Infografik

Zweiter Lockdown in den Alpen Wie Österreich gegen Corona kämpft

Das Infektionsgeschehen lässt der Regierung in Wien keine andere Wahl: Mitte November treten in Österreich drastisch verschärfte Corona-Auflagen in Kraft. Schulen und Geschäfte sind geschlossen. Wie entwickeln sich die österreichischen Fallzahlen?

Österreich stemmt sich mit einschneidenden Maßnahmen gegen die Corona-Krise: Ab 17. November wechselt das Land mit seinen rund 8,9 Millionen Einwohnern in einen verschärften Lockdown. Die bisher geltenden Kontaktbeschränkungen werden damit massiv ausgeweitet.

Vorerst bis zum 6. Dezember gelten landesweite ganztägige Ausgangssperren. Schulen und Geschäfte bleiben geschlossen, lediglich Lebensmittelläden, Apotheken, Drogerien, Banken und Postämter dürfen öffnen.

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Pandemie-Abwehr in Österreich: Gesundheitsminister Rudolf Anschober (r.) stellt mit Daniela Schmid, Sprecherin der Ampelkomission, die dunkelrote Corona-Lage vor.

(Foto: dpa)

Die Maßnahmen gehen weit über die Corona-Auflagen hinaus, wie sie zum Beispiel in Deutschland gelten. In Österreich ist zum Beispiel selbst das Verlassen der eigenen Wohnung vorerst nur noch aus "triftigem Grund" erlaubt. Ausnahmen gibt es nur noch für den Weg zur Arbeit, zum Arzt oder zum Einkaufen sowie für Sport und Spaziergänge im Freien.

Grund für die neuen Maßnahmen sind die insgesamt steigenden Infektionszahlen in Österreich. Trotz des erst vor zwei Wochen verhängten Teil-Lockdowns mit einer bislang nur nächtlichen Ausgangssperre bekam das Land die Ansteckungswelle nicht unter Kontrolle.

Komplett in Rot: Die Corona-Warn-Ampel

Die Anfang September von der österreichischen Bundesregierung eingeführte Corona-Ampel zeigt die Infektionslage in den Gemeinden der Alpenrepublik nach regionaler Risikoeinschätzung in vier Farbstufen an. Grün steht dabei für ein "geringes Risiko" (einzelne Fälle und isolierte Cluster), Gelb für "mittleres Risiko" (moderate Anzahl an Fällen, die primär Clustern zuordenbar sind), Orange für "hohes Risiko" (Häufung von Fällen, die nicht mehr überwiegend Clustern zuordenbar sind) und schließlich Rot für ein "sehr hohes Risiko".

In den rot eingefärbten Regionen gibt es demnach "unkontrollierte Ausbrüche" und eine "großflächige Verbreitung" des Virus. Festgelegt wird die Einstufung von der "Corona-Kommission", die neben der epidemiologischen Lage vor Ort auch die Auslastung des regionalen Gesundheitssystems berücksichtigt.

"Mit jeder Ampelfarbe sind Empfehlungen und Maßnahmen verknüpft, die der Bevölkerung einen Überblick geben sollen, welche Vorsichtsmaßnahmen in welcher Ampelfarbe zu treffen sind oder empfohlen werden", heißt es beim österreichischen Gesundheitsministerium zur Erklärung. Die Österreich-Karte zur offiziellen Corona-Ampel steht seit Anfang November landesweit auf Rot. Die Daten werden einmal wöchentlich jeweils am Donnerstag oder Freitag aktualisiert.

Österreich ist sehr viel stärker von der Pandemie betroffen als etwa Deutschland. Das landesweite Fallaufkommen stieg gemessen an der Sieben-Tage-Inzidenz zeitweise auf deutlich mehr als 500 Neuinfektionen binnen sieben Tagen je 100.000 Einwohnern. Zum Vergleich: In Deutschland bewegte sich diese Kennzahl Mitte November noch bei rund 140 Neuinfektionen.

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz verteidigte die drastische Verschärfung der Corona-Auflagen. "Wie Sie wissen, war ich schon immer für härtere Maßnahmen", erklärte er. Der harte Lockdown inklusive Ausgangssperren und anderen massiven Eingriffen in das öffentliche Leben sei unumgänglich. "Nur so können wir eine Überforderung des Gesundheitssystems verhindern, nur so können wir Weihnachten retten."

Kurz kündigte zudem weitere Maßnahmen an: Nach Ablauf der strengen Beschränkungen sollen Corona-Massentests das Infektionsgeschehen in Österreich möglichst flächendeckend erfassen. Die Vorbereitungen dafür laufen bereits auf Hochtouren. Dabei sollen dem Vernehmen nach Antigen-Schnelltests zum Einsatz kommen.

Im Nachbarland Slowakei gelang es damit, eine größere Zahl der sogenannten asymptomatisch Infizierten zu entdecken. Die Suche nach diesen Corona-Fällen, die keine Symptome verspüren, aber trotzdem ansteckend sein können, gilt als Schlüssel zur effektiven Eindämmung der Ansteckungswelle.

Österreich ist das bisher größte europäische Land, in dem ein solcher Massentest den Durchbruch bringen soll. Die Vorgehensweise ist allerdings nicht unumstritten. "Massentests sind nur ein Baustein in der Pandemiebekämpfung", warnte etwa Virologin Judith Aberle von der Med-Uni Wien.

"Ihr Vorteil: ein schnelles Ergebnis. Der Nachteil: Jeder Test ist nur eine Momentaufnahme," erklärte sie in der österreichischen Tageszeitung "Der Standard". Menschen, die negativ getestet wurden, dürften sich demnach nicht in falscher Sicherheit wiegen. Sie könnten sich theoretisch kurz nach dem Test anstecken. Deshalb entbindet ein negativer Antigentest niemanden davon, sich auch weiter an sämtliche Hygienevorschriften zu halten. Auch nach einer solchen Testaktion müsste Österreich demnach mit Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht leben.

Quelle: ntv.de