Essen und Trinken

Spiele der besonderen Art Ein bisschen Spaß muss sein

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Valentinstag einmal anders: Wettstreit um den längsten Unterwasserkuss in Constancia (Portugal).

(Foto: picture alliance / dpa)

Was im Schlafzimmer geschieht, geht keinen etwas an. Doch manches Tun hinter sonst verschlossenen Türen findet den Weg sogar bis auf öffentliche Plätze. Glücklicherweise nicht das, was Scheik Nefzaui als orientalische Liebeskunst im 16. Jahrhundert pries, doch dafür ist heutzutage die Spannbreite der Verrücktheiten größer.

Wettbewerbe aller Arten sind wohl so alt wie die Menschheit selbst. Auch dürfte die Art des Wettstreits sich adäquat der Gesellschaft gewandelt haben und weiter wandeln. In der Steinzeit war garantiert derjenige Sieger, der die meisten Mammute erlegte und nicht der, der die meisten aufaß. In der Überflussgesellschaft ist das anders, da gewinnt der, der zum Beispiel in der kürzesten Zeit die meisten Hotdogs sinnlos in sich hineinstopft. Kommt mir irgendwie vor, als wären unsere zotteligen Vorfahren weiser gewesen als wir es sind. 

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Auch eine finnische Erfindung: In Hyrinsalmi werden Moorfußball-Meisterschaften ausgetragen.

(Foto: picture alliance / dpa)

In der Spaßgesellschaft gibt es reihenweise und fast überall die beklopptesten Wettbewerbe und Aktionen, deren "Sinn" vor allem darin besteht, sich richtig auszutoben. Darunter sind eklige, zum teil tödliche, sportliche, welche zum Lachen. Die Finnen sind dabei die Weltmeister im Erfinden der skurrilsten Wettbewerbe, die vom Sauna-Dauersitzen über Saunabausatz-Zusammenbau-WM, Beerenschnellpflückmeisterschaft,  Handyweitwurf und Luftgitarrespielen bis zum Frauentragen reicht. Wenn auch die finnischen Männer nicht gerade dafür bekannt sind, dass sie ihre Frauen auf Händen tragen - bei diesem Wettstreit tun sie es. Natürlich nicht uneigennützig, wenn man an die Siegprämie denkt: Die als erste Huckepack durchs Ziel geschleppte Holde wird nämlich in Bier aufgewogen.

Gerollt, gespuckt, gegrillt

Den Schotten kann’s nicht schwer genug sein, sie werfen Baumstämme. Im schweizerischen Löhningen treten Bürohengste beim Bürostuhlrennen gegeneinander an, die Bayern rollen Bierfässer, messen sich im Masskrugstemmen und im Fingerhakeln, im englischen Gloucestershire rollen Menschen und Weichkäse in einem wilden Haufen einen steilen Hang hinunter. Die nahezu unbekannte Stadt Düren in Nordrhein-Westfalen macht sich mit der Weltmeisterschaft im Kirschkernweitspucken einen Namen. Die sommerliche Lieblingsbeschäftigung der Deutschen nimmt beim Speedgrillen Tempo auf. Der Europarekord für das ganze Programm - Aufbauen eines verpackten Dreibein-Grills, Holzkohle nur mit Streichhölzern und ohne Brandbeschleuniger zum Glühen bringen und eine Wurst lecker grillen - liegt bei beachtlichen 08:27 Minuten. Das "Granaten"-Duo aus dem Münsterland hatte 2011 in Bigge-Olsberg (NRW) das schnellste Würstchen.

Beliebt ist auch das Grimassenschneiden. Seit über 700 Jahren duellieren sich Engländer in Egremont um die beste Fratze. Selbst unbeliebte Beschäftigungen wie das Bügeln kommen zu neuen Ehren. Die Weltmeisterschaft im Extrembügeln ist aber nicht so langweilig und nervig wie das Bügeln von Oberhemden, sondern regelrecht spannend: Gebügelt wird an Steilhängen, auf Bäumen und auch unter Wasser.

