der Sommer verregnet und der Herbst sonnig. Bei solchen Verhältnissen wird erfahrungsgemäß mehr und schneller gefahren - im Jahr zuvor hatte es einen langen Winter mit viel Schnee und Eis gegeben. Die Zahl der Verkehrstoten hatte ein Rekordtief erreicht.

Bei schönem Wetter sind auch mehr Fußgänger und Motorradfahrer unterwegs als sonst. Das könnte ein Grund dafür sein, dass die Zahl der tödlich verunglückten Fußgänger um 29 Prozent auf 614 und die der Motorradfahrer und -beifahrer um 11,5 Prozent auf 708 stieg.

Quelle: n-tv.de

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