Essen und Trinken

Finger-Food mit Folgen Begehrter Lüstling

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Kommt er?

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Mai steht vor der Tür - und damit auch der Spargel aus heimischen Landen. "Asparagus officinalis”, so der botanische Name, war schon immer eine Delikatesse. Bereits um 5000 v. Chr. sollen Chinesen, Perser und Griechen Spargel als Nahrungs- und Heilpflanze angebaut haben, wobei die heilende Wirkung im Vordergrund stand. Und das etliche Jahrhunderte lang, denn als Gemüse wurde Spargel erst seit Mitte des 16. Jahrhunderts angebaut. Im 18. Jahrhundert begann der großflächige Anbau.

Dem "Apotheker-Spargel” wurde Heilwirkung bei Husten und Fieber, bei Wassersucht und Nierenerkrankungen, bei Gelbsucht und Zahnschmerzen nachgesagt. Im alten China zum Beispiel gab’s für besonders liebe Gäste zur Begrüßung ein Spargelfußbad.

Die antiken Römer waren buchstäblich verrückt nach Spargel. Wer nun glaubt, dass die alle nierenkrank waren, irrt gewaltig: Sie hatten eine ganz andere vermeintliche Wirkung des Wurzelgemüses im Sinn. Die schnell wachsenden, phallusförmigen Sprossen ließen sie auf die Idee verfallen, dass vor allem Männer einen gewissen Gewinn aus dem Verzehr des Spargels ziehen könnten. Ob nun nach dem Genuss der Sprossen bei den Herren Römern eine sprießende Wirkung einsetzte, ist nicht belegt. Kaiser Augustus jedenfalls soll das Gemüse sehr geschätzt haben …

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(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Seit Jahrhunderten hält sich hartnäckig der Ruf des Spargels als Aphrodisiakum. Mittelalterliche Kräuterkundige lobten, dass "Spargel in die speis gethan, den Männern lustige begird bringt”. Nur logisch, dass der Sonnenkönig Ludwig XIV. dem Spargel sehr "zugethan” war. Das feine Gemüse blieb allerdings lange Zeit Kaisern und Königen, Feldherren und Dichterfürsten vorbehalten. Dennoch waren auch beim einfachen Volk die "Folgen” des Spargelgenusses bekannt: In der Steiermark wurde Spargelsamen in Wein gekocht und gegen Unfruchtbarkeit eingenommen; die Siebenbürger gaben dem Spargel den derben Namen "Hosendrall”. Tabernaemontanus, der eigentlich Jacob Theodor hieß, Arzt und einer der bedeutendsten Botaniker des 16. Jahrhunderts war, empfahl 1588 in seinem "New Kreuterbuch” eine "Spargelwurtzel-Arzeney”, die "auch die ehelichen Werck” fördert.

Egal ob potent oder nur gesund - Spargel schmeckt lecker und entschlackt. 1 Kilo (!) Spargel hat nur 180 Kalorien, dafür aber reichlich Vitamin A, B1, B2 und C, Eisen, Kalium, Kalzium, Phosphor und Jod. Der hohe Gehalt an Kalium und Asparaginsäure ist es vor allem, der die harntreibende und entgiftende Wirkung des Spargels ausmacht. Schon eine halbe Stunde nach dem Essen macht sich der typische Geruch der Aminosäure auf der Toilette bemerkbar, das zeigt, wie schnell die Wirkstoffe die Nieren anregen.

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(Foto: © Gabi Schoenemann / PIXELIO)

Ob nun der weiße, violette oder grüne Spargel bevorzugt werden, ist reine Geschmackssache - Grünspargel sieht allerdings weniger erotisch aus. Gesund sind alle Sorten, der grüne Spargel sogar ein bisschen mehr, denn er enthält dadurch, dass er das Sonnenlicht erblickt, mehr Chlorophyll, mehr Vitamine, Carotin und Asparaginsäure. Er schmeckt "gemüsiger” als Bleichspargel, dessen charakteristisches feines Aroma seine Beliebtheit ausmacht. Der "Bleiche” schmeckt am besten pur mit Butter oder einer Sauce Hollandaise.

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(Foto: © Tobias Dietz / PIXELIO)

Wie isst man nun den Spargel - mit der Hand oder dem Besteck? Der Streit ist alt: Schon Kaiserin Maria Theresia soll es den Damen bei Hofe untersagt haben, ungeniert mit den Fingern zuzugreifen. Vermutlich waren die Damen und ihre Kleider nach dem Genuss einfach zu bebuttert. Doch der wahre Liebhaber nimmt die Finger, tunkt die Stangen in zerlassene Butter mit Salz und schiebt sie sich dann in den Mund. Ganz wichtig dabei ist, dass die Stangen nicht zu weich gekocht werden und fest bleiben, denn das Bild einer nach unten driftenden Spargelspitze kommentiert sich von selbst …

So ein unerotisches Malheur lässt sich mit Grünspargel ganz einfach vermeiden, da kann man nichts falsch machen und getrost zum Besteck greifen. Und die "Lenzwirkung” soll ja farbunabhängig sein. Übrigens kannten die sexbesessenen Römer nur den grünen, denn Bleichspargel kam erst Ende des 19. Jahrhunderts in Mode.

Vegetarischer "Grünspargel mit Pasta” kommt durch die Zutaten eher exotisch als erotisch daher, könnte bei gutem Glauben aber auch "die ehelichen Werck” fördern:

Zutaten (natürlich für 2 Personen):

Ca. 400 g grüner Spargel
5 bis 6 EL Gemüsebrühe (oder Wasser)
2 EL Olivenöl
1 EL Sojasauce
1 TL Zucker
1 TL fein gehackter Ingwer
1 Chilischote
2 Knoblauchzehen
etwas Speisestärke

Zubereitung:

Den Spargel abbrausen, holzige untere Enden abschneiden und das untere Drittel der Spangen schälen. Die Stangen dann in halbfingerlange Stücke schräg durchschneiden.

Die Knoblauchzehen pellen und in feine Scheibchen schneiden. Die Chilischote in dünne Ringe schneiden.

Das Öl in einer Pfanne erhitzen, darin Ingwer und Knoblauch kurz anbraten. Dann den Spargel und die Chilischote zufügen und alles in 2 bis 3 Minuten pfannenrühren. Dann die Sojasauce, Zucker und Brühe unterrühren.

Ohne Deckel und auf kleiner Flamme 4 Minuten köcheln lassen. Der Spargel ist dann noch bissfest. Etwas Speisestärke (ca. 1 TL) mit etwas Wasser verrühren und damit die Sauce andicken. Nochmals kurz aufkochen lassen. Wer die Sauce dünner mag, lässt das Andicken weg.

Am besten schmecken Tagliatelle oder Spaghetti dazu.

Viel Vergnügen wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de