Das ist alles noch ganz nett und harmlos, doch es gibt auch "Feste" der anderen Art: Beim Vegetarian Festival in Thailand durchstechen sich die Teilnehmer die Wangen mit spitzen Gegenständen. Im spanischen Pamplona hetzen junge Männer bei den jährlichen Sanfermines Stiere durch die Stadt, eine blödsinnige Tierquälerei, bei der bisher 14 Menschen zu Tode kamen.

Küssen und andere Spiele

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Jährlich "Pillow Fight" für Tausende Spaßvögel. Auch am Leicester Square in der Londoner City klopften sie aufeinander ein, bis die Federn fliegen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Kissenschlachten, eher bekannt aus Kindertagen und später als neckisches Vorspiel von Verliebten, lassen in Dutzenden Städten auf Straßen und Plätzen die Federn fliegen. Ziel soll sein, die Stadt als Wohnzimmer zu sehen. Nun denn … Beim österreichischen Wett-Fensterln ist eher das Schlafzimmer einer feschen Maid das Ziel. Der Weg zum Busserl führt drei Stockwerke in die Höhe - ohne Leiter, nur mit Hilfsgerätschaften wie Baumstämmen und Bierkästen. 

Beim Dauerknutschen geht es dagegen nicht um die Höhe, sondern mehr um die Länge. In diesem Jahr siegten die Thailänder Nontawat Jaroengsornsinpose und Thanakorn Sittiamthong in 50:25:01 Stunden. Ohne Pause.

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Die Geschichten aus 1001 Nacht faszinieren überall auf der Welt.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Über eine Dauer-Standhaftigkeit anderer Art berichtet Scheik Nefzaui in seinem Handbuch der orientalischen Liebeskunst "Der duftende Garten", das er im 16. Jahrhundert für den Großwesir von Tunis schrieb. Darin  musste der edle und mutige Abou el Heiloukh 30 Tage vor ungefähr hundert mehr oder minder bekleideten "Frauen und Jungfrauen" ausharren. Nackt und in ständiger (sichtbarer!) Bereitschaft, aber ohne Entspannung. Bei Allah - er hat‘s geschafft! Laut Scheik Nefzaui nur "dank der Zwiebeln". El Heiloukh verlangte in jenen 30 Tagen nämlich als Nahrung nur "mit Fleisch gebackene Zwiebeln und als Getränk den mit Honig vermischten Saft sorgfältig geschälter Zwiebeln". Wie‘s dem Manne nach dieser Tortur erging, verrät der Scheik nicht. Ist wohl auch besser so. Allerdings handelt es bei diesem "Vorkommnis" nicht um eine Wette oder einen Wettbewerb, sondern um einen echten Freundesdienst: Mit seiner männlichen Standhaftigkeit ebnete El Heiloukh seinem Freund Abou el Heidja den Weg zur Angebeteten. Zohra, "Die Schöne", hatte nämlich nach Prinzessinnen-Art etliche nicht einfache Bedingungen gestellt.

(Fast) nackte Männer sind auch in Japan gefragt. Beim Hadaka Matsuri werfen sich Tausende halbnackter Männer mitten im Winter auf- und übereinander, um an zwei heilige Stäbe zu kommen, die Glück verheißen. Glück haben vermutlich eher die, deren Knochen bei dem Getümmel heil bleiben.

Bei diversen anderen "Schlachten" geht es ziemlich schmierig zu. Im südkoreanischen Boreyeong wird tonnenweise Schlamm abgeladen und das Bewerfen kann beginnen. Geworfen wird mit Mehl in Spanien und Griechenland, mit Orangen in Italien, mit Trauben in Spanien, mit Eierkremtorten in England. Da kann natürlich auch die Bundeshauptstadt nicht zurückstehen und so bewerfen sich Einwohner der Berliner Stadtteile Kreuzberg und Friedrichshain auf der Oberbaumbrücke mit allem, was weich und glitschig ist: Wasser, Mehl, Gemüse. Mit Essen spielt man nicht? Laut Veranstalter sollen nur Lebensmittel zum Einsatz kommen, die das Verfallsdatum schon lange überschritten haben. Wer’s glaubt …

Tomaten als Haarwuchsmittel?

