Praxistest

VW Caddy Tramper fürs spontane Abenteuer Ein Bett macht mobil

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Das Zelt gehört zur Tramper-typischen Sonderausstattung des Caddy.

(Foto: VWN)

Einfach mal spontan ans Meer fahren? Schöne Idee, aber findet man da überhaupt ein Zimmer? Freizeitvergnügen ohne nervige Hotelsuche verspricht der Caddy Tramper. Was man an Komfort gegenüber herkömmlichen Herbergen einbüßt, gewinnt man an Spaß, wie der n-tv.de-Praxistest zeigte.

Als grundsolider - und deshalb auch nicht gerade aufregender - Lieferwagen ist der VW Caddy in Deutschland bestens bekannt. Eine Fülle von Motor-, Tür- und Aufbauvarianten, dazu zwei verschiedene Radstände machen ihn zu einem beliebten Vielzweck-Mobil, was nicht zuletzt fast 17.000 Neuzulassungen in den ersten sieben Monaten des Jahres beweisen. Weniger bekannt ist, dass der Caddy als Maxi-Version (also mit einem Radstand von etwas mehr als drei Metern) auch als rollende Herberge taugt - und zwar im Gegensatz zu einem Zelt zuverlässig wind- und regenfest sowie mit Heizung.

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Freizeit-Idylle: Der Caddy Tramper ist bald auch als Cross-Version zu haben.

(Foto: Axel F. Busse)

Der Beiname "Tramper" deutet schon an, für welche Klientel er gebaut ist: Für alle, denen ein ausgewachsenes Wohnmobil zu teuer und zu sperrig ist, die auf Balkon und Minibar gut verzichten können, die aber an der Spontanität eines von "Jetzt" auf "Nachher" geplanten Übernachtungsausflugs ihre Freude haben. Einzige Einschränkung: Man muss sich entscheiden, ob man alle Sitz- oder Schlafplätze nutzen will, denn ein sanftes Ruhekissen gibt es nur für zwei - und die sollten sich gut kennen.

Nur wenige Handgriffe

Bewegt wird der Test-Tramper von einem Zweiliter-Dieselmotor mit 140 PS. Dieses Aggregat ist ein guter Bekannter aus dem VW-Regal, auch die Kombination mit dem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe ist eine zigtausendfach bewährte Antriebsvariante.

Da der Selbstzünder seine 320 Newtonmeter Drehmoment schon ab 1750 Umdrehungen freisetzt, gibt er sich munter wie jeder andere Pkw und schwimmt unauffällig im Verkehrsstrom mit. In der Langversion wiegt das Fahrzeug knapp 1800 Kilogramm.

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Wie man sich bettet: Auf der 2 x 1,1 Meter großen Liegefläche ist gut Übernachten.

(Foto: Axel F. Busse)

Mit weniger Durchzugskraft möchte man sich aber auch nicht begnügen. Dem flinken Feldbett traut der Hersteller maximal 186 km/h  zu, der Testwagen rannte sogar 195 km/h. Statt des kombinierten Prüftandswerts von 6,3 Litern je 100 Kilometer Strecke, schloss der Caddy diesen Test mit 6,9 Litern ab. Ein respektabler Wert, wenn man in Rechnung stellt, dass auch ein Großteil Kurzstreckenverkehr absolviert wurde.

Seine wahren Qualitäten offenbart der Tramper aber nicht auf der linken Spur der Autobahn, sondern im Stand. Auf einem hinter den Rücksitzen montierten und mit dem Fahrzeugboden fest verschraubten Rohrgestell wartet die in Ruhestellung auf ein Drittel Länge zusammengefaltete Liegefläche auf ihren Einsatz. Ist ein Sicherungsgurt gelöst, kann man mit wenigen Handgriffen die Sitzflächen weg- und das Nachtlager aufklappen. Um die vollen zwei Meter Länge der Matratze nutzen zu können, müssen die Lehnen der Vordersitze in Richtung Windschutzscheibe geklappt werden. Im Unterschied etwa zur Campingvariante des T5 ist also das Fahren mit einsatzbereiter Bettstatt nicht möglich.

Raffinierter Sichtschutz

Geradezu raffiniert ist das Sichtschutzsystem, mit denen die Liegefläche von den neugierigen Blicken des vielleicht zufällig vorbei kommenden Jagdpächters abgeschottet wird. Mit der Matratze fest verbunden ist ein robustes Tuch, das mittels Ösen und Klettverschluss ringsum in Dachhöhe fixiert werden kann. Im Nu ist eine kleine intime Kuschelkoje entstanden, die an den Seiten sogar noch Taschen für Brille, Uhr oder sonstige Accessoires bereithält, die man zum Schlafen nicht braucht. Obwohl die Schaumstoffauflage des Bettgestells nur zehn Zentimeter dick ist, bietet sie einen erstaunlichen Liegekomfort.

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Neugierige Blicke müssen draußen bleiben.

