Unterhaltung

Ikonen für das neue Jahr Kilian Kerner über Charity und Chuzpe

kk3.jpg

Aenne Schwarz schaukelt in einem Kleid von Kilian Kerner vor der Linse von Jim Rakete.

Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Stars - nichts Besonderes, möchte man denken. Es sind aber besonders schöne Aufnahmen (von Jim Rakete) von besonderen Menschen (Karoline Herfurth, Franziska Knuppe, Anna Maria Mühe, um nur einige zu nennen), in besonders schönen Kleidern (von Kilian Kerner). Das Beste aber ist, dass sie für ganz besondere Menschen gemacht wurden - nämlich für Kinder, die weit weg sind von dem Glamour, der Modedesigner sonst so umgibt. Kilian Kerner wollte etwas tun, gegen Armut, Trostlosigkeit und Hunger, und gibt daher einen Kalender heraus, dessen Erlös zu 100 Prozent einem SOS-Kinderdorf in Maputo (Mosambik) zu Gute kommt. Darüber und natürlich auch über die anstehende Mercedes Benz Fashion Week im Januar hat n-tv.de mit Kilian Kerner gesprochen.

Wie ist es zur Zusammenarbeit mit Jim Rakete gekommen? Wie kam es überhaupt zu dem Projekt des Charity-Kalenders?

Da muss ich vor einer ganzen Weile beginnen: Ich bin vor dreieinhalb Jahren gefragt worden, ob ich in Afrika eine Modenschau machen möchte. Das fand ich erst einmal sehr befremdlich, denn ich dachte natürlich spontan, dass es auf einem Kontinent wie Afrika doch nicht vordergründig um Mode gehen kann. Und es ging auch eher um einen Kulturaustausch: Wir sollten kommen, um den Designern dort ein paar Tipps zu geben und an Erfahrungen teilhaben zu lassen. Ich war sehr skeptisch, aber das war super. Am zweiten Tag sind wir in Maputo in die deutsche Botschaft eingeladen worden. Dort habe ich gesagt, dass ich gern ein Kinderheim besuchen möchte, und das haben wir dann gemacht.

kk1.jpg

Karoline Herfurth by Jim Rakete.

Wie war das für dich?

Eine heillose Überforderung, muss ich ganz ehrlich gestehen. Ganz viele Kinder stürzen da auf einen zu, setzen sich auf deinen Schoß und umarmen dich, und leider versteht man sie nicht. Aber man spürt, dass das alles sehr besonders ist, für sie und auch für einen selbst. Und dann passieren‚ Dinge, die man nie für möglich gehalten hätte: Da kam ein kleiner Junge auf mich zu und ich habe gedacht - nein, ich habe gefühlt - dass ich dem sehr nahe bin. Er hat mich an der Hand gehalten und auch ich hätte den am liebsten nie mehr losgelassen. Meine Freundin hatte ein ähnliches Erlebnis mit einem Mädchen. Das macht schon Gänsehaut, weil ich immer dachte, dass einen fremde Kinder gar nicht so sehr berühren können, aber ...

... aber?

... aber das können sie. (lacht) Ich habe immer Menschen bewundert, die Kinder adoptieren. Und ab dem Moment dort in Maputo wusste ich, dass man auch ein fremdes Kind sehr lieben kann.

Wie war es denn in dem Kinderheim?

Die Zustände waren katastrophal. Es gab 30 Betten und mindestens doppelt so viele Kinder. Keine Decken, kein Spielzeug, kein Wasser. Dann bin ich nach Hause gefahren und wollte sofort die Welt retten, (lacht) was natürlich nicht geklappt hat. Wir sind dann aber danach noch öfter hingeflogen und haben eine Wasserpumpe bauen lassen, Kleidung und Lebensmittel organisiert, auch Feste gefeiert, das Essen ein bisschen umgestellt, es gab immer nur Fischsuppe, und wir haben jemanden gefunden, der jeden Tag dort hingeht und mit den Kindern spielt.

Jim Rakete erzählt aus alten Zeiten.jpg

Jim Rakete.

(Foto: dpa)

Wie habt ihr das finanziert?

Selbst.

Hui …

Ja, deswegen mussten wir jetzt auch mal was unternehmen. Wir brauchen mehr Geld, um besser helfen zu können. Ich wollte das aber vorher nicht an die große Glocke hängen. Ich habe auf eine Gelegenheit gewartet, die mir sinnvoll erscheint und nicht an den Haaren herbeigezogen ist. Wir haben uns darum gekümmert, dass die Kinder in SOS Kinderdörfer umziehen konnten und sind so oft es geht dort, um sie zu besuchen.

Was ist jetzt anders?

Dass es wirklich so ist, wie man es sich vorstellt in so einem SOS Kinderdorf: Die Kinder wohnen in kleinen Gruppen mit Erwachsenen zusammen, die sie tatsächlich mit "Mama" oder "Papa" ansprechen, und in den anderen Häusern mit den anderen Kinder wohnen die "Onkels und Tanten", das ist tatsächlich so und wahnsinnig schön zu beobachten. Es ist so, wie man es schon mal im Fernsehen gesehen hat, und man hat echt das Gefühl, dass den Kindern dort ein Stück Zukunft geschenkt wird. Aber auch dort fehlt Geld, und dann kam ich auf die Idee, dass ich einen Kalender machen will. Nicht unbedingt mit Modefotos, aber mit tollen Fotos.