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In Buñol werden jedes Jahr 120 Tonnen Tomaten in den "Kampf" geworfen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die spanische Erfindung "Tomatina" hat längst Furore gemacht und so haut man sich unterdessen in Reno in den USA und im kolumbianischen Sutamarchan überreife Tomaten um die Ohren. Nach Angaben der kolumbianischen Stadtväter sind die 18 Tonnen Tomaten von der Ernte übrig geblieben und konnten nicht mehr verarbeitet oder verkauft werden. Die wüste Schmeißerei sei auch eine Art Dankesfest für die Landwirte der Umgebung. Ob die Tomatenbauern das auch so sehen?

Die Stadträte im spanischen Buñol meinen, "die Schlacht hilft, Stress abzubauen. Und die Tomaten sind auch gut für die Haare." Die Tomatina ist wohl eher gut für den Tourismus und damit für's Stadtsäckel, für Hotels und Restaurants, denn die blutrote Matscherei zieht alljährlich im August etwa 45.000 Touristen aus Europa, Asien und den USA an.

Ich habe Tomaten lieber auf der Stulle und in der Salatschüssel als in den Haaren und auf den Augen. Auch in einer Suppe oder Sauce mag ich sie. Damit Sie Wettbewerbe aller Arten gut überstehen, schlage ich Ihnen heute ein Wunder-Süppchen vor, dessen Hauptbestandteile Tomaten, Basilikum und Zwiebeln sind. Denken Sie daran, was Zwiebeln laut Scheik Nefzaui bewirken! Und auch Basilikum hat einen etwas "anstößigen" Ruf. Schon anno dunnemals sprachen Kräuterweiblein weise: "Basilikum wirft Jungfrauen um." Der Spruch spukt trotz eines offenkundigen Mangels an Jungfrauen heute noch durch die Gegend. Ehe die Tomate ihren schlechten Ruf verloren hatte, vergingen Jahrhunderte. Dann aber kannte man kein Halten mehr, und Bezeichnungen wie Liebesapfel oder Paradiesapfel zeigen, was von den roten, sinnlichen Früchtchen erwartet wird:

Tomaten-Basilikum-Suppe

Zutaten (4 Pers):

8 - 10 große vollreife Tomaten
4 rote Zwiebeln
6 Knoblauchzehen
Basilikum, Petersilie
Zitronensaft
Olivenöl, Meersalz, frisch gemahlener Pfeffer, evtl. Gemüsebrühe

Zubereitung:

Die Tomaten in grobe Stücke, die Zwiebeln in feine schneiden. Die Knoblauchzehen pressen. 2 EL Olivenöl in einem Topf erhitzen.

Zuerst die Zwiebelwürfel glasig anschwitzen, dann die Tomatenstücke und den Knoblauch dazugeben. Alles verrühren und 2 Minuten schmoren. Dann 1 Tasse Wasser oder Gemüsebrühe dazugeben und auf kleiner Flamme 10 Minuten köcheln lassen. Dabei ab und zu die Tomatenstücke mit einer Gabel zerdrücken.

Die Suppe vom Feuer nehmen. Eine Handvoll frische Basilikumblätter und Petersilie zerkleinern, in die heiße, nicht mehr kochende Suppe geben und ziehen lassen. Zum Schluss mit Meersalz, wenig Pfeffer und Zitronensaft abschmecken und vor dem Servieren pro Portion noch einige Tropfen Olivenöl auf die Suppe geben.

Falls Sie lieber Pasta-Sauce statt Suppe mögen: Wenn Sie die Suppe vor Zugabe der Kräuter länger köcheln lassen, können Sie alles bis zur Saucen-Konsistenz eindicken.

Viel Spaß - und bleiben Sie Sieger - wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de