(Foto: Axel F. Busse)

Zweckmäßigerweise sucht man sein Nachtlager über die Heckklappe auf. Sie ist innen mit einer großen Schlaufe versehen, mit der Tür zugezogen wird. Unterwegs bietet die Langversion zwischen Klappe und Liegewiese ausreichend Raum für Gepäck. Die Lade- und Einsteigkante ist 58 Zentimeter über dem Boden und somit erfreulich niedrig. Alles, was man unterwegs griffbereit haben will, verschwindet in den acht Reißverschlusstaschen, die beiderseits der hinteren Seitenscheiben angebracht sind. Sie gehören zur Tramper-typischen Serienausstattung und sind jeweils geschätzte 15 Liter groß. Als Transportbehältnis sehr willkommen, schränken sie auf der anderen Seite natürlich die Sicht für den Fahrer ein, wenn es ans Rangieren geht. Abhilfe schafft der Parkassistent für 726 Euro, der die Parklücken selbstständig vermisst und die Fuhre hineinbugsiert. Hat man vor, die Stautaschen längere Zeit nicht zu nutzen, kann man sie auch abnehmen.

Eine weitere Ablage befindet sich unter dem Dach über den Vordersitzen, allerdings ist sie schlecht einsehbar und man sollte sich gut merken, was man dort verstaut hat. Außer zusätzlichen Leuchten und zwei wieder aufladbaren Taschenlampen, die ebenfalls zum Serienumfang gehören, kann man seinen Tramper mit einer äußerst praktischen Camping-Garnitur aufrüsten. Sie besteht aus einem Klapptisch, der unauffällig im Etui unter der Liegefläche ruht, und zwei Klappstühlen, die praktischerweise auch noch mit einem Getränkehalter in der Armlehne versehen sind. Gemeinsam mit einem Vorzelt, das an der geöffneten Heckklappe eingehängt werden kann, kostet dieses Paket 821 Euro.

Zusatzheizung gegen Aufpreis

Wer sich durch die Benutzung eines Schlafsacks allzu sehr an vergangene Ferienlager-Zeiten erinnert fühlt, braucht für höheren Schlafgenuss nicht auf das vertraute Bettzeug zu verzichten. Es kann auch während der Fortsetzung der Fahrt auf der Liegefläche verbleiben, wird mit dem Spanngurt in der eingeklappten Matratze gesichert und fällt folglich nicht weiter störend auf. Von Hause aus als Nutzfahrzeug konzipiert, ist der Caddy eher kärglich ausgestattet. Immerhin gibt es eine Radio-CD-Kombination, höhenverstellbare Vordersitze und einen Berganfahrassistenten ab Werk. Fast alles, was ein wenig Komfort verspricht, muss extra bestellt werden. So etwa der Tempomat (+340 Euro) und die Nebelscheinwerfer nebst Abbiegelicht (+280 Euro). Den gleichen Preis hat das Schiebefenster in der rechten hinteren Tür, das "offen gestanden" zum Klappen neigt.

Zu den weniger erfreulichen Details gehört, dass auch Volkswagen auf die zusätzliche Einnahmequelle einer Spezial-Mediabuchse nicht verzichten mag. Der als Sonderausstattung nebst USB-Anschlusskabel bestellbare Steckplatz für iPod oder andere Musikquellen wird mit 202,30 Euro extra berechnet. Darüber kann sich nur der nicht aufregen, der keine Ahnung von den Gratis-USB-Buchsen vieler anderer Hersteller hat. Eine sehr nützliche Anschaffung ist hingegen das sogenannte Winterpaket III, das außer Sitz- und Waschdüsenheizung auch einen Zusatz-Radiator für den Innenraum beinhaltet. Mit seiner Hilfe lässt sich die Einsatzdauer des Trampers vom frühesten Frühling bis zum spätesten Herbst ausdehnen.

Fazit: Eine originelle Idee dieser Tramper. Mit der Handlichkeit eines Pkw schafft er räumliche Flexibilität wie ein Wohnmobil. Wer spontan auf verlockende Wetterprognosen reagieren und sich ohne große Vorbereitung auf das Abenteuer "Wegfahren" einlassen will, ist hier an der richtigen Adresse. Die Reduktion auf Grundbedürfnisse wie Mobilität und Schlafen macht in ihrer schlichten, aber konsequenten Umsetzung einfach Spaß. Dass dieser Caddy nebenher noch als Familienkutsche taugt und mal beim Transport sperriger Güter helfen kann, wird als Kollateral-Nutzen gern in Kauf genommen. Für ganz Sparsame gibt es ihn mit kurzem Radstand schon ab 20.956 Euro.

DATENBLATTVW Caddy Maxi Tramper
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,88/ 1,79/ 1,85 m
Radstand3006 mm
Leergewicht (DIN)1753 kg
Sitzplätze5
maximale Zuladung750 kg
Motor4-Zylinder Diesel-Motor mit 1968 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang Doppelkupplungs-Automatikgetriebe
Leistung140 PS (103 kW) bei 4200 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebVoderradantrieb
Höchstgeschwindigkeit195 km/h
max. Drehmoment320 Nm von 1750 - 2500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h12,9 sek
Tankvolumen60 l
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)5,5  l / 7,6 l /6,3 l
Testverbrauch6,9 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
166 g/km
Grundpreis30.832,90 Euro
Preis des Testwagens39.998,28 Euro

 

Quelle: n-tv.de

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