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Hape wird zum Totengräber "Wetten, dass..?" am Ende

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Gibt "Wetten, dass..?" einen Korb: Hape Kerkeling.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Nein, ich möchte nicht" - mit diesen vier Worten hat Hape Kerkeling allen Spekulationen um seine Nachfolge von Thomas Gottschalk bei "Wetten dass..?" ein Ende bereitet. Doch nicht nur das: Mit seiner Absage leitete Kerkeling auch das Totengeläut für die Sendung ein.

Eines muss man den Verantwortlichen von "Wetten, dass..?" lassen: Die Dramaturgie der - nach allem, was wir wissen - vorletzten Ausgabe mit Thomas Gottschalk als Moderator war perfekt. Den Auftakt Hape Kerkeling in der Rolle seines sabbernden Alter Egos Horst Schlämmer zu überlassen, war ein genialer Schachzug. Die Temperatur in der seit Monaten brodelnden Gerüchteküche um Gottschalks möglichen Nachfolger näherte sich mit einem Schlag dem Siedepunkt.

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Horst Schlämmer sinnierte über die "Pappnasen" in der Nachfolge-Debatte.

(Foto: picture alliance / dpa)

Dafür hätte der kurze Auftritt von Horst Schlämmer als Interims-Moderator - weil Gottschalk ja hinter der Bühne noch von einer Thailänderin am schmerzenden Steiß versorgt werden musste - allein schon gereicht. Dass die Kunstfigur dabei jedoch ganz offen auch auf die Nachfolge-Frage und "die ganzen Pappnasen" in der Diskussion einging, setzte dem Ganzen die Krone auf. Nein, Daniela Katzenberger werde man für "Wetten, dass..?" sicher nicht bekommen, philosophierte Schlämmer da zum Beispiel. Jörg Pilawa sei ja "grundsätzlich ein sympathischer Bursche", aber wer könne sich die Sendung schon als "dreistündiges Quiz" vorstellen. Für Stefan Raab spreche höchstens, dass sie beide den gleichen Zahnarzt hätten. Und Hape Kerkeling, "die Hackfresse", habe zu hoch gepokert und "5.000 Mark" pro Sendung verlangt. Fazit: "Der wird es nicht machen." Aber wer glaubt schon einem Horst Schlämmer?

Von da an war klar: Nahezu alles, was in den nächsten Minuten und Stunden folgen würde, ist nur noch Nebensache. Wetten mit Bierflaschen, WC-Sitzen und Hunden. Gäste wie Otto Waalkes, Wladimir Klitschko oder Justin Timberlake. Show-Einlagen von Udo Lindenberg, Clueso und Batman-Darstellern. Ja, sogar die dramatischen Dekolletés von Michelle Hunziker und Andrea Sawatzki. Entscheidend war nur noch: Wie würden Thomas Gottschalk und Hape Kerkeling, nachdem sich dieser nicht länger hinter der Maske Schlämmers würde verstecken können, gemeinsam auf der Couch die Nachfolge-Spekulationen thematisieren? Gar nicht mehr weiter? Mit noch mehr Ironie und zweideutigen Anspielungen? Oder würden sie die Show tatsächlich zur Inthronisierung des neuen "Wetten, dass..?"-Moderators nutzen?

Von Second Hand bis Ramschware

Keine Frage: Der Sendung vom Samstag hat das einen einmaligen Spannungsbogen beschert. Doch dem Format an sich hat man, gewollt oder ungewollt, einen Bärendienst erwiesen. "Nein, ich möchte nicht", sagte der unangefochtene Wunschkandidat Nummer 1 der Deutschen für das oberste Showmaster-Amt im Staate auf dem Sofa ganz ungeschminkt. Nur die wenigsten hätten wohl, zumal nach Schlämmers Vorspiel, eine derart eindeutige Klärung der Causa Kerkeling mit einem solchen Ausgang an diesem Abend erwartet. Nicht allein Otto Waalkes war der Schock darüber geradezu ins Gesicht geschrieben. Zurecht. Schließlich zog Hape Kerkeling so nicht nur einen Schlussstrich unter die Spekulationen um seine Person. Er versetzte "Wetten dass..?" damit auch den endgültigen Todesstoß.

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Ach ja, Showacts wie Udo Lindenberg und Clueso gab es auch.

