Essen und Trinken

Foodball für Fans Spiel auf goldenem Boden

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Die Altstadt von Ouro Preto wurde 1980 als Weltkulturerbe anerkannt.

(Foto: imago stock&people)

Die brasilianische und die deutsche Elf treffen auf geschichtsträchtigem Boden aufeinander - im "Goldgräberstaat" Minas Gerais. Bleibt abzuwarten, welche Mannschaft nach dem Spiel schon im Goldrausch ist. Gegen den Staub hilft derweil das Nationalgetränk Brasiliens.

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust - und da dürfte ich nicht die Einzige sein, wenn Deutschland und Brasilien in Belo Horizonte im WM-Halbfinale aufeinandertreffen: Dem Gastgeber Brasilien und fünffachen Fußballweltmeister sei ja das Weiterkommen gegönnt - wir aber wollen auch gewinnen, ins Endspiel kommen und ein viertes Mal den Pokal nach Hause holen! Mal sehen, welcher Mannschaft das Spiel im "Goldgräberstaat" Minas Gerais auf dem Weg zur goldenen FIFA-Trophäe Glück bringt.

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Das muss mühsam errungen werden: Gold!

(Foto: imago stock&people)

Der im Südosten gelegene Bundesstaat Minas Gerais, dessen Hauptstadt Belo Horizonte ("Schöner Horizont") ist, war im 17./18. Jahrhundert Zentrum des brasilianischen Goldrauschs. Unzählige Glücksritter auf der Suche nach Gold und Edelsteinen verwandelten Minas Gerais in das damalige Wirtschaftszentrum des Landes. Wie bei jedem Rausch verflog irgendwann auch dieser. Heute gibt es nicht mehr ganz so viel Gold; das Edelmetall und Diamanten werden aber nach wie vor abgebaut. Geblieben ist der Name des Bundesstaates, der auf Deutsch soviel wie "Allgemeine Minen" bedeutet. Minas Gerais hat zwar keine palmengesäumten Superstrände, lockt aber vor allem Naturliebhaber und kulturell Interessierte. Wanderer können in mehreren Nationalparks auf Entdeckung gehen und sich nach den Anstrengungen in Thermalbädern entspannen. Wen es mehr nach unten zieht, der kann über 500 registrierte Höhlen erkunden. Auch Abenteuer-Sportler kommen auf ihre Kosten.

Eines der überraschenden Geheimnisse von Minas Gerais sind die vielen Prachtbeispiele der Kolonialarchitektur. Zahlreiche Bauten aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind erhalten und berühmt für den Barocco Mineiro, den Minas-Barock. Baumeister der damaligen Kolonialmacht Portugal wurden beflügelt vom Goldboom und zimmerten, schnitzten, meißelten und malten im Überfluss. Am übermächtigsten ist der barocke Zauber in Ouro Preto, wo sich Kirchen und Paläste aneinanderreihen. Allein in der Pfarrkirche Nossa Senhora do Pilar sollen 434 Kilogramm Gold verarbeitet worden sein: Das edle Metall überzieht als Blattgold die Holzschnitzereien bis unter die Decke. Die Stadt erhielt ihren Namen nach dem Aussehen der zu Tage geförderten Goldklumpen, die durch Eisenoxid schwarz aussahen: Ouro Preto heißt "schwarzes Gold". Die alten Zentren von Ouro Preto und Diamantina sowie die Wallfahrtskirche Senhor Bom Jesús de Matosinhos in Cogonhas do Campo wurden von der Unesco in die Weltkulturerbe-Liste aufgenommen.

Goldrausch-Nostalgiker können mit einer Uralt-Lok ins 18. Jahrhundert zurückzuckeln. Auf historischer Bahnstrecke durch die Serra de São José fährt die "rauchende Maria", wie die Mineiros die schwarze, funkensprühende Lok nennen, in den alten Goldgräberort Tiradentes. Auch dort funkeln die Goldkirchen um die Wette.

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Cachaça ist unübersehbar das Nationalgetränk der Brasilianer.

(Foto: imago stock&people)

Die portugiesischen Wurzeln werden in Minas Gerais nicht nur in der Architektur überdeutlich, sondern auch in der deftigen cozinha mineira: viel Fleisch und süße Kuchen. Die Goldschürfer brauchten Portionen, die satt machten, und noch heute sind brasilianische Gerichte ziemlich fleischlastig. Brasilianer essen jeden Tag Fleisch, zumeist Rind-, aber auch Schweinefleisch und Geflügel. Das Gute an dieser Küche: Alles wird mit frischen, einfachen Zutaten zubereitet, denn die Goldgräber kochten das, was um sie herum wuchs oder auf der Weide stand.

