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"Der kleine Prinz" erobert die Welt Schlange verschluckt Elefanten

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In Deutschland erscheint "Der kleine Prinz" im Karl Rauch Verlag.

(Foto: dpa)

Klein, aber oho: "Der kleine Prinz" gehört neben Bibel und Koran zu den meistverkauften Büchern der Welt. Der blonde Junge begeistert Leser unterschiedlichsten Alters, in vielen Kulturen und Religionen. Vor 70 Jahren erschien der schmale Band, dessen Ruhm sein Autor nicht mehr erlebte.

Der Held ist ein Kind, doch seine Geschichte ist groß und tiefgründig: Vor genau 70 Jahren, mitten im Zweiten Weltkrieg, wurde "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry erstmals veröffentlicht. Das Buch erschien im New Yorker Verlag Reynal & Hitchcock, denn in der amerikanischen Metropole hielt sich der französische Schriftsteller und Kriegspilot damals auf. Den Erfolg seines kleinen Helden bekam "Saint-Ex", wie ihn Freunde und Kollegen nannten, allerdings nicht mehr mit. Der Schreiber und Flieger starb ein Jahr nach Erscheinen des Buches, das zunächst eher ein Flop war. Das war er 44 Jahre alt.

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Der Band ist in verschiedenen Ausgaben erhältlich, darunter auch ein Hörbuch.

(Foto: dpa)

Heute gehört das rund 100 Seiten lange Werk zu den meistverkauften nicht-religiösen Büchern. Sein Geburtstag wird dementsprechend gefeiert: in Amerika mit Jubiläumsausgaben und Neuauflagen, in Frankreich, dem Heimatland des am 26. Juni 1900 in Lyon geborenen Piloten, aber auch im kanadischen Montreal, wo sich der Autor regelmäßig mit seinem Verleger Bernard Valiquette traf.

In Deutschland hat der Verlag Karl Rauch anlässlich des Jubiläums eine neue Ausgabe des Werkes herausgegeben. Auf Deutsch erschien das Buch erstmals 1950, weshalb erst vor drei Jahren das deutsche Jubiläum "60 Jahre 'Der kleine Prinz'" begangen wurde.

In 110 Sprachen übersetzt

"Der kleine Prinz" ist kein Kultbuch, dafür hat es zu viele unterschiedliche Lesergruppen begeistert. Den schmalen Band, der als Kinderbuch gedacht war, lesen seit Generationen Groß und Klein in unterschiedlichsten Kulturen, Religionen und Milieus. Das Märchen vom Prinzen, der auf seinem Planeten eine Rose und drei Vulkane besitzt, wurde in mehr als 110 Sprachen übersetzt.

Das Buch ist universell. In einer zeitlosen Sprache lehrt es die Erwachsenen, die Welt mit Kinderaugen zu sehen, und die Kleinen, die Welt der Erwachsenen zu verstehen. Dabei setzt es sich kritisch mit dem Werteverfall der modernen Massengesellschaft auseinander und zeichnet das Wunschbild einer Welt, in der die Menschen mit dem Herzen sehen und handeln.

Die Fragen des kleinen Blondschopfs, der auf seiner Reise einem Händler begegnet, der Pillen gegen den Durst verkauft, weil man durch den Verzicht auf das Trinken 53 Minuten pro Woche spare, sind noch heute aktuell. "Der kleine Prinz" ist ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit und Sensibilität.

Dem Tod in die Augen geschaut

Saint-Exupéry war ein Humanist. Als Flieger hat er dem Tod mehrmals in die Augen geschaut. So soll auch die Idee zu dem Bestseller aus einer Nahtod-Erfahrung heraus entstanden sein. Saint-Exupéry musste 1935 in der Wüste Sahara notlanden. Mehrere Tage vergingen, bis ihn Beduinen retteten. Er schrieb darüber, dass er sich "verlassener als ein Schiffbrüchiger auf einem Floß mitten im Ozean gefühlt" habe, als er plötzlich eine kleine Stimme hörte, die zu ihm sagte: "Bitte ... zeichne mir ein Schaf!" Allerdings beginnt "Der kleine Prinz" mit einer Schlange, die einen Elefanten verschluckt hat.

Saint-Exupéry hatte sich in den 1920er- und 1930er-Jahren bereits mit den Büchern "Südkurier" (Courrier Sud), "Nachtflug" (Vol de nuit), "Wind, Sand und Sterne" (Terre des Hommes) einen Namen gemacht. Statt der märchenhaften Geschichte "Le Petit Prince" hatten manche Anfang der 40er Jahre eine politische Stellungnahme zum Kriegsgeschehen erwartet. Das Kinderbuch enttäuschte deshalb anfangs einige Fans.

Doch als Saint-Exupéry die Reise des kleinen Prinzen zur Erde erzählte, befand er sich in New York und litt unter der politischen Lage Europas - und er träumte von einer besseren Welt.

Quelle: n-tv.de, Sabine Glaubitz, dpa