Unterhaltung

Star im DDR-Fernsehen Schauspieler Herbert Köfer mit 100 gestorben

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Köfer galt als ältester aktiver Schauspieler.

(Foto: imago images/Future Image)

Acht Jahrzehnte steht Herbert Köfer auf der Bühne oder vor der Kamera. Und einen Ruhestand lehnte er stets ab. In der DDR ist er ein Star. Sendungen mit ihm sind Publikumsmagneten. Er gilt als ältester noch aktiver Schauspieler. Nun aber ist für den Berliner der letzte Vorhang gefallen.

DDR-Fernsehlegende und Publikumsliebling über Generationen: Der Schauspieler Herbert Köfer ist tot. Er starb am Samstag im Alter von 100 Jahren, wie seine Witwe Heike Köfer mitteilte. Der Moderator und Entertainer war zuletzt mit Lesungen aufgetreten, bevor ihn Corona ausgebremst hatte. Köfer war vor allem in Ostdeutschland eine Marke, wo er im Theater, aber besonders in verschiedenen Fernsehrollen sehr präsent war. Zu seinem 100. im Februar richten sich vor allem hier nochmals die Scheinwerfer auf ihn.

Den Applaus hat er immer bis zur letzten Sekunde ausgekostet, wie er einmal lächelnd gestand. "Ich lebe mit jeder Vorstellung, jeder Lesung und jedem Tag, an dem ich spiele, auf", hatte er selbst sein Lebenselixier beschrieben. Das Wort Ruhestand war aus seinem Munde nicht zu hören

Köfer, am 27. Februar 1921 in Berlin geboren, sah man sein Alter nie an. Immer modisch gekleidet und sehr gepflegt, wirkte er wie ein junger Senior. Charmant und sehr detailreich berichtete er über sein Leben und seine vielen Erlebnisse mit Kollegen - tote und lebende. Seine Gedanken und Erfahrungen hielt er stichpunktartig in einem immer griffbereiten kleinen Notizbuch fest, das er bei Bedarf fix aus der Hosentasche holte. Daraus entstanden auch einige seiner Bücher.

Und zu erzählen hatte er viel: Seine Karriere begann immerhin schon vor mehr als 80 Jahren. Eine Kaufmannslehre bricht Köfer ab, um Schauspieler zu werden. 1940 spielt er in einer seiner ersten Bühnenrollen in einem Provinztheater. Dann holt ihn der Krieg ein, Köfer wird eingezogen, verwundet und gerät später in Gefangenschaft.

Theater, Fernsehen, Hörfunk

Nach Kriegsende geht er zurück nach Berlin und spielt in Klassikern wie "Iphigenie", später an der Volksbühne und am Deutschen Theater. Zugleich zieht es ihn zum DDR-Fernsehen und zum Hörfunk. Am 21. Dezember 1952 ist Köfer der erste Sprecher der Nachrichtensendung "Aktuelle Kamera". Und Köfer war bei der Silvestergala 1991 dabei, als für das DDR-Fernsehen die Lichter ausgingen.

Populär wird Köfer, der sich in der DDR auch politisch engagierte und der SED angehörte, vor allem durch Fernsehrollen wie den Renter Paul Schmidt in der Serie "Rentner haben niemals Zeit" oder im Film "Der Mann, der nach der Oma kam". Er spielt vor allem heitere Rollen, beweist aber auch Begabung für das ernste Fach, etwa in "Nackt unter Wölfen", wo er einen SS-Offizier spielt, oder in der Verfilmung von Hans Falladas Roman "Kleiner Mann - was nun?".

Nach der Wende - Köfer ist inzwischen im achten Lebensjahrzehnt - bleiben die ganz großen Filmrollen aus, aber Köfer steht weiter vor der Kamera. Er übernimmt mehrfach kleine Rollen und Gastrollen im Fernsehen, zum Beispiel in "Der Landarzt", "Soko Leipzig" oder "In aller Freundschaft".

Mit 90 noch ein Haus gebaut

Zweimal erhält er den Publikumspreis "Goldene Henne" für sein Lebenswerk, zuletzt im vergangenen Jahr. Beim Rekordinstitut Deutschland wird er als "ältester aktiver Schauspieler" der Welt geführt. Es gebe kein "Geheimnis", hatte er vor einem Jahr der "Super Illu" gesagt. "Ich lebe bewusst, habe einen Beruf, der mich erfüllt, und ein Publikum, das, wie mir immer wieder versichert wird, mich nach wie vor gern auf der Bühne und im Fernsehen sieht."

Mit seiner dritten, 40 Jahre jüngeren Ehefrau Heike ging Köfer viel spazieren. Mit fast 90 baute er 2012 ein neues Haus am Seddiner See in Brandenburg - und ließ sich dabei mit einer Schubkarre in Aktion fotografieren. Tatkräftig, von robuster Gesundheit, so präsentierte er sich gern. Seine im Vergleich zu Altersgenossen stets hohe Fitness stellte der dreifache Vater Köfer zuweilen auch mit Liegestützen zur Schau. Mögliche gesundheitliche Beschwerden wischte er mit einer Handbewegung weg. Auch moderne technische Entwicklungen entgingen ihm nicht: Als bald 100-Jähriger hatte er eine gut gepflegte eigene Internetseite, einen Facebook-Auftritt und einen Youtube-Kanal.

Das einzige Zugeständnis an sein Alter machte er erst mit gut 90: Er ließ die Tage ruhiger angehen und frühstückte ohne schlechtes Gewissen meist erst mittags. Und er ärgerte sich nicht mehr, wenn es beim Lernen der Rollen zuletzt etwas länger dauerte.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa

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