"All you can eat" ist sehr beliebt, heißt in brasilianischen Restaurants jedoch "a kilo": Jeder bedient sich am Buffet und hinterher wird der volle Teller gewogen. WM-Besucher und andere Touristen kommen an einer Feijoda, dem Eintopf mit schwarzen Bohnen und jeder Menge Fleisch und Gewürzen, nicht vorbei. Das füllt den Bauch so, dass selbst die Brasilianer witzeln, zur Feijoada gehöre ein Krankenwagen vor die Tür. Die Feijoada war ursprünglich ein Sklavenessen, bestand also nicht aus den besten Zutaten, musste aber viele Menschen satt machen und enthielt verschiedene Sorten Fleisch bis hin zu Schweinefüßen. Wahrscheinlich alles, was weg musste … Das ist heute natürlich nicht mehr so, die Zutaten sind edler, aber nicht weniger reichhaltig. Und wer schon mal Churrasco gegessen hat und stundenlang lecker gegrillte verschiedene Fleischsorten von langen Spießen serviert bekam, wünscht sich ebenfalls einen Krankenwagen. Denn das Schlimme ist: Alles schmeckt so gut, dass man gar nicht aufhören kann! In Deutschland ist diese brasilianische Spezialität als Rodizio bekannt, wird in gleichnamigen Restaurants serviert und ist nicht minder mächtig.

Cachaça ist irgendwie Rum, aber anders

Ein Cachaça (oder auch eine, im Portugiesischen ist das Wort weiblich) darf zum Essen natürlich nicht fehlen. Der Zuckerrohrschnaps ist Nationalgetränk; dem Vernehmen nach trinkt jeder Brasilianer 9 Liter davon pro Jahr. Dank der berühmten Caipirinha ist der Hochprozentige auch in unseren Breiten bekannt und in fast jedem Supermarkt zu haben.

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"Caipi" schmeckt auch unter deutscher Sonne.

(Foto: imago stock&people)

Laut offizieller Definition ist jedes Destillat aus Zuckerrohr Rum. Doch komischerweise schmeckt Cachaça gar nicht wie Rum. Das liegt daran, dass für die Herstellung nicht wie bei den meisten anderen Rums die vergorenen Reste verwendet werden, die bei der Zuckerherstellung anfallen, sondern für Cachaça wird der Saft des noch grünen Zuckerrohrs vergoren. Cachaça ist also ein Edel-Rum, keine Restverwertung! Der kristallklare Schnaps ist fruchtiger als sein Verwandter.  Schimmert er golden, wurde er in Holzfässern gelagert, ist noch ein bisschen edler und schmeckt würziger, ist hochprozentiger als der einfache Cachaça und heißt dann Aguardente de Cana: brennendes Zuckerrohrwasser. Wobei "Wasser" die Untertreibung des Jahrhunderts ist.

Brasilien ohne Cachaça ist undenkbar; der seit Ende des 17. Jahrhunderts bekannte Zuckerrohrschnaps beherrscht den Spirituosenmarkt des Landes. In seiner Heimat wird er in unzähligen Sorten angeboten, bei uns sind weitaus weniger zu haben. Cachaça (ausgesprochen Kaschassa) passt immer, pur und in allen tropischen Cocktails: mit Fruchtsaft, mit Sirup, mit Softdrinks. Die farbintensiven Cocktails sind Lebensfreude pur, typisch brasilianisch eben. Sie schmecken nicht nur an der Copacabana oder in Belo Horizonte, sondern auch auf dem heimischen Sofa vorm Fernseher. Versüßen Sie sich das Halbfinalspiel der deutschen Mannschaft doch mit brasilianischen Cocktails:

Der Klassiker am Zuckerhut: Caipirinha

Zutaten (1 Glas):

6 cl Cachaça
3 TL Rohrzucker
1 unbehandelte Limette
crushed ice

Zubereitung:

Limette heiß abwaschen, abtrocknen und achteln. Die Fruchtstücke in ein Becherglas (Whiskyglas) legen, mit dem Zucker bestreuen und mit einem Stößel gut andrücken, damit der Saft herausgepresst wird. Den Schnaps darübergießen, das Glas bis zu zwei Dritteln mit zerstoßenem Eis auffüllen, umrühren, einen kurzen dicken Trinkhalm hineinstecken und genießen.

Süßes Leben: Batida de Côco

Zutaten (1Glas):

5 cl Cachaça
5 cl Ananassaft
2 cl Kokossirup
2 cl Sahne
crushed ice

Zubereitung:

Alle Zutaten in einem Rührbecher verrühren und in ein mit zerstoßenem Eis gefülltes Glas geben. Ein Stück Ananas an den Rand stecken.

"Batida" heißen in Brasilien alle Mixdrinks mit viel Geschmack und wenig Alkohol. Sie werden stets auf Basis von Cachaça hergestellt und mit Früchten, Säften und mitunter Sahne oder Milch gemixt. Der Batida de Côco ist der Lieblings-Batida der Brasilianer. Er ist bei uns vor allem als fertig gemixter Cremelikör populär geworden.

Der schönste Sonnenaufgang: Brasilian Sunrise

Zutaten (1 Glas):

4 cl Cachaça
1 cl Zitronensaft
10 cl Orangensaft
1 Schuss Grenadine-Sirup
Eiswürfel

Zubereitung:

Schnaps und die Säfte mit Eiswürfeln im Mixer durchmischen. In ein Longdrinkglas füllen und oben drauf einen Schuss Grenadine-Sirup geben. Der ist schwerer als alles andere und sinkt zu Boden. An den Rand eine Orangenscheiben stecken und den schönsten brasilianischen Sonnenaufgang genießen.

Egal, für wen Sie die Daumen drücken: Genießen Sie das Spiel und die Cocktails; Ihre Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de