Essen und Trinken

Für Gourmets und Gourmands Kein armes Schwein

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Ganz ohne Gallier, aber auch mit Wildschwein: Merkel und Bush beim Barbecue in Trinwillershagen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Vermutlich können die Frage "Mit wem stand Bundeskanzlerin Merkel 2006 am Feuer und werkelte an gegrilltem Wildschwein herum?" nur noch wenige politisch Interessierte beantworten. Die Frage aber "Wer sitzt mit Asterix am Feuer und futtert Unmengen Wildschwein vom Spieß?" können weltweit wohl alle zwischen 8 und 80 beantworten: OBELIX!

Auch schon wegen der erwähnten Knollennase und des Kugelbauchs ist es völlig klar, dass es hier gar nicht um den Ex-US-Präsidenten und BBQ-Partner von Bundeskanzlerin Merkel, George W. Bush, gehen kann.

Nun ist er schon über 50, immer noch kugelrund - und munter wie eh und je. Das liegt garantiert an seinem abwechslungsreichen Lebenswandel: Immer auf den Füßen, immer an der frischen Luft, immer abenteuerlustig. Na gut, manchmal stören die Römer oder auch die Bayern, aber sie sind wie das Salz in der Suppe: Fehlt es, ist die Suppe fade. Das Leben auch.

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Mit Wildschwein und Hinkelstein: Asterix, Obelix - und natürlich Idefix.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Ich liebe diese verrückten Gallier, egal ob als Comic oder als Spielfilm mit Gérard Depardieu, dem die Rolle des Obelix auf den "Bauch" geschrieben scheint. Nun ist wohl Depardieu eher Gourmet wie Obelix Gourmand ist, das tut aber nichts zur Sache. Denn wer kann schon eine solche Unmenge an gegrillten Wildschweinen verschlingen wie der dicke Gallier ("Ich sehe hier keinen Dicken, Du, Asterix?")? 125 Wildschweine sollen es in der Asterix-Serie sein, die vom Grill geraden Wegs in Obelixens Bäuchlein wandern. Die Dunkelziffer dürfte größer sein…

Soweit ich mich erinnere, fand nur ein Wildschwein keinen Beifall des Vielfraßes: das gekochte in Minzsauce ("Das arme Schwein!”). In Britannien natürlich, wo sonst!

Die lebendigen Vorbilder von Asterix und Obelix sind die historischen Kelten, deren Ernährungsweise erschließt sich uns durch archäologische Funde. Wissenschaftler haben ein erstaunlich reiches Getreidespektrum nachgewiesen. So haben Archäologen in einem Grab im Hunsrück einen verkohlten Gebäckkringel gefunden, der aus der Keltenzeit stammt. Sie analysierten die Inhaltsstoffe des ältesten Ringgebäcks Europas und veröffentlichten sogar ein Rezept für den "Keltenkringel": Man nehme 500 g Dinkelmehl, 400 g Honig, 60 g Schweineschmalz, 1 Ei, 40 g Hirschhornsalz, rühre alle Zutaten gut durcheinander, forme flache Kringel daraus und backe sie bei etwa 150 Grad im Backofen für rund 20 Minuten. Fertig!

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Stolz zeigt Obelix seinem Freund Asterix ein Wildschwein, das er gefangen hat - hier beim Abenteuer-Spektakel "Asterix on Ice" in Berlin.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Die Kelten betrieben Ackerbau und Viehzucht - und mussten deshalb nicht wie Obelix und Asterix täglich auf die Jagd gehen. Ihre Schweine standen bereits im Gatter. Was natürlich nicht heißen soll, dass ihnen ein sonntäglicher Wildschweinbraten nicht willkommen gewesen wäre.

Auch wenn das Wildschwein bei den Comic-Galliern eher als "running gag" der Autoren durchs Leben der Helden läuft, gegen "Wildschweinsteaks mit Äpfeln” hätte Obelix ganz sicher nichts einzuwenden. Nur die Mengenangaben hier sind mehr für Gourmets denn Gourmands.

So wie bei Bush und Obelix das Wildschwein am Spieß sollte auch das Fleisch für die gefüllten Steaks von sehr jungen Tieren stammen. Je jünger, desto besser. An der Spitze des Wohlgeschmacks steht natürlich der Frischling, aber auch das Fleisch eines sogenannte Überläufers, das ist ein Wildschwein sozusagen im Teenageralter, kann man noch kurz braten oder grillen. Das Fleisch älterer Tiere muss durch Marinaden mürbe und wohlschmeckend gemacht werden.

Zutaten (4 Personen):

800 g frisches Frischlingsfleisch ohne Knochen (Keule oder Rücken)
4 Äpfel
4 sehr dünne Scheiben gut geräucherter Speck
1 TL geschrotete schwarze Pfefferkörner
1 TL getrocknete, gerebbelte Salbeiblätter
4 cl Weinbrand
Salz, Öl

Zubereitung:

Aus dem Fleisch möglichst 4 große, ca. 1 cm dicke Scheiben quer zur Faser schneiden. Bekommen Sie nur kleinere Scheiben aus dem Fleisch, müssen es 8 sein.

Die Scheiben vorsichtig klopfen, mit dem Weinbrand beträufeln und eine Stunde kühl stellen. Dann die Scheiben trocken tupfen, nur wenig salzen und mit dem grob gemahlenen Pfeffer und dem Salbei bestreuen. Auf je eine Hälfte die Speckscheiben legen, die andere Hälfte darüber klappen und mit Zahnstochern zustecken. Haben Sie 8 kleinere Scheiben, legen Sie jeweils zwei übereinander und stecken mindestens 2 Seiten mit Rouladennadeln fest.

Die Scheiben von außen mit Öl bepinseln und auf dem Holzkohlegrill grillen. Dabei weiter vorsichtig mit Öl bepinseln.

Die Äpfel halbieren und zuerst mit der runden Seite, dann mit der Schnittfläche auf den Grill setzen und anbraten. Sie brauchen etwa so lange wie die Steaks.

Beides zusammen mit frischem Weißbrot servieren.

Tipp: Haben Sie keine Möglichkeit, im Freien zu grillen oder ist es Ihnen schon zu kühl, können Sie Steaks und Äpfel auch in der Pfanne braten.

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(Foto: picture-alliance / dpa)

Viel Spaß wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de