(Foto: dapd)

Natürlich gäbe es theoretisch noch Alternativen zu Kerkeling, über die in den kommenden Tagen und Wochen sicher auch noch fleißig diskutiert werden wird: Barbara Schöneberger vielleicht. Johannes B. Kerner hätte, nachdem er keine Lust mehr auf seine Sat.1-Show hat, doch Zeit. Und vielleicht kommt ja auch noch der eine oder andere mit total flippigen Verjüngungsvorschlägen für das ZDF wie Joko und Klaas um die Ecke. Völlig ausgeschieden aus dem Rennen ist indes sicher Jörg Pilawa, den einige eine Zeit lang durchaus ernsthaft auf dem Zettel hatten. Er ist nach Schlämmers Vortrag ein für alle mal desavouiert. Doch ganz egal, um wen es sich dreht - sie alle haben ganz praktisch ein Problem: Sie sind nur noch zweite Wahl. Second Hand sozusagen. Oder, wenn auch noch das Flehen um Gottschalks Verbleib weitergeht, sogar nur dritte Wahl. Ramschware sozusagen.

Dass Gottschalk sich doch noch überreden lässt, kann allerdings so gut wie ausgeschlossen werden. Auch das hat praktische Gründe: Er hat einen Vertrag mit der ARD. Sie und das ZDF mögen eine öffentlich-rechtliche Familie sein, doch dass die Liebe so weit geht, dass die ARD wegen eines plötzlichen Moderatoren-Notstands in Mainz zurückzieht, darf bezweifelt werden. Zumal man das auch dem Gebührenzahler erklären müsste. Schließlich dürfte in die Vorbereitungen von Gottschalks neuer Sendung im Ersten, die im Januar starten soll, schon ein wenig Geld geflossen sein. Und Gottschalk selbst ist Profi genug, um nicht kurz vor knapp alles noch einmal hektisch über den Haufen zu werfen.

"Tommy, mach dein Ding"

Bliebe also wirklich nur eine der "Pappnasen", die sonst noch in der Diskussion sind. Doch hätte man einen anderen Nachfolger als Kerkeling mit Anstand und Würde installieren wollen, dann wäre der letzte Strohhalm dafür gewesen, das in dieser Sendung am Samstag zu tun. Kerkeling hätte sich mit Notlügen, dass er ja so viel zu tun habe und andere Verpflichtungen wie seine "Terra X"-Moderation sein Engagement leider, leider verhindern, über Wasser halten können. Und er und Gottschalk hätten schützend ihre Hand über den Delinquenten halten können. Aber auch diese Chance wurde vertan. Als Michelle Hunziker kurz vor Ende der Sendung eine "Überraschung" für Thomas Gottschalk ankündigte, mochte man für einen Augenblick tatsächlich glauben, die Verantwortlichen hätten doch verstanden, was die Stunde geschlagen hat. Aber anstatt einen Nachfolger zu präsentieren, wurde lieber ein Ständchen für den scheidenden Moderator geträllert: "Tommy, mach dein Ding."

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Gegen Horst Schlämmer verblasste sogar Michelle Hunziker - fast jedenfalls.

(Foto: dapd)

Daraus ergeben sich eigentlich nur zwei mögliche Schlussfolgerungen: Entweder ist die Dramaturgie des ZDF zur Bekanntgabe von Gottschalks Nachfolger so katastrophal wie sie bei der Show am Samstag gut war. Oder der Sender hat tatsächlich noch niemanden gefunden, dem er, wie es Gottschalk fast schon verzweifelt formulierte, "Wetten, dass..?" jetzt noch "ans Revers kleben" kann. Sollte das wirklich der Fall sein, dürfte sich nach der Sendung vom Samstag erst recht kaum noch jemand im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte dazu breitschlagen lassen. Außer vielleicht einer wie Justin Timberlake, der, nichtsahnend, um was es eigentlich geht, scherzhaft wahrscheinlich an dem Abend zu allem Ja und Amen gesagt hätte.

Nein, "Wetten, dass..?" steht unter diesen Voraussetzungen nach dreißig Jahren vor dem Aus. Es wäre nicht der erste Unterhaltungs-Dampfer, der nach dieser Zeit die Segel streichen muss. Auch die ZDF-Hitparade gab es 31 Jahre. In diesem Fall überantwortete man die Sendung einem schleichenden Tod. Uwe Hübner - Uwe … wer? - durfte das abgewirtschaftete Format im Jahr 2000 zu Grabe tragen. Womöglich zaubert das ZDF für "Wetten, dass..?" tatsächlich in letzter Minute noch einen skrupellosen Sargträger aus dem Hut. Doch die Trauerfeier wurde schon einmal auf diesen Samstag vorgezogen. Die Sargnägel hatte Hape Kerkeling dabei.

Quelle: n-tv.de

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