Essen und Trinken

"Widder das hesliche Laster der Trunckenheit" Herr Luther verflucht Speibier und Saufteufel

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Alkohol ist ein Zellgift: Die Hemmungen fallen.

(Foto: imago stock&people)

Was 'reinläuft, muss auch wieder 'rauslaufen. Das wusste schon Luther, und der Reformator fluchte kräftig auf die "schändlich Jauch", die wir "an die Wand pissen". Was ihn am Biertrinken nicht hinderte. Millionen Biertrinker auch nicht, weshalb man derzeit in München mal wieder von der "Pinkelwiesn" spricht.

Es klingt paradox, vor allem zu Zeiten unzähliger Wiesn-Bierleichen: Biertrinken ist gesund und macht schlank! Allerdings nur, wenn man es maßvoll und nicht "Mass voll" wie beim Oktoberfest betreibt. Bier enthält neben bestem Wasser hochwertige Mineralstoffe und Vitamine, vor allem die der B-Gruppe, und hat nach Wasser und Tee die wenigsten Kalorien. Es ist fettfrei und nahezu kochsalzfrei, wirkt harntreibend und Gewebe entwässernd.

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Manche werden einfach nur müde.

(Foto: dpa)

Allerdings ist da noch der Alkohol. Ein "normales" Bier bringt es meistens auf   etwa fünf Prozent Alkohol. Dessen Wirkung hängt vor allem von der Menge an getrunkenem reinen Alkohol ab. Wein hat etwa doppelt so viel reinen Alkohol wie Bier; mit einem Glas Bier (0,25 Liter) nimmt man ungefähr dieselbe Menge Alkohol auf wie mit einem kleinen Glas Wein (0,1 Liter).

Die dem Worte nach nüchterne Statistik widerlegt die Behauptung von Heinrich Stromer, einem Zeitgenossen Luthers. Stromer war Arzt, Universitätsprofessor und Stadtrat in Leipzig und schrieb 1531 in einer Schrift unter dem Titel "Ein getrewe, vleissige und ehrliche Verwarnung, widder das hesliche Laster der Trunckenheit": "Wiewol der Wein, so von natur hitzig ist, schneller und ehe, denn ander getrencke mit seinem rauch und dunst, das hirn und adern durch gehet und dringt, dennoch ist die trunckenheit von unmessigen trinken des Biers, erger und weret auch lenger, denn die trunckenheit vom Wein." Stromer war ganz offensichtlich Weintrinker und sein Wettern gegen das Bier nicht ganz uneigennützig: Der gute Mann war Gründer von "Auerbachs Keller", der schon im 16. Jahrhundert zu den beliebtesten Weinlokalen Leipzigs gehörte und bis heute eine der traditionsreichsten Gaststätten Deutschlands ist. Den Namen verdankt das Lokal seinem Erbauer, denn Stromer wurde nach seinem Geburtsort Auerbach (Oberpfalz) in Sachsen nur "Dr. Auerbach" genannt.

Schneller betrunken mit Wiesn-Bier

Der Alkoholgehalt im Bier ist abhängig vom Stammwürzegehalt. Darunter versteht man den Zuckergehalt des Bieres vor dem Vergären. Beim Brauprozess wird die Stärke des Malzes in Zucker umgewandelt, der anschließend während des Gärens mit Hilfe von Hefe zu Alkohol und Kohlensäure wird. Grob geschätzt entsteht aus 2,5 Prozent Stammwürze 1 Prozent Alkohol im Bier. Für das Oktoberfest wird ein spezielles Bier gebraut; die Erlaubnis dafür haben nur die sechs Münchner Brauereien, denn auf der Wiesn darf nur Münchner Bier fließen. Das Oktoberbier bringt es durchschnittlich auf sechs Prozent Alkohol und macht also schneller betrunken als normales Bier. In einer Maß stecken 60 Milliliter reiner Alkohol, die bei einem 80 Kilo schweren Mann zu ungefähr 0,75 Promille führen; bei einer Frau mit einem Körpergewicht von 60 Kilo zu rund 1,1 Promille. Männer verstoffwechseln wegen des höheren Anteils von Muskelmasse am Körpergewicht den Alkohol schneller als Frauen, die mehr Fettgewebe haben. Sechs bis sieben Millionen Liter Bier fließen alljährlich durch die Kehlen der Oktoberfest-Besucher, die auch alle wieder "raus" müssen, und böse Zungen sprechen mal wieder von der "Pinkelwiesn".

