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Großes Kino Der Berliner "Tatort" im Schnellcheck

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Haben keine Zeit, die Berlinale zu genießen: Rubin (Meret Becker) und Karow (Mark Waschke).

rbb/Reiner Bajo

Deutsche Krimis sind biedere Kost und der "Tatort" das "Traumschiff" für Puzzlefreunde? Von wegen: Der neueste Fall aus Berlin stapelt gekonnt Metaebene auf Metaebene und zeigt, was in dem Format wirklich steckt.

Das Szenario

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Guckt einen Film, in dem ein Kommissar einen Film guckt, in dem ...

(Foto: rbb/Reiner Bajo)

Wer am Montagmorgen einen abgetrennten Finger auf seinem Schreibtisch findet, hat selten einen guten Start in die Woche. Für den Berliner Kommissar Karow (Mark Waschke) gilt das ganz besonders, schließlich finden er und seine Kollegin Rubin (Meret Becker) kurz darauf in einem Lagerhaus auch noch den Rest des Körpers, feinsäuberlich eingelegt in Formaldehyd. Der Mörder steht schon nach wenigen Filmminuten fest: Es war Peter Koteas (Simon Schwarz), der Drehbuchautor eines Kinofilms, der just am Tag des Fingerfunds Premiere auf der Berlinale feiert. Festnehmen können Rubin und Karow den Mörder indes nicht mehr - Koteas hat bereits vor Monaten Selbstmord begangen.

Das allerdings ist im Fall von "Meta" auch gar nicht das Entscheidende, schließlich erzählt der von Koteas geschriebene Film den Fall der Ermordeten und die Ermittlungsarbeiten der realen Kommissare fast eins zu eins nach. Im weiteren Verlauf des verstörenden Thrillers kommen die Filmkommissare einem totgeglaubten bundesdeutschen Geheimdienst auf die Spur, in dessen Auftrag Koteas' Kino-Alter-Ego Menschen ermordet. Während Rubin die Filmhandlung als Fiktion abtut, nimmt Karow das Gesehene für bare Münze und ermittelt zunehmend manisch drauflos - mit schwerwiegenden Folgen.

Die eigentliche Botschaft

Zum einen: Metaebenen sind etwas Feines, wenn sie - wie hier - sauber durchdacht sind. Und dann natürlich die Frage, ab welchem Punkt aus einer gesunden Skepsis Paranoia wird.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Von der Szene, in der Karow im Kino sitzt und einen Film sieht, in dem ein Kommissar im Kino sitzt und einen Film sieht, in dem ein Kommissar im Kino sitzt und einen Film sieht, in dem … Wahnsinn!

Der Plausibilitätsfaktor

"Inspiriert von wahren Begebenheiten" heißt es im Vorspann dieses "Tatorts". Aber ist das nun auf die Realität bezogen oder gehört das schon zum Film im Film im Film? Wie auch immer die Antwort darauf lautet: "Meta" ist von vorne bis hinten stimmig durcherzählt - das muss man bei so einem Komplexitätsmonster erst mal schaffen.

Die Bewertung

9 von 10 Punkten. Dieser "Tatort" ist ein Kunstwerk.

Quelle: n-tv.de

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