Essen und Trinken

Nomen est Omen? Das geht in die Hose

Namensgebung kann voll daneben gehen. Davon weiß nicht nur Schackeline Müller (Jaqueline, zum besseren Verständnis) ein Lied zu singen, sondern auch zum Beispiel die Wirtschaft. Bekannteste Beispiele sind der VW Phaeton (regional bedingt mitunter auch "Föten" ausgesprochen) und der Pajero von Mitsubishi.

Die Japaner mussten ihr Auto für den spanischen Markt umtaufen. Sie hatten zwar bei der Namensgebung für ihren "Pajero" an eine Pampa-Katzenart gedacht, leider bedeutet "Pajero" im Spanischen aber auch so viel wie "Wichser". Und wer will schon öffentlich mit einem ... ?
 

Und VW? "Phaethon" (mit "th", es lebe der kleine Unterschied) ist eine Figur der antiken Sagenwelt, sein Name bedeutet wörtlich "der Strahlende, Leuchtende". Das hört sich eigentlich toll an, nur handelt die Geschichte von einem jungen, ehrgeizigen Mann, von einem hochtourigen Wagen und von den schrecklichen Folgen fahrpraktischer Inkompetenz: Phaethon musste unbedingt mit dem Sonnenwagen seines Vaters Helios durch die Gegend rasen, und bevor er die Erde in seiner großspurigen Dummheit ganz vernichtet, wird er getötet. Phaethon (Phaeton) ist also eigentlich ein Versager.
 

Auch Ford und Fiat machten schreckliche Erfahrungen: Als Ford seinen "Pinto" in Brasilien vermarkten wollte musste der Konzern zur Kenntnis nehmen, dass "pinto" dort ein Schimpfwort ist - für einen Mann mit einem kleinen Geschlechtsteil. Fiat erntete in einigen skandinavischen Ländern Kopfschütteln, denn bei dem Modell "Regata" denken Schweden an eine streitsüchtige Frau und Finnen bei "Uno" an einen Idioten.

Als Coca-Cola sich anschickte, den chinesischen Markt zu erobern, machte man das Unternehmen darauf aufmerksam, dass es für den Markennamen einen vergleichbaren chinesischen Wortlaut gibt. Er bedeutet "beiß in die Wachs-Kaulquappe".

Dass Vergleiche mitunter schrecklich hinken, ist eine fast tagtägliche journalistische Erfahrung: Garantiert wird es bei der nächsten Wahl wieder einen "erdrutschartigen Sieg" geben. Ich freue mich schon darauf!

 

Auch Politiker greifen nicht nur manchmal daneben. Musste Finanzminister Peer Steinbrück ausgerechnet dem "Land der rechtschaffenen Leute" den Vorwurf machen, gleich Luxemburg und Schweiz ein Steuerparadies zu sein? Hätte er sich mal lieber zuvor den Namen Burkina Faso übersetzen lassen. Für den Vergleich hätte sich sicher irgendwo auf der Welt eine Gegend namens "Tal der Gesetzlosen" oder ähnliches gefunden. "Tal der Ahnungslosen" hatten wir schon. Aber das Bild hätte auch nicht gestimmt.

Hört man einen Namen, stellt man sich darunter etwas Bestimmtes vor. Das ist beileibe nicht bei jedem Menschen das Gleiche - und vor allem kann man sich teuflisch irren. Oder was stellen Sie sich unter einem blauen Zipfel vor? Na? Oder Nonneferzchen? Cocotten? Im schlimmsten Falle schweigt man besser.

Ich versichere Ihnen, dass "Kalter Hund" kein Mann mit schlechtem Charakter oder gar die Leiche eines Vierbeiners ist, sondern ein süßer Kekskuchen, der gegenwärtig eine Renaissance erlebt. Experten vermuten, dass der Name von "Grubenhunt", einem Förderwagen aus dem Bergbau, kommt, der an die Backform erinnert.

Zartbesaitete Seelen haben aus dem "Kalten Hund" auch einen "Schwarzen Peter", "Kekstorte" oder "Lukullus-Kuchen" gemacht. Alles dasselbe: Ein Angriff auf die Hüften, hübsch geschichtet aus Kokosfett, Zucker, Eier, Kakao und Butterkeksen:

Zutaten:
125 g Kokosfett
3 EL Kakaopulver
3 EL Puderzucker
2 EL Milch
1 EL Rum
1 bis 2 Eier
1 Packung rechteckige Butterkekse

Zubereitung:
Zucker, Kakao, Milch, Rum und Ei verrühren. Das Kokosfett zerlassen und lauwarm (auf keinen Fall heiß) langsam unter die Masse mischen.

Eine Kastenkuchenform mit Folie oder Butterbrotpapier auskleiden. Den Boden mit einer dünnen Schicht von der Masse bedecken, darauf eine Lage Butterkekse geben. So weiter verfahren, immer Lagen von Kakaomasse und Butterkeksen abwechseln. Als letzte Lage muss Kakaomasse obenauf kommen. Den Kuchen im Kühlschrank fest werden lassen. Für die Kaffeetafel stürzen und in Scheiben schneiden.

Tipp: Den Rum für den Kindergeburtstag weglassen

Viel Spaß wünscht Heidi Driesner

Quelle: ntv.de