Essen und Trinken

Carne vale! Schönes Kind, komm spiel' mit mir

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Die Entblößung hat politische Gründe: Die Figur für einen Motivwagen des Meinzer Rosenmontag-Umzugs soll die Problematik mit Google-Street-View darstellen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Bevor dem Fleisch und den damit verbundenen Lüsten und Gelüsten Lebewohl gesagt wird, werden noch einmal alle Register gezogen, wird anständig auf die Pauke gehauen und "einer draufgemacht”. Und so mancher ist, was er sonst nicht sein darf.

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Der berühmte Karneval in Rio zeigt jedes Jahr, was er zu bieten hat.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mancherorts ist Karneval ja so eine Art Fleischbeschau, bevor die "fleischlose” Zeit beginnt: "Carne vale”, wie die alten Lateiner zu scherzen pflegten, "Fleisch, lebe wohl” - denn am Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Fastenzeit ohne Fleisch, Eier und Milchprodukte. "Am Aschermittwoch ist alles vorbei”, sagt der Narr bedauernd und meint eigentlich das Gleiche wie der Lateiner, nimmt‘s aber nicht so genau.

Ob Sie nun Karneval, Fastnacht oder Fasching feiern oder außerhalb der Narren-Hochburgen unbeirrt zur Arbeit gehen - während der tollen Tage ist alles ganz anders. Da kommt selbst der Faschingsabstinenzler nicht daran vorbei, weil auch der aufpassen muss, dass er beim Bäcker keine Berliner mit Senf erwischt - oder feiernden Narren, die aus Liebes-, Arbeits- oder anderen Gründen ihre Hochburgen verlassen und in spaßfreie Regionen umziehen mussten, unverhofft in die ausgebreiteten Arme läuft.

Ess- und Trinkgelage und sonstige mehr oder weniger beschauliche Riten gehören schon seit dem 13. Jahrhundert zu den karnevalistischen Bräuchen. Dass die fünfte Jahreszeit schon am 11.11. um 11 Uhr 11 beginnt, ist allerdings eine närrische Erfindung erst aus dem 19. Jahrhundert. An diesem Tag werden Prinzenpaar und Motto der tollen Tage vorgestellt und es gibt einen kleinen Vorgeschmack darauf, was in der Karnevalswoche über uns hereinbricht. Denn die Elf steht für Jux und Späße aller Arten, das wiederum auch schon seit dem Mittelalter.

Schmutzig ist ganz schön "schmotzig" (schmalzig)

Von alters her beginnt der Karneval im deutschsprachigen Raum am Dreikönigstag, dem 6. Januar, und gipfelt in der Karnevalswoche, die am schmutzigen Donnerstag (Weiberfastnacht) beginnt, über den Nelkensamstag, Tulpensonntag und Rosenmontag reicht und am Veilchendienstag (Fastnacht) seinen Abschluss findet. Um Mitternacht zum Aschermittwoch ist der Spuk vorbei - und das große Aufräumen außerhalb und innerhalb des Körpers beginnt.

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Burlusconis heißer Feger (l) hatte vor dem Wiener Opernball gesagt, sie könne nur Bauchtanz, nicht Walzer. Hier bei Weder-Noch und ganz ohne Verkleidung.

(Foto: AP)

Bis dahin aber langt man bei reichhaltiger Kost und geistigen Getränken noch mal so richtig zu, lebt im Schutze von Masken und Kostümen in der sinnlichen "Zeit des Fleisches” alle irdischen Gelüste aus. Man darf in der Zeit des Narrenspiels sein, was man sonst nicht ist: Pirat oder Pfarrer, leichtes Mädchen oder schwerer Junge, Schneewittchen oder Zwerg Nase. In diesem Jahr wahrscheinlich auch Verteidigungsminister und Plagiator - sogar in einer Kostümierung möglich.

