Essen und Trinken

Schlemmen mit Aussicht So schmecken die Berge

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"Käsespätzle Spezial" hat Johann Papp von der Tiroler Oberlandhütte beigesteuert.

(Foto: © Rosenheimer Verlagshaus GmbH & Co. KG, Rosenheim, 2015)

"Auf der Alm, da gibt’s koa Sünd"? Im Gegenteil, etliche Almhütten in den Alpen sind durchaus eine Sünde wert. Und das liegt mehr an "de guatn Rohrnudln" als an der Rosa auf der Hütt'n oder einer gewissen "schwarzaugaten Wuidaraschwesta".

Wer gerne in die Berge geht, egal ob zum Wandern, Biken oder Skifahren, weiß eine gute Hütte zu schätzen - und eine herzhafte Mahlzeit. Die meisten Berghütten sind heutzutage weit entfernt von fader Durchhalteversorgung hungriger Wanderer, einige avancieren sogar fast zu Gourmettempeln. Eine, die sich auskennt in den Bergen, den Hütten und Küchen lässt uns teilhaben an ihrem Wissen. Susi Schneider, die gemeinsam mit ihrem Partner Wolfgang Wagner unter anderem zehn Jahre lang die Berghütte "Spitzsteinhaus" in Tirol bewirtschaftete und inzwischen das "Suppnkuchl" in Walchsee führt, hat für Genießer und Bergfreunde zwei Bücher geschrieben. "Mein Hüttenkochbuch" ist in diesem Jahr bereits in 3. und ergänzter Edition im Rosenheimer Verlagshaus erschienen. Neu herausgegeben hat der Verlag jetzt "Meine Hüttenweihnacht".

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Susi Schneider präsentiert sowohl eigene Rezepte als auch die beliebter Berghütten.

(Foto: © Rosenheimer Verlagshaus GmbH & Co. KG, Rosenheim 2013)

Das "Spitzsteinhaus" ist eine Alpenvereins-Schutzhütte und gehört zu dem 1999 gestarteten Pilotprojekt "Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte auf Alpenvereins-Hütten". Die Hütte wurde bald zu einem Treffpunkt für Feinschmecker und belegte beim Hüttentest des Deutschen Alpenvereins 2006 den 1. Platz. 2010 gingen Schneider und Wagner ins Tal zurück; dort hatte Susi Schneider die Idee, die auf der Hütte erprobten Gerichte aufzuschreiben. Weitere Hüttenwirte steuerten ihre Spezialitäten bei, so dass in den Büchern ein breites Spektrum von Gerichten zu finden ist, die einerseits typisch sind für die Region und andererseits nicht erwartet werden in einer Berghütte.

Sowohl "Mein Hüttenkochbuch" als auch "Meine Hüttenweihnacht" haben je fünf Kapitel: Suppen und Eintöpfe, Deftig speisen, Vegetarisch, Süßspeisen und Kuchen sowie Getränke. Natürlich sind es jeweils unterschiedliche Rezepte, nur die Zubereitung der Grundlagen jeder guten Küche - Gemüsebrühe sowie Rinder- oder Hühnerbrühe - findet sich in beiden Büchern. Man kann Klassiker der Berghütten wie Graukäsesuppe oder Spinatknödel nachkochen, aber auch Ratatouille oder Englischen Kuchen. Einer "einfachen" Kartoffelsuppe verleiht Ingwer das gewisse Etwas und "Lumpensalat", "Friggapfanderl" oder "Breznknödelcarpaccio" machen neugierig. Kalbsleber, die zusammen mit einer überraschenden Gewürzmischung in Öl confiert wird oder pikante Wildsulz bieten auch für den feinen Geschmack etwas. Der allseits beliebte Kaiserschmarrn wird zusätzlich karamellisiert - da läuft einem schon angesichts des Fotos das Wasser im Mund zusammen!

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Susi Schneider bringt winterlichen Hüttenzauber nach Hause.

(Foto: © Rosenheimer Verlagshaus GmbH & Co. KG, Rosenheim, 2015)

"Meine Hüttenweihnacht" bringt winterliche Bergluft ins heimische Esszimmer. Auch in diesem Buch ist eine bunte Mischung von Gerichten aus Deutschland, Österreich und Italien vereint; es finden sich Klassiker wie Blutwurst-Gröstl oder Buchteln, aber auch Anspruchsvolles wie Wirsingblätter mit Maronifüllung oder Tafelspitz. Bei den Gams-Eiern handelt es sich selbstverständlich nicht um die edelsten Teile der Böcke! Ein "Unkrautlikör" (Hüttenkochbuch) fehlt ebenso wenig wie ein zünftiger Jagatee (Hüttenweihnacht). Ganzseitige Farbfotos der Speisen und Getränke regen ungemein den Appetit an.

Wandern und schlemmen mit der Kuh

Das Besondere an beiden Büchern ist die Zusammenarbeit mit den Alpenvereinen aus Deutschland, Österreich und Südtirol. In beiden Büchern werden etliche Berghütten, von deren Wirten ein Teil der Rezepte stammt, vorgestellt. Neben einem Foto gibt ein kurzer Text Auskunft über das Wesentliche: Anschrift, Telefonnummer und Mail-Adresse; Betriebszeiten und Anfahrt, Höhenmeter und Aufstieg, Übernachtungsmöglichkeiten und Besonderheiten. Allein in der "Hüttenweihnacht" sind zwanzig besonders schöne Winterplätze in den Alpen zu entdecken. So lassen sich durchaus kulinarische Bergtouren zusammenstellen.

