Essen und Trinken

Wunder im Spreewald Reise zum "Freuen-Ort”

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Das Wetter konnte man wirklich nicht als "wunderbar” bezeichnen - erst Mitte Oktober und schon das reinste Novemberwetter! Dennoch: Mein Wochenendtrip mit ein paar Handvoll Freunden und Bekannten in den Spreewald nahe Berlin hielt ein, zwei Wunder bereit.

Der Nicht-Ansässige verbindet den Spreewald meistens nur mit Gurke und Kahn. Das ist total ungerecht, wie Sie gleich erfahren werden.

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Gurkenernte ist längst beendet, jetzt machen haufenweise Kürbisse die Gegend bunt - und fürs Kahnfahren war’s von oben (!) zu nass. Karin, Roland und der Rest von "sieben Aufrechten” unserer lustigen Truppe ließen sich ein paar Stunden lang vom Hotel aus im Planwagen durchs Biosphärenreservat kutschieren. Um das Ganze abzukürzen: Wunder Nr. 1 trat ein: Es ist niemand erfroren! (Wie der Krankenstand zwei Tage später war, weiß ich nicht.) Die roten Nasen der tapferen Fuhrwerks-Teilnehmer rührten weniger vom Glühwein her, sondern mehr von der nasskalten Witterung.

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Ich gestehe: Ich zog mit Gisela, Charly und ein paar anderen "Weicheiern” einen Ausflug in warmen Autos vor. Und erlebte Wunder Nr. 2: Der Spreewald ist selbst bei miesestem Wetter eine Reise wert und kein bisschen langweilig! Die Slawenburg Raddusch ließ mich Ort und Zeit (und das Wetter) völlig vergessen.

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Die archäologischen Reste der Slawenburg Raddusch nahe Lübbenau ...

(Foto: picture-alliance / dpa)

Der slawische Stamm der Lusizi, dem die Niederlausitz ihren Namen verdankt, erbaute solche Burgen im 9. und 10. Jahrhundert inmitten der damaligen weitläufigen Sumpflandschaft. Etwa 40 dieser kleinen ringwallförmigen Befestigungsanlagen sind in der Region nachgewiesen und zeugen von einer jahrtausendealten Kulturlandschaft. Leider wurden viele dieser Bodendenkmale durch den Braunkohlenbergbau großflächig zerstört. Nur Bruchteile der ur- und frühgeschichtlichen Zeugnisse können archäologisch untersucht werden. Dazu gehören fünf slawische Burgen, die dem Tagebau weichen mussten: Tornow, Schönfeld, Presenchen, Groß Lübbenau - und Raddusch.

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... und die Rekonstruktion des 70 Meter großen und acht Meter hohen Ringwalls.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Die Slawenburg Raddusch liegt am Rande des Biosphärenreservats Spreewald. 1984 bis 1989/90 wurde die über 1000 Jahre alte Radduscher Burg vor dem Tagebau Seese-Ost ausgegraben. Wegen der Reduzierung der Braunkohlenförderung wurde der Tagebau stillgelegt, und das eröffnete nach 1990 die Möglichkeit, die Slawenburg Raddusch am originalen Standort zu rekonstruieren.

Die in slawischer Zeit kompakt aus Holz, Erde, Sand und Lehm erbaute Wallmauer ist heute hohl und bietet Platz u.a. für eine sehr informative Dauerausstellung über die Archäologie in der Niederlausitz sowie ein Restaurant.

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Das Trachtengebiet in der sorbischen Lausitz bildet die größte geschlossene Trachtenregion in Deutschland. Im Bild: sorbische Festtagstracht im Niederlausitzer Spreewald.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Typisch für das südöstliche Brandenburg, und genau da liegt der Spreewald, ist vielerorts die Zweisprachigkeit: Zweisprachige Ortsschilder und Bezeichnungen an öffentlichen Gebäuden in deutscher und sorbischer Sprache zeigen, dass hier die nationale Minderheit der Sorben/Wenden lebt - die Nachfahren der mittelalterlichen Lusizi.

Raddusch heißt auf wendisch "Radus". Der Ortsname könnte von Radoslaw (zu deutsch: Ruhmlieb oder von "sich freuen" - Freuen-Ort) abgeleitet sein. Ihre reiche Folklore und Mythologie - zum Beispiel die sorbischen Ostereier oder die Sage von Krabat - machten die Sorben über ihre Region hinaus bekannt.

Wir haben eine ganze Menge gelernt auf unserer Reise zu freundlichen Menschen in freundlichen Orten, auch, was Spreewälder Kräuterfrauen um 1880 herum fiebernden Kahn- und Kremserfahrern rieten: "Nimm von einer schwarzen Hühne ein Ey koche es, stüch 77 löcher rückwärts gezählt von 77. bis 1. und dann gegessen sammt der Schale." Ob dieses "Rezept" bei den durchgefrorenen Karin und Roland "Wunder" wirkt, wage ich zu bezweifeln. Besser dürften original Spreewälder Hefeplinsen (mancherorts auch Plinze geschrieben) munden:

Zutaten:

250 bis 300 g Mehl
10 g Hefe
2 bis 3 Eier
1 TL Zucker
½ Tütchen Vanillezucker (oder etwas ausgeschabtes Mark einer Vanillestange)
3/8 l Milch
1 Prise Salz
Leinöl zum Ausbacken
Kristall- oder Puderzucker sowie Zimt zum Bestreuen oder Pflaumenmus zum Bestreichen (oder Marmelade/Konfitüre)

Zubereitung:

Hefe zerbröseln und mit dem Zucker und 3 EL Milch verrühren. Mit einem Tuch abdecken und bis zum Aufgehen etwa 20 Minuten an einen warmen Ort stellen. Dann Mehl zugeben und mit der restlichen Milch, den Eiern, der Vanille und etwas Salz einen zähflüssigen Teig herstellen. Die Masse nochmals eine halbe Stunde gehen lassen.

In einer Stielpfanne (hier heißt das "Tiegel") etwas Leinöl erhitzen und einen runden dünnen Plins von beiden Seiten goldgelb ausbacken.

Mit Pflaumenmus bestreichen oder mit Zucker und Zimt bestreuen, aufrollen und in aufgerolltem Zustand auf den Tisch bringen.

Viel Spaß wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de