Leben

Hol dir die Sonne nach Hause Auf Balkonien kann es so schön sein

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Sehen gut aus und schmecken: Kräuter.

(Foto: imago images/Shotshop)

Sie ist da, diese Sehnsucht, nach Meer, Bergen, nach lauer Luft und Palmen - nach allem, was zu einem Sommerurlaub für die meisten dazugehört. Aber 2020 wird wohl ein anderer Sommer, ein anderer Urlaub. Gut, wenn man dann einen Balkon hat. Und ein Mood-Board.

Es ist ja nicht so, dass da nicht die Sehnsucht wäre: Nach Meer, nach Bergen, nach der lauen Luft, Palmen, der Piazza - eben nach allem, was zu einem Sommerurlaub für viele dazugehört. Aber 2020 wird ein anderer Sommer, ein anderer Urlaub. Und selbst diejenigen, die jetzt - seit die Reisewarnungen aufgehoben wurden und die Länder ihre Grenzen aufmachen - immer wieder auf den Seiten der Reiseveranstalter und der Ferienhausvermieter herumsurfen, ertappen sich beim Suchbegriff "Lombardei", "Peloponnes" oder "Region Madrid" dabei, auf einmal andere Bilder als terrakottafarbene Häuser mit Patina, sich im Wind wiegende Palmen und einen eiskalten Aperitivo vor Augen zu haben. Eine Alternative muss her.

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Schöner ist es im Urlaub auch nicht.

(Foto: solebich)

Wie wäre es also mit einer Reise nach "Balkonien"? Ein wahres Wunderland. Die Reise dorthin? Absolut klimaneutral. Die Kosten vor Ort? Längst in der privaten Budget-Planung eingepreist. Das Land, die Leute? Wie überall. Mal nett, mal weniger nett. Kennt man eben. Das Catering? Alles, was das Herz begehrt, der Geldbeutel zulässt und Lieferdienste eben so vor die Haustüre bringen. Schwierig gestalten sich eigentlich nur zwei Dinge: der Erholungs- und der Exotik-Faktor. Doch die kann man glücklicherweise selbst beeinflussen. Zumal jetzt ja vielleicht der eine oder andere Euro nicht für einen teuren Flug ausgegeben werden muss.

Es beginnt bei der Balkongestaltung. Und damit sind nicht zwei Stühle, ein Klapptisch, drei halb verdurstete Pflanzen und der leere Bierkasten gemeint. Schließlich soll an diesem Ort Feriengefühl aufkommen. Alles beginnt mit einer Selbstbefragung. Der Coaching-Modus, der jetzt folgt, ist übrigens Absicht. Wo würden wir am liebsten sein? Wo fühlen wir uns am wohlsten? Welcher Ort, welches Ambiente hat uns nie losgelassen? Daraus lässt sich eine Deko- und Einkaufsliste für unsere drei oder fünf oder im besten Fall sogar 20 Quadratmeter entwickeln. Und ab hier gelten nun ein paar Regeln, die man genauso gut für jeden Raum zu Hause entwickeln sollte. Für jedes Zimmer. Jede Einrichtung. Nicht nur für den Balkon.

Regel Nr. 1: Definiere deine Sehnsucht. Simpler formuliert: Finde dein Motto.

Bei einer Inneneinrichterin aus Schleswig-Holstein beispielsweise entdeckte ich einmal ein sogenanntes "Mood Board", das ihr neues Zuhause beschreiben sollte. Bei ihr hieß das "Milch und Honig". Und entsprechend dieser beiden Begriffe waren alle Fotos an dieser Pinnwand in diesen Farben gehalten. Einrichtungsgegenstände aus Milch und Honig, wenn man so will. Es sah sehr harmonisch aus.

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Ein Olivenhain ist fein - aber ein einzelner Baum tut's auch.

(Foto: imago images/CHROMORANGE)

Ein Motto kann aber auch ein Land sein, eine Region, eine Erinnerung an ein Restaurant oder ein Café. Es kann natürlich auch ein Einrichtungsstil sein oder eine bestimmte Mode oder eine Epoche, die man liebt. Vielleicht lohnt sich so eine Sammlung von Fotos, Ansichten oder Zeitungsausschnitten, die einen inspiriert und anleitet. Ein Mood-Board für den Balkon.

