Streit um "Free Palestine"-RufeEd Sheeran erklärt sich nach Aus von Macklemore bei US-Tour

Ed Sheeran will sich im Nahostkonflikt auf keine Seite stellen: Als der Druck zu groß wird, lässt der Popstar den Rapper Macklemore wegen dessen propalästinensischen Äußerungen fallen - macht aber den Veranstalter verantwortlich. Ein Vorsänger von Sheerans US-Tour zieht Konsequenzen.
Nach propalästinensischen Äußerungen und dem Ausschluss von US-Rapper Macklemore aus dem weiteren Vorprogramm seiner Tour hat Popstar Ed Sheeran erstmals Stellung dazu bezogen. Das sei die Entscheidung des Tourveranstalters gewesen, nicht seine, schrieb Sheeran auf Instagram. Er selbst habe in den vergangenen Tagen ausgiebig unter anderem mit Vertretern der Veranstaltungsorte, dem Tourveranstalter und "Aktivisten auf beiden Seiten" gesprochen, um eine gemeinsame Lösung zu finden, aber ohne Erfolg.
Er sei "entsetzt" vom Nahost-Konflikt und dem Leid auf beiden Seiten, schrieb Sheeran weiter. "Ich habe meine persönliche Meinung zu diesem verheerenden Konflikt. Nur weil ich mich dazu nicht öffentlich äußere, heißt es nicht, dass ich diese nicht habe, und es heißt auch nicht, dass es mir egal ist."
Er respektiere es, dass Macklemore sich laut für das stark mache, woran er glaube, so Sheeran weiter. Er selbst habe aber für sich entschieden, seine Auftritte nicht für politische Meinungsäußerungen zu nutzen - vor allem, weil unter seinen Zuschauern viele jungen Menschen, darunter auch Kinder, von überall her seien, und er für diese einen "Ort der Sicherheit und Zuflucht" schaffen wolle. "Wenn wir uns nur darauf konzentrieren, wer am lautesten schreit, wird sich nie etwas ändern."
Zuvor hatte Macklemore mitgeteilt, dass "Ed Sheeran und sein Team" ihn aus der Tour gestrichen hätten. Laut Medienberichten hatte der 43-Jährige auf Konzerten etwa gesagt: "Einer der Gründe, warum ich bei dieser Tour mitmachen wollte, war, dass ich hier auf Bühnen und in Stadien in ganz Amerika stehen und zwei Worte sagen kann, die mir sehr am Herzen liegen: Free Palestine."
Milliardär spricht von "Hassrede"
Die Organisation Israeli-American Council (IAC) hatte laut Medien daraufhin eine Petition gestartet, in der sie Sheeran dazu aufrief, den Rapper auf seiner Tour nicht weiter auftreten zu lassen. Der Milliardär und Eigentümer des NFL-Teams New England Patriots, Robert Kraft, teilte Sheeran mit, dass dieser nicht mit Macklemore im Vorprogramm in seinem Stadion auftreten dürfe. Sheeran war im Jahr 2022 bei der Hochzeitsfeier von Kraft aufgetreten.
"Das Gillette Stadium setzt sich seit jeher dafür ein, allen Gästen eine einladende Atmosphäre zu bieten und sicherzustellen, dass die in unserer Veranstaltungsstätte stattfindenden Events keine Plattform für Hassreden bieten", teilte Kraft nach dem Ausschluss von Macklemore mit. Welche Äußerungen von Macklemore er als Hassrede empfand, blieb unklar.
Der Rapper aus Seattle, der mit bürgerlichem Namen Benjamin Haggerty heißt, positioniert sich immer wieder politisch - und seit dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 auch israelfeindlich. Unter anderem im 2025 veröffentlichten Lied "Fucked up" wirft er Israel Genozid vor und vergleicht in einem dazugehörigen Musikvideo einen Jungen aus dem Warschauer Getto mit einem aus dem Gazastreifen. Eine Gleichsetzung, die Kritiker als Holocaustrelativierung einstufen, zumal der Sänger das Massaker vom 7. Oktober unerwähnt lässt.
Auf den Konzerten im Rahmen der Ed-Sheeran-Tour hatte der 43-jährige Musiker neben "Free Palestine"-Rufen versucht, Antisemitismusvorwürfe zu entkräften: "An alle meine jüdischen Brüder und Schwestern: Kritik an Israel, Kritik an der Apartheid, die Ablehnung von Völkermord - das ist in keiner Weise eine Kritik an euch. Meine Botschaft gilt dem Frieden, der Liebe dafür, dass alle Menschen mit Würde, Respekt und Gleichberechtigung behandelt werden."
Robert Kraft setzt sich seit Jahren für den Staat Israel ein. "Israel hat keinen treueren Freund als Robert Kraft", sagte der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu im Jahr 2019 bei einer Preisverleihung an Kraft, bei der dieser unter anderem für sein Engagement gegen Antisemitismus ausgezeichnet wurde.
Sheeran-Vorsänger stellt sich hinter Macklemore
US-Rapper Macklemore schrieb in einer Stellungnahme, dass Kraft weitere Besitzer von Veranstaltungsorten der Tour von seiner Position überzeugt habe.
Der Singer-Songwriter Aaron Rowe sagte seine Teilnahme als Vorsänger auf der nordamerikanischen Etappe von Ed Sheerans "Loop"-Tour nach dessen Entscheidung gegen Macklemore ab. Wie "Variety" berichtete, bekundete der irische Musiker auf Instagram ebenfalls seine Unterstützung für Palästina und erklärte gleichzeitig, warum er sich entschieden habe, die Tour zu verlassen: "Ich nehme diese Entscheidung nicht auf die leichte Schulter. Ed ist mir ein Freund und hat mein Leben verändert; ich könnte ihm dafür niemals genug danken."
"Aber als Iren", fuhr er fort, "wissen wir nur zu gut, was Völkermord, erzwungene Hungersnot und gewaltsame Besatzung bedeuten. Ich kann nicht tatenlos zusehen und zulassen, dass Milliardäre ihre Machtposition nutzen, um die berechtigten Stimmen derer zum Schweigen zu bringen, die sich gegen den israelischen Völkermord aussprechen und auf die brutale Ermordung von Kindern aufmerksam machen."
Der Musiker Finneas O'Connell, auch bekannt als enger Wegbegleiter seiner Schwester Billie Eilish, kündigte ebenfalls an, nicht mehr als Support-Acts auf der Sheeran-Tour auftreten zu wollen. "Künstler dürfen nicht zum Schweigen gebracht werden, wenn sie ihre Stimme für Unterdrückte erheben", schrieb er auf Instagram.
Popstar Ed Sheeran ist mit seiner "Loop"-Tour noch bis November in den USA unterwegs, danach sind Konzerte in Mexiko und Südamerika angesetzt.