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Künstler mit Haltung Günther Uecker bleibt am Nagel der Zeit

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Deutsche Nachkriegskunst trägt auch seine Handschrift: Günther Uecker.

(Foto: picture alliance / dpa)

Kraftvoll, streng, aber doch poetisch: Seine reliefartigen Nagelbilder machen Günther Uecker schon früh berühmt. Aber das vielschichtige Werk des sensiblen Malers und umtriebigen Objektkünstlers sollte nicht nur auf diese beschränkt werden.

Seit über einem halben Jahrhundert produziert Günther Uecker Kunst, die sich zwischen zarter Geste und kraftvollem Ausdruck bewegt. Ueckers Gesamtwerk umfasst dabei über die Jahrzehnte Malerei, Objektkunst, Sound-Installationen und Environments, aber auch Bühnenbilder und Filme. Er zählt zu den vielseitigsten Vertretern der deutschen Nachkriegskunst. Zusammen mit Heinz Mack und Otto Piene gilt Günther Uecker als einer der Hauptvertreter der Avantgarde-Bewegung ZERO.

Die Kunst war ihm nicht in die Wiege gelegt. Der Mecklenburger wird 1930 in Wendorf als Sohn eines Ingenieurs geboren und erlebt das Ende des Kriegs und den Einmarsch der roten Armee auf der einsamen Halbinsel Wustrow an der Ostsee. Traumatische Erlebnisse für den gerade 15-Jährigen. Nach dem Krieg studiert er zunächst in Wismar und in Ost-Berlin. Nach dem gescheiterten Aufstand des 17. Juni flieht er 1953 über die grüne Grenze aus der DDR. Besitzlos kommt er schließlich in Düsseldorf an, um bei seinem Idol, dem Alt-Expressionisten Otto Pankok, an der Akademie zu studieren. An der Kunsthochschule öffnet sich sein Blick: Abstraktion, Aktionen und Kinetik. Er setzt sich mit unterschiedlichen Materialien und Techniken auseinander. Zum Ende der 1950er-Jahre entstehen die ersten Reliefs aus Zimmermannsnägeln.

Nachkriegs-Neuanfang in der Kunst

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Günther Uecker, Friedensgebote Blatt 5

Uecker kommt mit der Gruppe ZERO, dem Maler und Bildhauer Heinz Mack und dem Licht-Künstler Otto Piene in Berührung. Sie wollen nach dem Krieg einen Neuanfang in der Kunst wagen und sich gegen das deutsche Informel positionieren. Er beginnt, sich mit Licht zu beschäftigen, widmet sich optischen Phänomenen und Strategien, den Betrachter aktiv in die Rezeption von Kunst miteinzubeziehen. Uecker entwickelt die für ihn typischen Nagelbilder: In Holz geschlagene oder auf eine Leinwand geprägte geometrische Felder aus Eisennägeln. Je nach dem Einfallswinkel des Lichts entstehen unterschiedliche Schattenwirkungen, es ergeben sich dynamische Lichtformen, organisch wirbelnd. Zunehmend integriert er auch Alltagsgegenstände in sein Werk, schlägt Nägel in Möbel, Kommoden und Fernseher. 1964 treibt er unzählige Nägel in ein Klavier und grundiert Teile des Instruments mit weißer Farbe. Im selben Jahr nimmt er mit den anderen ZERO-Künstlern an der documenta III teil.

Zu Beginn der 1970er-Jahre wendet sich Uecker auch vermehrt Environments zu. Einmal färbt er eine ganze Straße in der Düsseldorfer Altstadt weiß, um die Schritte der Passanten in alle Richtungen nachvollziehbar zu machen. Er stellt international aus und wird mehrfach ausgezeichnet. 1970 ist er der deutsche Vertreter auf der Biennale von Venedig und 1977 entsteht ein Wandrelief für ein UNO-Gebäude in Genf. An seiner Akademie in Düsseldorf ist er ab Mitte der 1970er-Jahre Professor. Sein Werk ist durch Materialminimalismus gekennzeichnet, er entwirft Sound-Objekte und kinetische Sandskulpturen, die immer gleiche Kreise in ein Rund ziehen. Seine Haltung ist auch eine politische, er sieht sich als pazifistischer Künstler. In Reaktion auf das atomare Unglück von Tschernobyl schafft er Aschebilder, Negativ-Abdrücke seines Körpers in verbranntem Holz. Er konzipiert ein steinernes Denkmal für die Toten des Konzentrationslagers Buchenwald und gestaltet den Andachtsraum im Reichstag. "Wo Sprache versagt, beginnt das Bild", fasst er seine Haltung zusammen. Seine individuelle künstlerische Formensprache scheint jedenfalls noch lange nicht erschöpft.

Günther Uecker bei n-tv Art

Günther Uecker bei Geuer & Geuer Art: Hier sind Friedensgebote Blatt 3  und Friedensgebote Blatt 5 der 9-teiligen Mappe erhältlich.

Quelle: n-tv.de