Essen und Trinken

Immer noch "Milljöh" Berliner mit Ohr und Schnauze

Der Berliner liebte schon immer ein Plätzchen, an dem er in gemütlicher Runde nach getaner Arbeit oder sonntags seine Molle (Bier) mit Korn trinken und sich was Deftiges einverleiben konnte. Die vielen berlin-typischen Destillen um die Jahrhundertwende wurden auch "Budiken" genannt - wie so vieles beim Berliner "mit Herz und Schnauze" von den eingewanderten Hugenotten "entlehnt": Budiken sind schlicht und einfach verballhornte "Boutiquen". Heute benutzt auch ein waschechter Berliner die Begriffe Destille und Budike nicht mehr; er geht einfach in seine geliebte Eckkneipe.

Einer der berühmtesten Berliner "Kneipengänger" dürfte wohl Heinrich Zille gewesen sein, sie gehörten zu seinem "Milljöh". Der seit 1507 existierende "Gasthof zum Nussbaum", auch heute noch im historischen "Nikolai-Viertel" in Berlin-Mitte zu besuchen, hatte es ihm besonders angetan. Wohl auch deshalb hat Zille die "Restauration" auf einer Zeichnung verewigt und im "Nussbaum" folgenden Vers geschrieben:
"Tagesarbeit, ernster Wille -
nachts nen Schluck in der Destille,
und een bisken kille, kille,
det hält munter - Heinrich Zille."

Auch der heutige Berliner liebt deftige Küche. Zu den typischen herzhaften Happen gehören Löffelerbsen, Buletten (die Hugenotten lassen grüßen), Hackepeter, Bockwurst, Eisbein, Kotelett, Soleier, Brathering und Rollmops. Sind auch die um 1900 so beliebten Biersuppen aus hellem, Malzbier oder Berliner Weiße aus der Berliner Küche verschwunden, die berühmten "Berliner Löffelerbsen" aus "Pinselheinrichs" Zeiten haben alle Zeitenwenden überdauert.

Zutaten

500 g gelbe ungeschälte Erbsen
1 große Zwiebel
1 Bund Suppengrün
500 g Schweineohr und -schnauze (oder auch Schweineschwanz)
2 Kartoffeln
Salz, Pfeffer, Majoran, Lorbeerblatt

Zubereitung

Die Erbsen waschen und in genügend kaltem Wasser über Nacht einweichen. Am nächsten Tag zusammen mit dem gesäuberten Fleisch in dem Einweichwasser ansetzen. Gut abschäumen. Salz und 1 Lorbeerblatt zugeben.

Wenn die Erbsen halbgar sind, das gesäuberte und kleingeschnittene Gemüse sowie 1 TL getrockneten Majoran hinzugeben. Wenn nötig, zwischendurch etwas Wasser zugießen. Die Suppe darf aber nicht zu dünn werden. Wenn sie fertig ist, muss der Löffel "drin stehen" können. Wichtig: Nur auf kleiner Flamme köcheln lassen und ab und zu umrühren.

Sind die Erbsen fast weich, kommen die geschälten und gewürfelten Kartoffeln dazu. Fleisch herausnehmen, von den Knochen befreien und in Würfel schneiden. Wieder zur Suppe geben und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Löffelerbsen auf den Tisch bringen. Schwarzbrot oder Mischbrot dazu reichen.

Varianten: Statt Ohr und Schnauze ein Stück Kassler oder Räucherspeck mitkochen. Ganz aufs Fleisch verzichten und stattdessen in die fertige Suppe ausgebratenen Speck geben und pro Person 1 Bockwurst gut durchziehen lassen. Ganz "stilecht" ist die Suppe ja, wenn das kleingeschnittene Gemüse in ein wenig Schmalz angebraten wird und dann erst der Suppe zugegeben wird. Aber darauf kann man getrost verzichten.

Ich verabschiede mich mit Heinrich Heine, der begeisterter Anhänger der Erbsensuppe war (ich bin es auch):

"Ich wollte, meine Lieder
Das wären Erbsen klein;
Ich kochte eine Erbssuppe,
Die sollte köstlich sein."

Ich empfehle Ihnen einen Verdauungsspaziergang. Vielleicht singt man ja deshalb in Berlin auch: "Der Bärlina liebt det Jrüne ?"

Viel Spaß wünscht Heidi Driesner

Quelle: n-tv.de

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