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Schwarze Musik von Blues bis Rap Diese Beats erobern die Welt

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Schwarzer Superstar der Gegenwart: Beyoncé (M.), hier auf der On-The-Run-Tour, wird natürlich auch in "Black & Proud" vorgestellt.

(Foto: Invision for Parkwood Entertainment)

Es ist sicher keine schlechte Idee, mit Musik ins neue Jahr zu starten. Darf's etwas Soul sein, tanzbarer Funk oder Hip-Hop-Beats? Sie alle haben dieselben Wurzeln, sind Formen afroamerikanischer Musik. Ein Buch erzählt mit viel Charme deren Geschichte.

Der Handelsstreit, den Donald Trump vom Zaun gebrochen hat, bestimmte das vergangene Jahr. Immer wieder forderte der US-Präsident andere Länder auf, doch mehr Produkte seines Landes zu kaufen: Soja und Whisky, Autos und Maschinen, auch Waffen. Das wohl bedeutendste Exportprodukt seines Landes erwähnte er nicht. Vermutlich weil es nicht genug Geld einbringt.

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Billie Holiday, eine der größten Stimmen der Musikgeschichte, sang "Strange Fruit", eine Anklage gegen die Lynchjustiz.

(Foto: Avant-Verlag 2018)

Dabei haben die USA der Welt kein größeres Geschenk gemacht als die Popmusik. Die weltweite moderne Kultur wäre ohne Blues und Rock'n'Roll, Soul und Funk, Hip-Hop und Rap nicht denkbar. Und denkbar wäre sie auch nicht ohne den Einfluss schwarzer Musiker, die stets nach neuen Ausdrucksformen suchten und neue Musikstile entwickelten, lange bevor sie sich auch im weißen Mainstream durchsetzten und schließlich die Welt eroberten.

Das Comic-Sachbuch "Black & Proud - Vom Blues zum Rap" (Leseprobe) setzt der afroamerikanischen Musik ein kleines Denkmal. Es ist weder ein Nachschlagewerk noch eine ausführliche, musikhistorische Schilderung, dafür aber ein wunderbar gestalteter, reichhaltig illustrierter und vor allem unterhaltsamer Band. Mit Anekdoten, Stichworten und kurzen Comics arbeiten sich Autor Hervé Bourhis und Zeichner Brüno auf gerade einmal 176 Seiten durch die Musikgeschichte: von den ersten Arbeitsliedern der Sklaven bis zu aktuellen Chartstürmern, von Billie Holiday bis Beyoncé, von Blues über Soul und Funk bis Rap und Pop. Passend dazu hat der Avant-Verlag bei Spotify eine mehr als 600 Songs umfassende Playlist zusammengestellt, mit der sich das Buch noch geschmeidiger durchblättern lässt.

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Einer der ersten Hits des Hip-Hop: "The Message" von Grandmaster Flash and the Furious Five.

(Foto: Avant-Verlag 2018)

Nach ein paar Überblicksseiten widmet sich der Autor ausführlich den Jahren 1945 bis 2015. In jedem Jahr steht eine bedeutende Platte schwarzer Künstler im Mittelpunkt, deren Cover von Brüno zeichnerisch nachgestaltet wird. Hinzu kommt ein kurzer Text, der locker-flockig die Musiker und die Umstände der Entstehung ihrer Kunst vorstellt. Weitere Ereignisse der schwarzen Popkultur werden auf der Gegenseite stichwortartig erwähnt und illustriert. Auch hier geht es vor allem um Musik, aber auch um Filme, Fernsehsendungen und politische Entwicklungen, die die schwarze Gesellschaft der USA nachhaltig geprägt haben.

Wer ist nochmal Elvis?

Natürlich hat die Kürze der Einträge ihre Nachteile: Viele Ereignisse und Kontexte bleiben auf der Strecke. Gerade die gesellschaftlichen Zusammenhänge hätten mehr Tiefe verdient. Geboten werden vor allem leicht verdauliche Appetithappen. Für Musikfans, egal ob Plattensammler oder Gelegenheitshörer, lohnt sich angesichts vieler Anekdoten und überraschender Fakten trotzdem ein Blick ins Buch.