Und da bist du dann auf Jim Rakete gekommen …

Ja, genau, Jim war mein absoluter Wunschpartner, und als ich ihn angefragt habe, hat er nicht eine Sekunde gezögert und sofort zugesagt. Ich hatte eigentlich bloß an zwei, drei Fotos gedacht, aber er meinte nur: "Wenn schon, denn schon." Das war natürlich traumhaft.

kk2.jpg

Anna Maria Mühe by Jim Rakete.

Kanntet ihr euch vorher bereits?

Nein, gar nicht, aber ich habe ihn immer bewundert. Er hat ein ganz bestimmtes Auge für Dinge und Menschen.

Wer sind die Modelle auf den Bildern?

Das war nicht so schwer, die zu finden, denn wir wollten nur Leute haben, die entweder er oder ich bereits kannten. Wir mussten eine Verbindung zu den Menschen haben. Die haben alle sofort zugesagt.

Reden wir noch kurz über die Mercedes Benz Fashion Week, die in Berlin am 14. Januar startet. Was hast du vor?

Ich will natürlich nicht so viel verraten. Ich kann nur sagen, dass es schwer wird. Also die Stoffe sind schwer. Alles ist sehr aufgeräumt, aber farbenfroh (lacht).

Was war die Inspiration?

Da will und kann ich auch nicht so viel zu sagen, das ist sehr privat, denn meine Inspiration ist aus einem für mich persönlich wirklich schwierigen Anlass hervorgegangen. Es geht um die Dinge, die einem helfen, wenn man von einer Sekunde auf die nächste in einen Schockzustand versetzt wird. Wenn lebensverändernde Dinge passieren, dann benötigst du Mechanismen, die dich da wieder rausholen. Damit es dir besser geht. Ich habe die Kollektion angefangen, als ich in einen sehr großen Schockzustand versetzt wurde. (zögert) Und dieses Gefühl habe ich dann benutzt. Und es hat mir geholfen.

Das klingt anstrengend, aber spannend.

Ja, das tat auch während der ganzen Produktionszeit ein bisschen weh, aber ich konnte meinen Schockzustand so wenigstens kreativ verarbeiten und etwas Schönes draus machen. Mir war klar, dass das schwere Stunden werden, aber das Leben hört nicht einfach auf, und ich finde es besser, etwas Positives zu entwickeln.

Wie wird das nächste Modejahr? Guckst du links und rechts, was um dich herum passiert?

39dx1943.jpg1157174648884167097.jpg

Kilian Kerner im Januar 2013 mit seiner Kollektion auf der Mercedes BenzFashion Week.

(Foto: dpa)

(lacht) Ich versuche, mich davon frei zu machen. Es klappt nicht hundertprozentig, allein, weil man zum Beispiel auf Stoffmessen schon Trends sehen kann, Farben, Qualitäten, oder eben mitkriegt - das ist wie eine Welle – dass jetzt weite Ärmel wieder total angesagt sind. Und auch die Hosen werden wieder weiter …

Zum Glück!!

(lacht) Ja, das ist einfach so. Aber man muss sich schon seinen eigenen Stil bewahren: in den Editorials funktioniert das nur so, die Einkäufer in den Läden funktionieren so, aber das Wichtigste ist immer, sich selbst treu zu bleiben.

Du bist Trend-resistent?

Ich glaube, es gibt "den Trend" eh nicht mehr. Oder? Wir haben vielfältige Möglichkeiten, und von "diesem einen Trend" hat man sich schon lange frei gemacht.  

Kennst du deine Kunden?

Ja, ganz genau! (lacht) Das sind Menschen, die gerne Gegensätze in sich tragen. Die Frau ist sehr selbstbewusst, sie ist stark, weiß genau, was sie will und wo sie hingehört, sie sieht nicht viel fern, sie ist eher intellektuell und gebildet und liest viel, geht auf Reisen, hat aber auch eine ganz zarte Seite.

Klingt so, als müsste ich mal bei dir shoppen gehen …

Ja (lacht), sehr gerne! Der Mann, der meine Entwürfe trägt, ist ein bisschen jünger als die Frau, er ist sehr modebewusst und macht was mit PR …

… oder irgendwas mit Medien …

… ja, das passt auch! (lacht) Und: Zur Fashion Week gibt es dann auch wieder Sale, ist ja dann die Winterphase. Wobei das echt ein Ding ist, muss ich mal ganz ehrlich sagen. Die Shops müssten eigentlich mal ein bisschen umdenken, und nicht Ende Dezember/Januar die Sommersachen reinhaben wollen, sondern noch ein paar Wintersachen. Das Klima hat sich doch verschoben! Wer will denn im Februar Sommersachen kaufen?

Ich nicht!

Eben. Im März kann es losgehen, aber im Winter sollte man noch die Möglichkeit haben, auch Wintersachen zu kaufen! Die Sommersachen werden bereits verschickt, obwohl der Winter noch gar nicht angefangen hat. Vielleicht kommt ja im Februar nochmal ein Wintereinbruch, dann braucht man keine Sommerkleidchen. (lacht)

Was sind deine Must-Haves, deine persönlichen Favoriten?

Ganz einfach: Eine gut geschnittene, feine Stoffhose, Kapuzenpulli, Lederjacke, Sneakers, fertig. Sehr leger.

Letzte Frage: Machst du auch Brautkleider?

Ja, nicht die typischen, eher clean. (lacht) Es gab dieses Jahr ein paar Bräute in Kilian Kerner.

Mit Kilian Kerner sprach Sabine Oelmann

Den Kalender für 2014 "IKONEN" von Kilian Kerner und Jim Rakete bestellen.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema