Praxistest

Schnapper ohne Reichweiten-Leine Großer MG HS Hybrid+ im Test - fährt ruhig und weit

11.08.2026, 07:52 Uhr
imageVon Patrick Broich
00:00 / 06:00
MG_HS_Hy_VO
Auf großmäulige Kühlergrills stehen viele Kunden offenbar. Die Rundungen verändern den Vibe jedoch in Richtung Fischmaul, was wiederum weniger sexy aussieht. (Foto: Patrick Broich)

MG schafft es längst, gute Allrounder-Fahrzeuge zum moderaten Preis anzubieten. Das gilt auch für den praktischen HS Hybrid+, der hier als Vollhybrid antritt. Quasi der Gegenentwurf zum reinen E-Auto für Interessenten mit Reichweitenangst.

Okay, die Vokabel "Reichweitenangst" aufzugreifen, mag an dieser Stelle etwas überzogen sein, zumal heutige Elektroautos schnell laden. Und gerade hat MG erst mit den IM-Baureihen samt 800-Volt-Bordnetz ultraschnelle Lademonster installiert. Aber gänzlich weg ist diese ominöse, hierzulande grassierende Angst nicht, und es gibt immer noch Neuwagenkunden mit dem Wunsch nach traditionellem Benzineinfüllen. Stopp an der Tankstelle, aussteigen, Zapfpistole in die Hand nehmen und nach dem Freigeben des Einfüllstutzens laufen lassen, bis es an der Zapfvorrichtung klick macht. Und dabei freilich beobachten, wie sich die Zahlen auf dem Display verändern.

Gerade dieser Punkt dürfte angesichts aktueller Spritpreise einen bitteren Beigeschmack haben. Aber sei es drum, das Tanken kann etwas Beruhigendes haben. Vor allem die Gewissheit, dass man schnell weiterkommt nach entleertem Tank. Und genau das bietet der MG HS Hybrid+; und zwar tritt er hier als Hybrid und nicht als Plug-in-Hybrid an. Diese kleine Information ist wichtig für Lademuffel - hier kann nämlich erst gar kein schlechtes Gewissen über das Nichtladen entstehen. Man kann ja nicht laden.

MG_HS_Hy_SE
Dass der MG HS ein Auto ohne Schnickschnack ist, sieht man auch an seinen feststehenden Türgriffen. China verlangt das allerdings künftig grundsätzlich. (Foto: Patrick Broich)

Denn der winzige Akku mit bloß 1,83 kWh Strommenge soll mitnichten dazu dienen, dass der HS rein elektrisch fährt. Wenngleich er es für kurze Abschnitte kann mit seinem 199 PS starken Elektromotor. Doch das ist nicht das Ziel. In der Stadt lautlos kriechen und bei heißem Wetter den Innenraum frisch halten - ausdrücklich ja (hat übrigens eine Komfort-Komponente). Aber sobald das rechte Pedal sinkt und die Lastanforderung steigt, muss der 1,5 Liter große Vierzylinder mit 143 PS sozusagen an die Schippe. Und er kann dabei antreiben, er muss es aber nicht. Weil er als Generator auch den Akku füttern kann, um puffermäßig genug Strom für die Elektromaschine bereitzustellen.

Es ist eben eine Frage der Effizienz. Und die Ingenieure spendieren dem HS vorsorglich zwei Übersetzungsstufen, die unmerklich gewechselt werden. Am Ende ist eben entscheidend, dass der 4,67 Meter lange Alleskönner mit unter sechs Litern Super je 100 Kilometer laufen kann, und das hat sich auch im Test als keineswegs unrealistisch herausgestellt.

MG_HS_Hy_HI
Durchgehende Leuchtbänder sind trendy, das hat sich auch bis zu MG herumgesprochen. (Foto: Patrick Broich)

Hybrid ist nicht nur effizient, sondern auch geschmeidig

Ähnlich wichtig ist, dass der Hybrid zur Kultiviertheit zwingt. Denn während heute effiziente Doppelkupplungsgetriebe an der Tankstelle glänzen mögen - in der Fahrpraxis muss man so manches Geruckel über sich ergehen lassen. Hier nicht. Fast oberklassemäßig sanft schiebt der Fronttriebler an, beschleunigt ansatzlos (sogar binnen 7,9 Sekunden auf 100 km/h), vibriert wenig und bleibt sogar halbwegs leise. Ja, nicht so leise wie eine Oberklasse, keine Frage. Und der Vierzylinder ist jetzt auch keine Maschine, der man unbedingt gezielt bei der Arbeit zuhören müsste. Es ist eine zweckgerichtete Sache: "Bringe mich bitte unauffällig an das nächste Ziel, fertig".

