Essen und Trinken

Verführung in Rot Siebter Himmel gefällig?

erdbeer3.jpg"Wir leben nicht, um zu essen; wir essen, um zu leben", soll der griechische Philosoph Sokrates gesagt haben. Fahle Hungerhaken meinen darin zu lesen, dass das Essen lediglich dazu dient, die Haut über Knochen und Sehnen zu halten: Kochen sei keine Kunst, sondern lediglich geschicktes Umrühren. Essen sei kein Lustgewinn, sondern nur zum physischen Lebenserhalt nötig. Leider verkommen dabei Geschmack und ein beträchtliches Stück Lebensfreude zur Nebensache.

erdbeer2.jpgZwar wurde der antike Philosoph vor allem wegen seiner Gesprächsführung, wegen seiner Dialoge auf öffentlichen Plätzen Athens gerühmt, von seinen Anhängern bewundert wegen seines Durchhaltevermögens, seiner Anspruchslosigkeit und seiner Selbstbeherrschung – ein freudloser Asket war Sokrates aber nicht. Er lehnte zwar die sinnlose Völlerei vieler seiner Zeitgenossen zu Recht ab, aber im Gegensatz zu ihnen dachte er über die verschiedenen Aspekte der Ernährung nach, über ihre Konsequenzen. Für ihn gehörte "fein schmecken" zur Philosophie des Lebens, war eine Frage der Moral.

Sokrates, der etwa von 469 bis 399 v. Chr. gelebt hat, machte sich mit seiner dauerhaften und bohrenden Suche nach der Wahrheit allerdings kaum Freunde. Seine Neider betrieben dann ja auch eine folgenschwere Intrige: Wegen "Gotteslästerung und Verführung der Jugend" wurde Sokrates zum Tode durch den Schierlingsbecher verurteilt.

erdbeer1.jpgZum Glück steckt in den meisten Menschen ein kleiner Feinschmecker: gemeinsam kochen und bei leckerem Essen und köstlichem Wein das Leben genießen. Oder wie es der Berliner Sterne-Koch Kolja Kleeberg sagt (Sein Gourmet-Restaurant "Vau" ist übrigens eine der besten Adressen in der Bundeshauptstadt.): "Kochen macht sexy und Essen macht glücklich."

erdbeer6.jpgUnd genau darum geht es hier auf dieser Seite, manchmal auch mit einem Augenzwinkern und nicht immer (bier)ernst. Pessimisten, Defätisten, Nihilisten, Fatalisten und andere -isten trinken ganz schnell einen Schluck Apfelessig und blättern einfach weiter.

Es muss nicht immer der große Braten, das umfangreiche Menü sein, um sich und andere Menschen zu beglücken. Um mit Kleeberg zu sprechen: Schon "ein Häppchen, eine Winzigkeit eines Bissens als exquisit zubereitete Gaumenfreude, kann einen schon in den siebten kulinarischen Himmel entführen". Probieren Sie einmal eine kleine Verführung in Rot, kein echtes Carpaccio, dafür umso ungewöhnlicher: "Erdbeer-Carpaccio":

Zutaten (4 Personen):

500 vollreife Erdbeeren, nicht zu kleine Früchte
100 g milder Käse (z.B. junger Gouda)
2 EL Schlagsahne
1 TL Balsamico bianco
1 EL Himbeer-Essig
1 EL Traubenkernöl
Salz, Zucker, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Zubereitung:

Die gesäuberten Erdbeeren mit einem sehr scharfen Messer in hauchdünne Scheiben schneiden und auf Tellern dekorativ verteilen. Die beiden Essigsorten mit je einer Prise Salz und Zucker sowie mit dem Öl und der ungeschlagenen Sahne zu einem Dressing verrühren. Über die Erdbeeren träufeln. Den Käse mit einem Hobel in hauchdünne Locken schaben und diese auf den Beeren verteilen. Mit einem Hauch Pfeffer aus der Mühle überstäuben.

Tipp: Sind Sie mehr der Dessert-Typ, können Sie das Erdbeer-Carpaccio auch im Handumdrehen von einer Vor- zu einer Nachspeise wandeln: An Stelle des Käses raspeln Sie weiße Schokolade über die Erdbeeren und verteilen noch ein paar Blättchen Zitronenmelisse darauf.

Viel Spaß beim Probieren wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de