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"Er ist groß, oder?" Immer mehr Vorwürfe gegen Kevin Spacey

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Es könnte einsam um ihn werden: Kevin Spacey.

(Foto: imago/PanoramiC)

Bricht im Fall Kevin Spacey eine ähnliche Lawine an Vorwürfen sexueller Belästigungen los wie bei Filmmogul Harvey Weinstein? Jedenfalls stehen inzwischen diverse Anschuldigungen gegen ihn im Raum. Und "House of Cards"? Die Serie steht vor dem Aus.

Die Szenerie scheint der im Fall von Filmproduzent Harvey Weinstein zu gleichen: Nachdem mit Anthony Rapp ein erster Schauspieler von einem sexuellen Übergriff durch Kollege Kevin Spacey berichtet hat, wagen sich immer mehr angebliche Opfer des Oscar-Preisträgers an die Öffentlichkeit. So erhebt nun etwa auch der mexikanische Schauspieler Roberto Cavazos schwere Vorwürfe gegen Spacey.

Während Spaceys Zeit als künstlerischer Direktor des Londoner Old Vic Theatre habe es unzählige Übergriffe und ungewollte sexuelle Avancen gegeben, so Cavazos. "Viele von uns haben eine 'Kevin-Spacey-Geschichte'. Es brauchte wohl nur einen jungen Mann unter 30 und Herr Spacey fühlte sich frei, uns anzufassen", schreibt der 35-Jährige auf Facebook. "Es war so üblich, dass es sogar zu einem lokalen Witz wurde (von schlechtem Geschmack)."

"Keiner war so dreist"

Er könne die Anzahl der Personen nicht mehr zählen, die ihm die gleiche Geschichte über Spacey erzählt hätten, schreibt Cavazos weiter. Demnach habe Spacey mehrfach Schauspieler eingeladen, um "über ihre Karriere zu reden". Nach ihrer Ankunft im Theater habe Spacey die Eingeladenen mit einem vorbereiteten Picknick und Champagner auf der Bühne erwartet. Die Geschichten variierten darüber, wie weit das Picknick gegangen sei, doch die Technik sei immer die gleiche gewesen.

Cavazos berichtet weiter, Spacey habe sich auch an der Bar des Theaters Schauspielern aufgedrängt, die sein Interesse geweckt hätten. "Auf diese Weise hat er mich beim zweiten Mal berührt. Ich habe mich nie darauf eingelassen, aber ich weiß, dass einige Angst davor hatten, Stopp zu sagen." Cavazos zweifelte nicht daran, dass es weitere Fälle wie den von Spacey in London gegeben habe. "Aber keiner war so öffentlich und dreist", schreibt der Schauspieler.

Spacey war zwischen 2004 und 2015 an dem Londoner Theater engagiert. In einem Statement betonte die Theaterleitung: "Ungebührliches Verhalten jedes Mitarbeiters des Old Vic ist völlig inakzeptabel." Beschwerden würden unter einer bestimmten Mailadresse entgegengenommen und vertraulich behandelt. "Wir haben externe Berater eingesetzt, die uns bei der Bearbeitung der eingegangenen Informationen unterstützen."

"Er packte mich im Schritt"

Neben Cavazos beschuldigt inzwischen auch der Dokumentarfilmer Tony Montana den 58-jährigen Star der Netflix-Serie "House of Cards", ihn 2003 belästigt zu haben. Geschehen sei dies in einer Bar in Los Angeles, erklärt Montana in einem Interview mit der Promi-Webseite "Radar Online". "Ich wollte mir gerade einen Drink bestellen, als Kevin zu mir kam und seinen Arm um mich legte", berichtet der Filmemacher. "Er forderte mich auf, mit ihm mitzukommen und die Bar zu verlassen. Er packte mich energisch im Schritt und umfasste mein gesamtes Gemächt."

Spacey sei betrunken gewesen, erinnert sich Montana an den Vorfall, der geschehen sei, als er in seinen Dreißigern war. Er habe die Hand des Schauspielers mit Nachdruck entfernt und Spacey stehen lassen. Kurz darauf sei ihm Spacey jedoch auch noch in die Toilette gefolgt. "Ich habe ihn rücklings aus der Tür geschubst", so Montana. Schließlich habe Spacey mit seiner Entourage die Bar verlassen.