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Reich illustriert und locker erzählt - eine Seite des Jahres 2005.

(Foto: Avant-Verlag 2018)

Ein Beispiel: 1956 bringt James Brown seine erste Single heraus ("Please, Please, Please"), während Aretha Franklin mit gerade einmal 13 Jahren einen Vertrag bei Columbia unterschreibt. Im selben Jahr startet zudem die erste Fernsehshow, die von einem Schwarzen moderiert wird. Lange gibt es sie nicht - die Sponsoren haben etwas gegen die Hautfarbe von Nat King Cole.

Die afroamerikanische Musikgeschichte ist geprägt von Anfeindungen und Rassismus, von verhinderten Möglichkeiten und vergessenen Helden. Auch das greift der Band immer wieder auf. Nicht selten waren es weiße Musiker, die die Stile ihrer missachteten schwarzen Kollegen aufgriffen und damit große Erfolge feierten. In "Black & Proud" aber spielen sie keine Rolle. Elvis Presley wird gar nicht erwähnt, Eminem und Amy Winehouse sind nur Randnotizen. Einzig die Beastie Boys erfahren eine etwas ausführlichere Würdigung.

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Anekdote gefällig? Als Solomon Burke einmal vor dem Ku-Klux-Klan auftrat ...

(Foto: Avant-Verlag 2018)

Die Liste der vorgestellten Künstler liest sich trotzdem wie ein Who-is-Who der Rock- und Popmusik: Bluesmusiker wie John Lee Hooker und Howlin' Wolf stehen neben Rock'n'Rollern wie Little Richard und Chuck Berry. Ray Charles, Sam Cooke, The Supremes und Otis Redding feierten mit Soul große Erfolge, Stevie Wonder und Donna Summer, Michael Jackson und Prince waren Superstars der 70er- und 80er-Jahre. Mit Grandmaster Flash und Public Enemy, A Tribe Called Quest und Wu-Tang-Clan eroberte der Hip-Hop die Charts. Musiker wie The Roots und Alicia Keys mischten schließlich verschiedene Einflüsse zu ihrem jeweils ganz eigenen Stil.

"Say It Loud - I'm Black and I'm Proud"

Natürlich existiert die afroamerikanische Musik nicht in einer Blase. So wie sie andere Künstler beeinflusste, nahm sie auch Elemente von außen auf. Den beiden (weißen) Buchmachern geht es aber um etwas anderes: Sie schildern Musik als Ausdruck schwarzen Selbstbewusstseins. "Say It Loud - I'm Black and I'm Proud", sang einst James Brown und klagte die Vorurteile gegen Schwarze in den USA an. Die Kunst bot ein bisschen Freiheit, die in Politik und Gesellschaft verwehrt blieb. Ob man nun zu ein paar Akkorden vom harten Alltag erzählt oder zu ein paar Beats über das Leben im Ghetto rappt.

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Black & Proud: Vom Blues zum Rap
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Klar, viele Rapper wohnen inzwischen in Villen. Der Tod von Michael Jackson und Prince wurden von Menschen weltweit betrauert, ganz unabhängig von der Hautfarbe. Und schwarze Musiker mischen nicht nur in der "Harlem Hit Parade" mit, sondern belegen die vorderen Plätze der Billboard 200. Das allerdings heißt nicht, dass nun alles gut ist. Bourhis und Brüno sprechen im Vorwort von der "langsamen und bis heute unvollendeten Emanzipation eines Volkes". Und so handelt einer der letzten Einträge des Buches vom Song "Black Rage" von Lauryn Hill. Darin geht es um die Rassenunruhen von Ferguson im Jahr 2014. Es ist ein endloser Kampf um Gleichberechtigung. Aber mit Musik kämpft es sich vielleicht etwas leichter.

Quelle: n-tv.de

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