Essen und Trinken

Bienenhaus oder kollektiver Freizeitpark? Der Deutsche hat einen Ruf zu verlieren

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So viel steht fest: Bienen sind fleißiger als Menschen.

picture-alliance / dpa/dpaweb

Mythen halten sich hartnäckig. Der Italiener liebt das Leben, der Franzose die Liebe - und der Deutsche? Der gilt als emsig und zielorientiert. Angesichts des Flughafen-Desasters in Berlin hört sich das wie ein schlechter Witz an. Betrachtet man jedoch die Datensammelwut gewisser Behörden, stimmt das Bild vom fleißigen Bienchen.

Pünktlich, fleißig, ordentlich. Das ist das Bild des Deutschen, das Ausländer von uns haben: Der Deutsche an sich rackert bis zum Umfallen, baut prima Autos und braut gutes Bier. Das mit dem Bier und den Autos stimmt schon, aber auch japanische Autos rollen lange und zuverlässig und Bier "made in South Africa" ist einfach lecker. Das mit dem Umfallen stimmt schon weniger, derzeit fallen auf der Großbaustelle der Flughafens Berlin Brandenburg nur die Bauzäune um, falls der Wind mal heftiger weht. Willy Brandt, nach dem der nicht existente Airport schon 2009 benannt wurde, dürfte sich im Grabe umdrehen. Immerhin besteht noch die Möglichkeit, dass die BER-Baustelle den Beinamen "Ewig" erhält, denn Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut und hat nie an Bedeutung verloren.

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Arbeit is keen Has, de löppt uns nich weg.

(Foto: Lizzy Tewordt_pixelio.de)

Nicht nur beim Flughafenprojekt werden der staunenden Öffentlichkeit immer wieder neue Eröffnungsdaten genannt (in Jahren gerechnet, versteht sich), auch das Bahnhöfle in Stuttgart hat die 21 längst eingebüßt, weil die ersten Züge vermutlich erst 2023 rollen. Während an der Elphi in Hamburg nun doch weiter gewerkelt werden soll deutet sich bei Jena das nächste Desaster deutscher Ingenieurskunst und Managerumtriebe an: Die Verkehrsfreigabe des Jagdbergtunnels an der Autobahn A4 ist zum dritten Mal auf nunmehr 2014 verschoben. Wenn‘s dabei bleibt … Ganz auf der Strecke blieb bekanntermaßen der Transrapid. Der schwebt statt in Deutschland in China.

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert? Zum Glück leben nicht alle Deutsche nach diesem Motto, viele stört es, wenn der gute Ruf deutscher Gründlichkeit und deutscher Wertarbeit ins Wanken gerät. Sind wir heutigen Deutschen also faul und nur noch fleißig beim Schnüffeln und Sammeln von Daten? Laut OECD-Statistiken arbeiten die Beschäftigten in Deutschland weniger Stunden als Türken, Italiener, Polen und andere Menschen in nahen und fernen Ländern. In den 30 OECD-Staaten arbeiten nur die Norweger und die Niederländer noch weniger als die Deutschen.

Doch über die Produktivität der gearbeiteten Stunden gibt diese Statistik keine Auskunft. Da sieht es nämlich doch nicht so schlecht aus mit dem Ruf der Deutschen. Aus Daten des Statistischen Bundesamtes geht hervor, dass die Arbeitsproduktivität in Deutschland im EU-Vergleich überdurchschnittlich stark gestiegen ist. Im EU-Durchschnitt stieg sie je Erwerbstätigenstunde von 2005 bis 2010 um 3,4 Prozent, in Deutschland um 4,0 Prozent. Fazit: Wir sind zwar nicht mehr ganz so fleißig, aber wenn wir arbeiten, dann richtig (die Negativ-Großbaustellen fallen wohl durchs Raster).

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Ich muss jetzt abhängen - was dagegen?

(Foto: Jens Roth_pixelio.de)

Pünktlich und ordentlich sollen wir ja auch noch sein. Pünktlich wie die Deutsche Bahn etwa? Da klemmt’s doch nun gewaltig; Vorbild sieht anders aus. "Fünf Minuten vor der Zeit ist des Deutschen Pünktlichkeit", sagt der Volksmund. Wer hat denn das erfunden? Da halten wir es doch lieber wie die Maurer, denen nachgesagt wird, dass sie auf die Feierabendsekunde genau die Kelle aus der Hand fallen lassen: "Pünktlich wie die Maurer" eben. Ordnungsliebende Deutsche stutzen Hecken, mähen Rasen, gründen Vereine und halten sich an die Hausordnung, dressieren ihre Hunde, stellen Gartenzwerge in Reih' und Glied auf, putzen einmal (mindestens!) im Monat die Fenster und lüften jeden Tag die Betten. Und zerreißen sich das Maul über jene, die lieber baden fahren oder Freunde zum Essen einladen, als Fenster zu putzen. Vom Fußboden essen muss übrigens niemand, wir haben Tische!

Verschieben Sie ruhig mal das Staubsaugen (Gäste trampeln sowieso alles voll), muss ja nicht so sein wie bei den Flughafen- und Bahnhofsbauern, und kochen Sie etwas Leckeres. Beim Abwasch greift  der Besuch fleißig mit zu, denn mitunter ist der Deutsche auch hilfsbereit.

Gemüse-Quiche

Zutaten (4 Pers):

200 g Mehl
120 g eiskalte Butter
½ TL Salz
Für den Belag:
500 g Möhren
3 Schalotten
3 Knoblauchzehen
2 Stangen Sellerie
1 Handvoll schwarze Oliven ohne Stein
3 Eier
200 g Creme fraiche
3 - 4 Eier
2 EL Butter
Salz, Pfeffer, Chili
3 EL gehackte Kräuter: Petersilie, Kerbel, Estragon

Zubereitung:

Mehl in eine Schüssel sieben, Mahl dazugeben, sehr kalte Butter auf einer Käsereibe ins Mehl raspeln, 3-4 EL kaltes Wasser hinzufügen. Alles sehr schnell zu einem Teig kneten, eine Kugel formen, in Klarsichtfolie einwickeln und im Kühlschrank mindestens 1 Stunde ruhen lassen.

Möhren und Selleriestangen schälen und in dünne Stifte oder Scheiben hobeln. Schalotten und Knoblauch schälen und fein würfeln, die Kräuter hacken. 2 EL Butter in einer Pfanne erhitzen und Schalotten- und Knoblauchwürfel darin glasig dünsten. Möhren und Sellerie zufügen, leicht salzen und anschwitzen. Alles sollte noch bissfest sein. Abkühlen lassen.

Creme fraiche und Eier verquirlen, die Kräuter dazugeben und mit Salz, frisch gemahlenem Pfeffer und 1 Messerspitze Chili kräftig würzen.

Den Ofen auf 180 Grad vorheizen. Eine Quiche-Form mit etwas Butter ausstreichen oder mit Backpapier auskleiden. Den Teig auf bemehlter Fläche dünn ausrollen und in die Form legen. Den Gemüsebelag auf den Teig geben und die Oliven darauf verteilen. Die Eiermasse über die Füllung gießen. Etwa 40 Minuten backen, aus der Form nehmen und servieren.

Das Rezept ist etwas aufwendig, aber Sie sind ja fleißig. Die Quiche schmeckt übrigens auch kalt beim Picknick am Badestrand. Viel Erfolg wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de