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Das Kuh-Symbol garantiert regionale Schmankerln.

(Foto: Österreichischer Alpenverein)

Unter dem Motto "So schmecken die Berge" haben sich bisher über 100 Alpenvereinshütten in den drei Ländern zu einer Kampagne zusammengefunden, zu erkennen an dem Logo mit einer lustigen Kuh. Die Hütten verteilen sich auf 40 Gebirgsgruppen mit einzigartigen und regionaltypischen Spezialitäten. Die Kampagne ermöglicht den Wirten auch unter schwierigsten Bedingungen zum Teil in Extremlagen einen nachhaltigen Hüttenbetrieb und dient gleichzeitig als Gütesiegel. Angestrebt wird ein praktikabler Anteil von qualitativ hochwertigen und regional erzeugten Produkten am Gesamtangebot, das hilft, die bergbäuerliche und ökologische Bewirtschaftung zu erhalten und den Alpenraum nachhaltig zu entwickeln.

Zungenbrecher und Lernspaß

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Die Berghütten werden mit Foto und einem kurzen Text vorgestellt (Oberlandhütte in Tirol).

(Foto: Österreichischer Alpenverein OEAV)

Ein extra Schmankerl liefert in beiden Büchern der Vater der Autorin. Herbert Schneider würzt die Rezepte literarisch mit hintersinnigen Mundart-Sprüchen und -Versen. Ich weiß jetzt Bescheid über die alpenländische Mengenlehre, wer auf dem Berg der King ist, warum Rosa auf da Hütt'n ihre Kammatür verriegelt und was das billigste und nützlichste Wintersportgerät ist. Nicht-Bayern haben es nicht einfach, hinter den Sinn zu steigen; als Nicht-Mundart-Preuße verstand ich anfangs nur Bahnhof: "Wuidaraschwesta"??? Hinten Schwester, aber vorne? Meine Neugier brachte mich dazu, die Reime halbwegs laut zu lesen. Das quittierte meine Katze zwar mit misstrauischem Blick und angelegten Ohren, machte mich aber schlauer und brachte mich zum Lachen über mein Gestammel (und die Katze), über die Stoßgebete an ein Skihaserl und an Petrus, den Wassrigen.

Laut lesen hilft ungemein und macht "Petasuikartoffgmüas" auch für Flachlandtiroler verständlich. Und die "schwarzaugate Wuidaraschwesta" hat offenbar einen wildernden Bruder und schöne dunkle Augen. Aber ich kann mich auch irren ... Spaß macht’s trotzdem! Die Rezepte sind übrigens in astreinem Hochdeutsch aufgeschrieben...

Käsespätzle kennt fast jeder und lieben ziemlich viele. Der Wirt der Tiroler Oberlandhütte verrät in Susi Schneiders "Hüttenweihnacht" sein Spezialrezept:

Käsespätzle Spezial

Zutaten (4 Personen):

Für den Teig
500 g griffiges Mehl
½ TL Salz
1 mittelgroßes Ei

Für die Käsespätzle
1 EL Butter
1 kleine Zwiebel
2 Scheiben Kochschinken
100 g Champignons (plus 1 Champignon extra zum Garnieren)
100 g geriebener Bergkäse
Salz und Pfeffer aus der Mühle
1/4 Bund frischer Schnittlauch (in Röllchen geschnitten, zum Garnieren)

Zubereitung:

Mehl, Salz und Ei in einer Schüssel mit so viel Wasser verrühren,dass ein zähflüssiger, glatter Spätzleteig entsteht. Wasser in einem großen Topf zum Kochen bringen und leicht salzen, dann mit einem Spätzlesieb den Teig ins Wasser hobeln. Die Spätzle einmal sprudelnd aufkochen lassen, dann abseihen und unter kaltem Wasser kurz abschrecken.

Die Butter in einer Pfanne zerlassen. Die Zwiebel schälen und würfeln, den Kochschinken in Streifen schneiden, die Champignons putzen, in dünne Scheiben schneiden und alles zusammen mit den Spätzle in der Butter anrösten. Zum Schluss den Käse über die Spätzle streuen. Alles gut durchrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken und mit etwas Schnittlauch und ein paar Champignonscheiben garniert servieren.

Tipp: Dazu passt sehr gut ein frischer grüner Salat.

Und weil ja bald Weihnachten ist, will ich Ihnen den Schneiderschen Geschenketipp nicht vorenthalten: "Am besten, du gibst ma heier wieder an Hundata, und i gib dir aa wieder an Hundata, weil ma uns de letztn Jahr z' Weihnachtn aa scho gegnseitig an Hundata gebn ham." Wie das weitergeht mit dem Hundata, verrate ich nicht. Und wenn Sie absolut keine Idee für ein Weihnachtsgeschenk haben (außer "an Hundata"): Wie wär's mit einem Kochbuch? Oder zwei?

"Mein Hüttenkochbuch" (160 Seiten) und "Meine Hüttenweihnacht" (144 Seiten) sind im Rosenheimer Verlagshaus GmbH & Co. KG im Format 19 x 21,5 cm erschienen. Die gebundenen Bücher kosten je 16,95 Euro.

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Quelle: ntv.de