Die Vorliebe für reichhaltige Speisen an den närrischen Tagen hat auch ihr Gutes - sie hilft, den alkoholgeschwängerten Angriff auf Leber und Magen einigermaßen zu überstehen. Dazu gehören nicht nur Frikadellen, Kartoffelsalat und Gulaschsuppe, sondern auch süße Sachen. Fettreiches Gebäck ist angesagt, das überall irgendwie ähnlich aussieht und schmeckt, aber überall anders heißt: Berliner oder Pfannkuchen, Krapfen oder Kräppelchen, Fasnetsküchle oder Ballebäuskes, Nonnefürzchen oder Mutzemändelchen. Sie sind aus Hefe- oder Brandteig oder auch aus Mürbeteig, ungefüllt oder mit Pflaumenmus, Marmelade oder Apfelstücken gefüllt, mit Zuckerguss überzogen oder mit Puderzucker bestäubt.

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Mutzemandeln haben's in sich: Sie sind recht gehaltvoll.

(Foto: siepmanH / pixelio.de)

Der Brauch, Fettgebäck zu essen, stammt auch schon aus dem Mittelalter: Am "schmotzigen” (fetten) Donnerstag vor der Fastenzeit wurde das letzte Mal geschlachtet. Und damit das Fett während der folgenden 40 Tage des Fastens bis Ostern nicht verdirbt, wurden besonders fetthaltige Speisen gekocht oder das Fett zum Ausbacken des Gebäcks genutzt. Vielleicht überlegen Sie sich’s ja noch, und gesellen sich zu Närrinnen und Narren bei Karneval oder Fasching oder wie immer das in Ihrer Gegend heißt. Sie haben kein Kostüm? Das ist doch nicht schwer und ohne viel Aufwand zu erledigen: Holen Sie Ihren verstaubten Doktorhut aus der Ecke (es gibt auch welche im Kostümverleih), kupfern ein paar Seiten aus dem Internet ab und schon ist ihre Verkleidung fertig. Nennen Sie sie einfach "Fußnote". Vergessen Sie aber nicht, ein paar "Mutzemandeln" zur Fete mitzubringen:

Zutaten (ergeben etwa 40 Stück):

500 g Mehl
100 g Zucker
160 g Butter
100 g geriebene Mandeln
150 g saure Sahne
5 Eigelb
1 Pä Backpulver
½ TL gemahlener Kardamom
Salz, Puderzucker
3 bis 4 Pä Butterschmalz zum Ausbacken

Zubereitung:

Die zimmerwarme Butter mit dem Zucker schaumig rühren und nach und nach die Eigelb und die saure Sahne unterschlagen. Das Mehl in eine Schüssel sieben und mit dem Backpulver, dem Kardamom und einer Prise Salz vermischen. Dann das Mehl und die geriebenen Mandeln mit der Buttermischung zu einem Mürbeteig verkneten.

Den Teig in eine Frischhaltefolie wickeln und eine Stunde kalt stellen.

Das Fett auf 180 Grad erhitzen (Hitzeprobe: Das Fett ist heiß genug, wenn sich an einem hineingehaltenen Holzlöffel Bläschen bilden.)

Eine Arbeitsplatte oder ein großes Brett leicht bemehlen, ebenso die Kuchenrolle, und den Teig etwa 1 Zentimeter dick ausrollen. In etwa daumengroße Rauten schneiden. Wer hat, nimmt natürlich eine Mutzemandelform zum Ausstechen.

Die Mutzen nach und nach in dem heißen Fett in etwa 3 bis 4 Minuten goldbraun ausbacken. Auf Kückenkrepp abtropfen und abkühlen lassen. Die noch warmen Mutzen mit Puderzucker bestäuben.

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Stahl dem Wiener Opernball mal wieder die Schau: "Mörtel" Lugner mit Logengast Ruby.

(Foto: AP)

Viel Spaß beim Backen, Feiern und Genießen wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de