Aber dabei lebt man ganz gut, sitzt keineswegs auf fiesen Holzstühlen und hat durchaus ein erträgliches Maß an Freiraum. Das gilt übrigens auch für den Gepäckraum, denn mit rund 1500 Litern Volumen ist der HS ein familientaugliches Alltags-Arbeitsgerät. Doch Passagieren in der zweiten Reihe geht es auch recht gut, zumindest ihren Beinen.

MG_HS_Hy_IN
An der Ästhetik der Innenarchitektur könnte MG noch feilen. Immerhin, das nüchterne und sachliche Interieur gibt keinen Grund zur Klage hinsichtlich Bedienung und Ergonomie. Und eine induktive Ladeschale gibt es auch. (Foto: Patrick Broich)

Woran MG noch arbeiten müsste, wären Ästhetik und Finish vor allem innen. Schlecht sind die Materialien nicht, aber eben auch keine Augenweide oder haptischer Genuss. Man kann Brot- und Butter-Autos auch feiner gestalten. Warum klobige Lenkradtasten? Warum billig wirkender Klavierlack? Warum eher grobschnitzige Icons auf dem zentralen Display?

Okay, als funktional geht das Menü schon durch, das muss man sagen. Auch wenn es nervig ist, dass man vor Antritt der Fahrt zunächst fünf verschiedene Assistenten ausschalten muss, um unterwegs nicht von überraschenden Lenkeingriffen oder Warntönen behelligt zu werden. Obwohl ich eine Lanze für den aktiven Tempomat brechen muss. Wenn ein Verkehrsteilnehmer auf der Autobahn überraschend herauszieht, bremst die Maschine prompt, aber nicht ruppig. Und ist die Luft wieder rein, beschleunigt der 1,7-Tonner ansatzlos auf das zuvor gewählte Tempo. Maximal sind 190 Sachen drin.

MG_HS_Hy_Fond
Genug Platz für lange Reisen gibt es auch in der zweiten Reihe des HS. (Foto: Patrick Broich)

Und der MG HS Hybrid+ bietet all das und noch viel mehr zum schmalen Taler von 34.990 Euro. Mit Brocken wie einem elektrisch verstellbaren Fahrersitz plus Komfortfeatures à la Lenkradheizung oder Rückfahrkamera und Selbstverständlichkeiten wie LED-Scheinwerfer plus Smartphone-Integration wird er zur finanziell halbwegs niedrigschwelligen Möglichkeit, ein automobiles Komplettpaket mit veritablen praktischen Fähigkeiten zu ergattern. Und recht potent ist dieser HS ja auch noch mit Systemwerten von 340 Newtonmetern Drehmoment sowie 224 PS.

Fazit: Mit dem MG HS Hybrid+ gibt es einen für seine Klasse betont sanft agierenden Verbrenner-Charakter zum bezahlbaren Kurs. Keine Frage, es handelt sich ausdrücklich nicht um ein Premiumprodukt, und das merkt man auch. Aber dafür steht die Marke MG auch gar nicht. Wer jedoch einen sachlichen Familientransporter sucht mit einigermaßen effizientem Antrieb und noch nicht elektrisch fahren möchte, für den könnte dieses sachliche chinesische SUV eine gute Wahl sein.

MG_HS_Hy_Koffer
Schon bei aufrecht stehenden Lehnen passen über 500 Liter Gepäckäquivalent in das hintere Abteil. (Foto: Patrick Broich)

Datenblatt MG HS Hybrid+

  • Abmessungen (Länge/Breite/Höhe): 4,67 / 1,89 / 1,66 m

  • Radstand: 2,77 m

  • Leergewicht: 1735 kg

  • Sitzplätze: 5

  • Kofferraumvolumen: 507 bis 1484 Liter

  • Motorart: 1,5-Liter-Vierzylinder-Benziner mit Turboaufladung plus Elektromaschine

  • Getriebe: 2-Gang-Automatikgetriebe

  • Leistung, Verbrenner: 143 PS (105 kW) bei 5500 U/Min

  • Leistung, Elektromotor vorn: 199 PS (146 kW)

  • Leistung, System: 224 PS (165 kW)

  • max. Drehmoment (Verbrenner): 230 Nm bei 4000 U/min

  • max. Drehmoment (Elektromaschine): 340 Nm

  • max. Drehmoment (System): 340 Nm

  • Kraftstoffart: Benzin

  • Antrieb: Vorderradantrieb

  • Beschleunigung 0-100 km/h: 7,9 Sekunden

  • Höchstgeschwindigkeit: 190 km/h

  • Tankvolumen / Akkukapazität: 55 Liter / 1,83 kWh

  • Benzinverbrauch: 5,5 Liter (WLTP)

  • CO2-Emission kombiniert: 126 g/km (WLTP)

  • Grundpreis: ab 34.990 Euro

Quelle: ntv.de

Chinesische AutobauerMG-ModelleSUVHybridautosElektromobilität