Beispiel 1: Italien. Was macht die kleinen, italienischen Bars, Pizzerien, Cafés so charmant? Es ist manchmal der Mut zur Schlichtheit und zur Konsequenz. Zur rotweiß karierten Decke. Zu den ausgetrunkenen Weinflaschen als Kerzenhaltern, bei denen das Wachs bereits erloschener Kerzen den Flaschenhals erstarrt verziert. Zu einem solchen Ensemble Kräuter zu pflanzen: Basilikum, Rosmarin, Oregano, Salbei, Lorbeer. In Massen. Damit auch der Duft zum Ambiente passt. Und der Vorteil: Diese Balkon-Bepflanzung ist auch noch essbar.

Regel Nummer 2. Zieh das durch. Mach dein Ding. No excuses.

Verzichte auf den Bambus, den du eigentlich auch toll fändest. Der aber besser zu einem Buddha-Garten passen würde und in Little Italy nun so gar nichts verloren hat. Stattdessen bestünde angesichts steigender Temperaturen durchaus die Möglichkeit, einen Olivenbaum zu erwerben. Seit vergangenem Jahr gibt es sie vermehrt selbst in den Baumärkten - und die Preise sind erschwinglich. Aber bitte nur, wenn es ein passendes Winterquartier für den Olea europaea gibt. Wer in der italienischen Kulisse auf Balkonien nun noch am Abend selbstgemachte Antipasti serviert, eine Pasta mit Trüffelpesto hinzufügt und die laue Sommernacht bei einer Tiramisu und den ungeheuer emotionalen Tönen von "La Boheme" ausklingen lässt, der ist schon fast dort - in Italien. Und kann dennoch - denn wo schläft man besser - im eigenen Bett die Nacht verbringen.

Ein anderes Beispiel. Diesmal Santorini. Die griechische Insel gräbt sich bei allen Besuchern durch ihre Farben ins Gedächtnis: Blau und Weiß. Dazu schwarzer Sand. Gar nicht so schwer, auch zu Hause ein Stück Griechenland zu verwirklichen. Manchmal reichen dazu ganz wenige Accessoires. Auf diesem Bild zum Beispiel ist die blaue Tür ein echter Hingucker. Vielleicht kann man in diesem Blau einen Tisch streichen.

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Blau und Weiß gleich Griechenland. Irgendwie.

(Foto: imago images/Cavan Images)

Oder einen alten Fensterrahmen, den man an einer Seitenwand montiert. Alles andere weiß lassen. Eine weiße Hängematte dazu aufhängen und sich die passende Keramik in den Blautönen organisieren. Eine gute Idee stammt von meinem Lieblings-Griechen, der alte Öl-Kanister bepflanzt hat. Schon ist der Himmel auch ein bisschen blauer.

Regel Nummer 3: Es muss nicht teuer sein.

Ein drittes Beispiel. Diesmal zum Begriff "Boho". Lange habe ich mich gefragt, was er eigentlich genau bedeutet, auch wenn ich immer ein paar Bilder dazu im Kopf hatte. Um es kurz zu machen: Der Begriff "Boho" stammt vom französischen Wort "Bohémien" ab. Er entstand im 19. Jahrhundert. Meist handelte es sich bei dabei um Künstler, Poeten, Maler. Sie alle vereinte eine Abneigung gegen bürgerliche Regeln und Standards. Für die Mode und Inneneinrichtung heißt das heute: Möglich lässig bleiben!

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Zum Boho-Look auf dem Balkon kann man sich durchaus passend kleiden.

(Foto: imago images/Cavan Images)

Die Begriffe für die Pinnwand, das "Mood Board", würden "Bastkörbe" und "Bodenkissen" heißen. Ein Outdoor-Teppich. Die derzeit angesagten Euro-Paletten als hippe Lounge-Ecken können da natürlich auch helfen. Man findet sie bereits umgebaut und zum Beispiel in Weiß gestrichen in Baumärkten. Wichtig auf jeden Fall: Natürliche Materialien in natürlichen Farben, gepaart mit einem Schuss Hippie-Ambiente und einem niedrigen Tisch sowie unzähligen Windlichtern - und schon kommt eine sehr entspannte Atmosphäre auf.

Nun erstmal: Motto finden statt Reise-Seiten googeln. Übrigens - das WLAN ist in Balkonien meist auch besser. Und kostet nichts extra. Und einen Mund-Nasen-Schutz braucht man auch nicht.

Quelle: ntv.de