Essen und Trinken

Sau-gut Im Kloster verboten

Sie ist von schlankem Wuchs, hat die Rundungen an den richtigen Stellen und einen zarten Teint - und einen verdammt erotischen Ruf. Römer und Teutonen sind ihr gleichermaßen verfallen. Die Namen, die man ihr gibt, sind weniger fein.

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Die Elfenkönigin Titania in einer Dresdner "Sommernachtstraum"-Aufführung trägt ein "luftiges" Kostüm.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Für Botaniker heißt sie „Vicia faba“, der Bauer nennt sie Puff- oder Saubohne, auch Dicke Bohne, Pferdebohne und bestenfalls Ackerbohne.

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Dicke Bohnen sind schön knubbelig.

(Foto: Wikipedia)

Im Altertum wurde sie in Europa zum Grundnahrungsmittel für die Zubereitung von Breien, Broten und Kuchen. Aber nicht nur das: Die Saubohne galt als Aphrodisiakum. Die Teutonen und die Römer hielten die ovalen Samen für anregend und die Bohnenblüte für ein  Symbol sexueller Lust. In vielen Ländern ist eine weiße Bohnenblüte eine traditionelle Blüte von Göttinnen. Und in Shakespeares „Sommernachtstraum“ heißt ein in Titanias Diensten stehender Elf „Bohnenblüte“.

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Die Blüten von Bohnen ...

(Foto: pixelio/fotoalbum)

Der italienische Arzt und Botaniker Pierandrea Matthiolus behauptete im 16. Jahrhundert, dass Bohnen „den natürlichen Samen“ mehren, und zwar noch mehr, wenn man sie in Milch siedet und danach mit Pfeffer, Galgant (eine Heil- und Gewürzpflanze aus der Familie der Ingwergewächse), Fenchel und Zucker bestreut. Ein ähnliches Rezept enthält das Kamasutra, das behauptet, der solche Bohnen verzehrende Mann „besucht unzählige Frauen“. Die unterschiedlichen Aminosäuren in den Bohnen sind es, von deren Wirkung insbesondere müde und erschöpfte Männer profitieren. In Verbindung mit scharfen Gewürzen wie im Chili con carne kommt die anregende Wirkung am besten zur Geltung.

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... sind von außergewöhnlicher Schönheit.

(Foto: Wikipedia)

„Bohnensuppe hatte einen derart erotischen Ruf, dass sie im 17. Jahrhundert im Nonnenkloster San Jeronimo verboten wurde, um unangebrachte Erregungszustände zu vermeiden“, beschreibt Isabell Allende die sagenhafte Wirkung. Auch wenn Sie sich nun wundern und meinen, nach üblichem Bohnengenuss noch nie eine derartige umwerfende Einflussnahme auf Ihre Libido an sich gespürt zu haben: Gesund und vielseitig einsetzbar sind Bohnen allemal. Bohnen enthalten kaum Fett, dafür aber viel Proteine und Kohlenhydrate, so dass sie sehr gut sättigen.

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Nichts erinnert an den filigranen Gebilden an die späteren kräftigen Hülsen.

(Foto: Wikipedia)

Leider ging trotz solch „Leistungsförderung“ der Saubohnen-Anbau nach dem 17. Jahrhundert immer mehr zurück. Vielleicht auch, weil die Bohne nicht hielt, was man in sie hineindachte. Jedenfalls lösten die aus Amerika eingeführten Gartenbohne und Feuerbohne die Saubohne in der menschlichen Ernährung nach und nach ab. Heute wird die Ackerbohne meist nur noch als Viehfutter angebaut, sehr bedauerlich.  In Griechenland, der Türkei, Bulgarien und auch noch in anderen süd- und osteuropäischen Ländern gibt es noch heute wohlschmeckende warme und kalte Gerichte aus dicken Bohnen. Aus der Erinnerung diverser Aufenthalte in solchen Ländern habe ich irgendwann einen ganz einfachen „Salat aus dicken Bohnen und Zwiebeln“ kreiert, von dem bei jedem Grillabend nicht ein Krümelchen übrig bleibt:

Zutaten (4 Personen):
1 kg frische Saubohnen
2 bis 3 rote Zwiebeln
evtl 1 Knoblauchzehe
4 frische Salbei-Blätter
Blattpetersilie
frisches Bohnenkraut
Olivenöl, weißer Balsamico, Meersalz, frisch gemahlener Pfeffer

Zubereitung:
Die Bohnen aus den Schoten lösen und in Salzwasser etwa eine halbe Stunde leicht kochen lassen. Abgießen und die Kerne aus den Häuten lösen.

Die Zwiebeln schälen und in hauchdünne Scheiben schneiden. Das macht sich am besten mit einem sehr scharfen Hobel. Die Scheiben sollten wirklich hauchdünn sein. Die Scheiben mit den Händen auseinanderzupfen, so dass sich Ringe ergeben. Salbeiblätter, ein halbes Bund Petersilie und die Blättchen von 3 Zweigen Bohnenkraut hacken.

Aus Olivenöl, Balsamico, Salz und Pfeffer eine Marinade herstellen. Wenn Sie mögen, können Sie eine gepresste Knoblauchzehe untermischen. Die Marinade mit den Bohnen und den Zwiebelringen vermischen und über Nacht im Kühlschrank durchziehen lassen.

Tipp: Der Salat lässt sich natürlich auch aus getrockneten Saubohnen herstellen. Die trockenen Bohnen werden über Nacht eingeweicht und dann eine bis anderthalbe Stunde gekocht. Um Blähungen zu vermeiden, sollte das Einweichwasser abgegossen werden. Dann wie mit frischen Bohnen weiter verfahren. Es gibt auch konservierte dicke Bohnen in Glas oder Dose. Ich bin nicht so begeistert davon; wenn‘s mal schnell gehen soll sind die Konserven vielleicht eine Alternative.

Viel Spaß und Erfolg wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de