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"Death Note" von Adam Wingard Sterben wie bei "Final Destination"

Wann ist ein Leben nicht länger würdig, gelebt zu werden? Darüber entscheidet Teenager Light Turner mit einem Notizbuch - und der Hilfe eines Todesgotts. Basierend auf der gleichnamigen Manga-Reihe hat Adam Wingard den Film "Death Note" inszeniert. Der Streifen ist ein gewagtes Genre-Crossover - jung, emo und ziemlich blutig. Mit n-tv.de sprach Regisseur Adam Wingard über die Macht zu morden und seine Inspiration für spektakuläre Leinwand-Tode.

n-tv.de: Es gibt vermutlich kaum jemanden, der sich wirklich noch nie gewünscht hätte, jemanden umbringen zu können. Mit dem Buch aus "Death Note" wäre das möglich. Würden Sie diese Macht gern besitzen?

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Adam Wingard: Vermutlich nicht. Wenn man mit so etwas anfängt, wo hört man auf? Diese Art Unverantwortlichkeit überlasse ich jemand anderem.

Jedes Mal, wenn westliche Produktionen eine Manga- oder eine Anime-Geschichte neu erzählern, stellen Fans Entscheidungen hinsichtlich Cast, Setting & Co infrage. Sie haben viel verändert. Die Geschichte spielt zum Beispiel in den USA …

Ehrlich gesagt, war das schon im Gange, bevor ich zu dem Projekt gestoßen bin. Es gibt ja schon eine Realverfilmung aus Japan, eine Anime-Adaption und all sowas. Deswegen ging es darum, etwas neues, anderes mit dem Stoff zu machen.

Die Todesgottheit Ryuk sieht der Comic-Version sehr ähnlich. Ist das Ihre Art, die Originalfassung zu würdigen?

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(Foto: Netflix)

Ja, genau. Weil wir viel verändert haben, war es mir wichtig, dass Ryuk möglichst so aussieht wie das Manga-Original. In den japanischen Realverfilmungen hatte er den gleichen Look, aber es wurde immer mit viel CGI (Computer Generated Imagery, also mittels 3D-Computergrafik erzeugte Bilder; Anm. d. Red.) gearbeitet. Mir war es wichtig, dass wir, wenn wir schon so ein großes Budget haben, versuchen, eine Umsetzung zu finden, die sich echt anfühlt. Der Zuschauer soll das Gefühl haben, er könne den Arm ausstrecken, Ryuk anfassen und auf diese Weise erfahren.

Kaum etwas ist im Filmgeschäft derzeit populärer als Comicbuch-Adaptionen. Könnten Manga das nächste große Ding sein?

Ein paar Sachen sind derzeit in Arbeit. Es wird interessant sein, was dabei herauskommt. Manga haben eine andere Fangemeinde. Es ist ein bisschen weniger Mainstream. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Ich bin mir nicht sicher.

Was hat Sie persönlich an dieser Art Stoff gereizt?

Ich fand Anime schon immer gut. Meine Brüder und ich sind mit Anime großgeworden. Einer von ihnen hat mich speziell auf "Death Note" hingewiesen. Vor ein paar Jahren hat er zu mir gesagt, sollte ich jemals etwas adaptieren, müsste es "Death Note" sein. So hat alles angefangen.

Sie haben versprochen, "Death Note" würde Ihr bislang abgedrehtester Film werden. Sie haben schon einige abgedrehte Filme gemacht. Wie toppen Sie das?

Zunächst mal ist es bei Weitem der größte Film, den ich gemacht habe - größeres Budget, mehr Möglichkeiten. Und dann ist "Death Note" noch mehr Genre-Mix als alle meine bisherigen Arbeiten. Der Film schließt wirklich alle Genres mit ein - Spannung, Drama, Action, Comedy, sogar Musical. So habe ich das noch nie gesehen - und alles in diesem verrückten 80er-Jahre-Style. Ganz zu schweigen davon, dass es eben ein sehr teurer Film voll explosiver Gewalt mit Teenagern ist. Das sieht man auch nicht jeden Tag.

Es gibt ein paar spektakuläre Tode zu sehen. Muss man für deren Inszenierung so etwas wie eine Ästhetik von Tod empfinden?

Bezugspunkt waren immer die "Final Destination"-Filme und deren über die Maßen komplexer Ansatz, wenn es darum geht, Menschen umzubringen. Es ist ein bisschen wie bei dem Spiel Mouse Trap. Erinnern Sie sich daran?

Ein Brettspiel, bei dem die Spieler zunächst gemeinsam an einer Mausefalle arbeiten und sich dann gegenseitig zu fangen versuchen. Es ist in Deutschland nicht so bekannt.

Rube Goldberg (Erfinder einer Maschine, die eine Aufgabe in umständlichen Einzelschritten erledigt; Anm. d. Red.) war das Stichwort, das ich immer benutzt habe. Wie bei seiner Maschine führt auch bei "Death Note" eins zum anderen. Ryuk ist für alle Tode verantwortlich, aber erst nachdem sie ins Buch geschrieben wurden - also auf eine etwas undurchsichtige Art und Weise.

Mit Adam Wingard sprach Anna Meinecke.

"Death Note" ist ab dem 25. August abrufbar bei Netflix.

Quelle: n-tv.de