Praxistest

Neues Coupé von Alfa Romeo Den Ahnen verpflichtet

Die Namen der Vorfahren verströmen den Duft schöner Frauen: „Giulia“ oder „Giulietta“ lauten sie, sehr viel prosaischer klingt da doch das Kürzel GT? Wer das mit „Getriebe-Tunnel“ übersetzt, kommt vielleicht dennoch als Kunde für das neueste Coupé aus dem Hause Alfa Romeo in Frage. An Rasse und Eleganz fehlt es ihm nicht. Das liegt vor allem an einem anderen Namen italienischer Provenienz: „Bertone“. Die legendäre Styling-Werkstatt hat maßgeblich mitgeschneidert am Blechkleid des neuen Alfa GT.

In vier Motorvarianten wird das Auto ab Februar zu den Kunden kommen und es ist zu vermuten, dass etliche von Ihnen bald überzeugte Alfisti werden. Vor allem der sonore Sound der 3,2-Liter-Variante weckt Assoziationen an die Rennsport-Tradition der italienischen Marke, das Granturismo-Segment konnte Alfa schlechterdings nicht länger anderen überlassen. Als Basis für den GT diente das Model 156. Zunächst sind drei Motoren zwischen 1,9 Litern (Common-Rail-Diesel) und 3,2 Litern Hubraum in Angebot, die Leistungspalette reicht von 150 bis 240 PS. Voraussichtlich im September nächsten Jahres wird noch ein 1,8-Liter-Triebwerk verfügbar sein, das mit 140 PS veranschlagt ist.

Der in Chrom eingefasste Kühlergrill prägt das markante Gesicht, das Dynamik und Agressivität verheißt. Markante Falten im Profil, kleine Glasflächen und ein kraftvolles Heck mit winzigen, schmalen Lichtbändern prägen die äußere Erscheinung. Sportives Design setzt sich im Innenraum fort, Rundinstrumente mit roter Beleuchtung dominieren das Cockpit. Offiziell sieht Alfa den neuen Zweitürer zwar als Fünfsitzer, tatsächlich ist - analog der GT-Philosophie - bequemes, schnelles Reisen über größere Strecken eher mit vier Personen zu empfehlen. Haben sich die Passagiere der Rückbank erst mal an den wuchtigen Vordersitzen vorbei gezwängt, sitzen sie komfortabel und mit ausreichend Kopffreiheit.

Nicht nur vom Sound, sondern auch von der Fahrdynamik her ist natürlich die Top-Motorisierung die überzeugendste. Mit knapp über 1400 Kilo ist das Coupé kein Leichtgewicht, wird von den 176 kW aber agil in Trab gehalten und durch eine präzise Servolenkung souverän dirigiert. Freilich erscheint die Kupplung für ein Auto dieses Anspruchs ein wenig weich und der Pedalweg ein wenig lang, was dem Fahrvergnügen allerdings keinen Abbruch tut. Wer das Potenzial des Fronttrieblers voll ausschöpfen will, rechnet am besten mit Verbräuchen um 13 Liter. Bei zurückhaltender Fahrweise sollen laut Hersteller auch 8,7/100km möglich sein.

Erstaunlicher Weise fällt das 2.0 JTS-16V-Modell mit seinen 121 kW (165 PS) im subjektiven Fahrerleben nicht so zurück, wie es die Leistungsdifferenz zum Topmodell vermuten ließe. Rund 100 Kilo Mindergewicht gegenüber dem „Großen“ machen sich bemerkbar. Als temperamentvoll und drehfreudig erweist sich auch dieses Aggregat, wobei ihm lediglich die kernige Geräuschkulisse des Sechszylinders abgeht. Wer sich für das „Selespeed“-Getriebe entscheidet, das mit einer Wippe am Lenkrad geschaltet werden kann, sollte auf ein spürbares Beschleunigungsloch während der Schaltvorgänge gefasst sein.

Per Saldo ist der neue GT aber ein ausgewogenes, sportliches Fahrzeug, das durch die große Heckklappe und den variables Gepäckraum Nutzwertvorteile gegenüber anderen Coupés für sich verbuchen kann. Auf eine halbe Million potenzieller Kunden europaweit taxiert Alfa-Marketing-Mann Antonio Baravalle den Markt für Autos dieser Art. In Deutschland sind für den GT Preise zwischen 25000 und 395000 Euro vorgesehen. Die mit dem akzentuierten Design einher gehende Emotionalität passt exakt in Markenprofil, dessen künftige Entwicklung Alfa mit dem SUV „Kamal“ auf der IAA in Frankfurt bereits skizziert hat.

Ebenso beschlossene Sache sind Allrad-Varianten für die Modelle 156 und 147, während man das Segment oberhalb des 166ers getrost anderen Herstellern überlässt. Intensiv nachgedacht wird derweil über einen weiteren Offroader, dessen Dimensionen deutlich wuchtiger als beim Kamal ausfallen werden. Wer auf diesen Alfa warten will, braucht jedoch Geduld bis weit in die zweite Hälfte dieses Jahrzehnts.

Von Axel F. Busse

Quelle: n-tv.de