Martin Luther wetterte zwar wie sein Freund Stromer gegen das Bier, aber offenbar nur gegen fiese Plörre: "Den ersten Bierbrauer habe ich schon oft verflucht", soll Luther in einer seiner berühmten Tischreden gesagt haben. "Es wird mit dem Bräuen soviel Gerste verterbet, dass man ganz Deutschland damit möcht erhalten, und solls also verterben, dass wir so schändlich Jauch daraus machen, welche wir danach an die Wand pissen. Es gehöret in itzlich Viertel Bier drei Scheffel, und wo eine Stadt gut Bier bräuet, so sind ihr hundert, die Speibier bräuen." Seinem ihm zugeschriebenen Spruch "Wer das Bierbrauen erfunden hat, der ist ein Unheil für Deutschland gewesen", muss einen ganze Menge dieses üblen "Speibieres" vorangegangen sein, denn eigentlich war der Kirchenmann dem Gerstentrunk nicht abhold. Zwar verfluchte auch er den "Saufteufel", das weit verbreitete Laster, erfreute seine abendlichen Tischrunden dennoch mit derben Sprüchen: "Bist du voll, so leg dich nieder, stehe auf und sauf herwieder." Nachahmern sei gesagt: Der angeblich kraftstrotzende Luther war in Wirklichkeit ein recht kranker Mann, der seine zahlreichen Leiden auch seinem Lebenswandel zu verdanken hatte, denn Wein und Bier flossen mehr als Wasser und Luther verstand es vortrefflich, einen großen Krug auf einmal zu leeren.

Katharina von Bora füllte ihrem Dr. Martinus das Bier nicht nur in die Kanne, denn zu dieser Zeit, als der Sudkessel zur Aussteuer junger Mädchen gehörte, war Bier auch ein Mittel zum Würzen. Biersuppen, meist ziemlich dünn, waren ein Hauptgericht. Die Kunst, mit Bier zu kochen, ist über die Jahre in Vergessenheit geraten, doch mehr und mehr findet der Gerstensaft verstärkt Zugang auch zur gehobenen Gastronomie. Ob uns heute noch eine dünne Biersuppe wie zu Luthers Zeiten schmecken würde, ist fraglich, schon eher eine gehaltvolle Suppe. Die macht auch gar nicht "truncken", weil der Alkohol sich während des Kochprozesses verflüchtigt.

Bierbrauer-Suppe

Zutaten (4 Pers):

1 großer Kalbsknochen
1 Ochsenschwanz
3 EL Schweineschmalz oder Öl
1 Bd Suppengrün (Mohrrübe, Sellerie, Porree, Petersilienwurzel)
½ Bd Petersilie
2 Eigelb
100 ml Schmand
1,5 l Pilsner
1 Lorbeerblatt
Salz, weißer Pfeffer, Thymian

Zubereitung:

Kalbsknochen und Ochsenschwanz vom Metzger teilen lassen. Die Stücke im Fett ringsum schön anrösten. Mit etwas Bier auffüllen, Lorbeerblatt, Thymian und das kleingeschnittene Wurzelwerk dazugeben und eine halbe Stunde köcheln lassen. Dann durch ein Sieb geben, die Ochsenschwanzstücke wieder zurück in den Topf, mit dem restlichen Bier auffüllen, salzen und so lange sanft kochen, bis sich das Fleisch vom Ochsenschwanz lösen lässt. Den Topf vom Feuer nehmen und die Brühe wieder durch ein Sieb geben. Schmand mit Eigelb verrühren und damit die nicht mehr kochende Suppe legieren. Das Fleisch kleinschneiden und als Einlage in die Suppe geben. Mit Salz und frisch gemahlenem Pfeffer abschmecken und mit der gehackten Petersilie bestreuen.

Guten Durst, aber bleiben Sie maßvoll - wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de