"Rauchst du Gras?"

Mit dem Barkeeper Daniel Beal meldete sich ein weiterer Mann zu Wort, der nach eigenen Angaben von Spacey bedrängt wurde. Im Gespräch mit der Zeitung "The Sun" berichtet er von einem Erlebnis, das ihm 2010 im Alter von 19 Jahren mit dem Schauspieler widerfahren sein soll. Beal arbeitete demnach zu jener Zeit in einer Hotelbar im Süden Englands, die der am Old Vic Theatre arbeitende Spacey besuchte. "Jedes Mal, wenn ich versuchte, ihm einen Drink zu geben, berührte er meine Hand auf eine seltsame Art und Weise. Er trank immer mehr - eine ganze Flasche Jack Daniels", schildert Beal die Begegnung mit Spacey.

Als er für eine Zigarette nach draußen gegangen sei, sei ihm der Schauspieler gefolgt, sagt Beal. "Rauchst du Gras?", habe ihn Spacey gefragt. "Ich habe Unmengen davon in meinem Zimmer. Komm mit in mein Zimmer", zitiert der Barkeeper den Schauspieler weiter. Er habe dies jedoch abgelehnt und sei an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt, erinnert sich Beal.

"Was zur Hölle tun Sie da?"

Den Schauspieler habe das jedoch nicht davon abgehalten, ihn während seiner nächsten Zigarettenpause abermals aufzusuchen. "Bevor ich auch nur irgendwas tun konnte, holte er seinen Schwanz raus. Ich sagte: Was zur Hölle tun Sie da?", schildert Beal die Ereignisse und ergänzt: "Er sagte: 'Er ist groß, oder?' Er beugte sich zu mir und versuchte, meine Hand an ihn zu ziehen. Ich bin zurück nach drinnen."

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Als Frank Underwood in "House of Cards" feierte Spacey zuletzt große Erfolge.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Wenig später habe ihm Spacey eine rund 5000 Pfund wertvolle Uhr in die Hand gedrückt und darauf bestanden, dass er diese annehme, erklärt Beal im "The Sun"-Gespräch weiter. Er habe sich letztlich darauf eingelassen, wisse heute jedoch, dass Spacey ihn von Anfang an zu manipulieren versuchte. Da er sich mit der Uhr am Armgelenk "schmutzig" gefühlt hätte, habe er sie am nächsten Tag für 3200 Pfund verkauft.

Das Aus für "House of Cards"

Der 46-jährige Schauspieler Anthony Rapp, der momentan in der neuen "Star Trek"-Serie "Discovery" zu sehen ist, hatte Spacey als erster eines sexuellen Übergriffs vor rund 30 Jahren beschuldigt. Er sei damals 14 Jahre alt gewesen und Spacey 26. Der Oscar-Preisträger outete sich kurz nach den Vorwürfen als schwul.

Netflix kündigte inzwischen Konsequenzen aus den Vorwürfen gegen Spacey an. So wurden die Dreharbeiten zur mittlerweile sechsten Staffel der Erfolgsserie "House of Cards", in der Spacey die Hauptrolle des fiktiven US-Präsidenten Frank Underwood spielt, "bis auf Weiteres" unterbrochen. Man wolle die aktuelle Situation überprüfen und Sorgen der Besetzung und der Crew besprechen, hieß es seitens Netflix. Man sei über die Vorwürfe gegen Spacey "zutiefst beunruhigt".

Zudem erklärte der Streamingdienst, es werde danach keine weitere Staffel von "House of Cards" mehr produziert. Dies sei allerdings schon länger geplant gewesen. Dafür gibt es offenbar Überlegungen für potenzielle Spin-offs der Serie. Das jedenfalls berichtet das Branchen-Portal "Variety" unter Berufung auf Insider.

Ein möglicher Ableger der Serie soll demnach Doug Stamper (Michael Kelly) in den Mittelpunkt stellen, den Stabschef des von Spacey gespielten Underwood. Eric Roth, der die ersten vier Staffeln von "House of Cards" produzierte, soll als Autor der neuen Serie vorgesehen sein. Ideen für zwei weitere Spin-offs gebe es ebenfalls, heißt es. Eine offizielle Bestätigung von Netflix dafür gibt es jedoch nicht.

Quelle: ntv.de, vpr/nsc/dpa