Essen und Trinken

Hilfe mit Kuschelfaktor Wenn's dem Sultan schlecht geht

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Schlechte Laune? Auch da tut ein Süppchen Wunder.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Der Sultan hat keinen Durst und die Karawane ist ihm piepegal. Der Dicke hat nämlich Bauchschmerzen. Da hilft auch Scheherazades Geflüster nicht und ihr Bauchtanz geht ihm auf die Nerven. Als alles schon fast zu spät ist, kommt einer, der weiß Rat.

Wenn es Zeit wird, Füße, Hände und Ohren wieder zu bewahrenswerten Objekten zu erklären (denn wenn man da so richtig friert, ist es wahrlich a…kalt und ebenda auch), dann freut man sich auf ein warmes Plätzchen. Am besten mit Kätzchen. Und mit Decke. Und Suppe!

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Ein anständiger Suppenkessel sollte schon ein gewisses Fassungsvermögen haben.

(Foto: Katharina Wieland Müller/pixelio.de)

Ich esse meine Suppe an kalten Tagen am liebsten aus einer Schüssel und zweckentfremde dafür eine voluminöse Müslischale. Wie an einer heißen Teetasse kann man sich da die klammen Hände schön wärmen - versuchen Sie’s mal an einem Suppenteller! "Eine Frau, die keine Suppe kochen kann, sollte nicht heiraten dürfen", hieß es in den 20er Jahren. Heute sieht man das nicht mehr so verkniffen, schließlich kann man Männer heiraten, die Suppe kochen können.

Die Menschheit hat sich durch ihre Epochen gesuppt; schon antike Römer und Griechen liebten Suppen. Dabei ist es auch ziemlich egal, ob der Suppenfreund arm oder reich ist; Begüterte wie arme Schlucker mögen Suppen. Allerdings: An ihrer Suppe kannst du sie erkennen -  haben sie ein cremiges Hummersüppchen oder eine dünne Kartoffelsuppe vor sich. Suppen gibt es rund um den Erdball in allen nationalen Küchen, vom tiefsten Norden bis zum heißesten Süden. Sie können einfach oder raffiniert sein, brennend heiß bis eiskalt, samtig-mild bis feurig-scharf, finden Eingang in die Literatur ("Nein, meine Suppe ess’ ich nicht…"), nerven immer noch gestresste Eltern ("Nein, meine Suppe ess’ ich nicht…") - oder vollbringen wahre Wunder.

Des Sultans Suppe

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Null Bock beim Sultan.

(Foto: picture alliance / dpa)

Einst geschah es in einem arabischen Land, dass der Sultan schwer erkrankte. Alle Ärzte des Landes waren sich einig, dass das nur an der Leibesfülle des Höchstverehrten liegen konnte, denn der Mann aß und trank für sein Leben gern. Natürlich wagte niemand, ihm das unverblümt zu sagen. Irgendwann behielt sein Magen nichts mehr von dem guten Essen in sich, und nun ging es dem Sultan noch schlechter. Er verlor sogar seinen Appetit! Der Mann aß nichts mehr, wurde dünn und dünner und war dem Tode näher als dem Leben.

Endlich fasste ein alter Arzt Mut und sagte dem Sultan die Wahrheit. Nur eine Diät könne dem Kranken helfen: Dreimal am Tag einen Monat lang ein Schälchen Suppe. Dem Sultan aber wurde bei der Wort "Diät" speiübel und er schmiss den Arzt hochkantig ‘raus. Die Krankheit ließ ihm aber gar keine Wahl, als auf den Vorschlag einzugehen. Zum Glück aber hatte der Sultan den Arzt am Leben gelassen, nun ließ er ihn wieder aus dem Verließ graben, und der alte Mann nahm die Sache in die Hand.

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Der Bauch von Königs-Bauchtänzerin Daianaz ist mit 1 Million Euro versichert.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Alle Köche des Landes wurden mit dem Suppekochen beauftragt; für die Suppe, die dem Sultan am besten mundete, sollte der Koch in Gold aufgewogen werden. Jeder der Köche neidete aber den anderen Köchen den Erfolg, und so verdarben sie alle heimlich gegenseitig ihre Suppen: Der eine kippte einen Sack voll Salz in die Suppe des Konkurrenten, ein anderer griff zu einer Kiste Pfefferkörner, der dritte versuchte es mit einem Eimer Wasser. Alle Suppen waren ungenießbar! Als die Köche sich lange genug geprügelt hatten, griff der weise Arzt wieder ein und empfahl, an das Wohl des Sultans zu denken und ehrlich zu kochen. Gesagt getan - aber oh Schreck, dem Sultan schmeckte nicht eine einzige Suppe! In seiner Verzweiflung ging der weise Arzt in die Küche und kippte alle Suppen in einen großen Topf, kochte die Mischung noch mal auf, rührte um, kostete vorsichtig - und wäre vor Entzücken fast in den Bottich gefallen!

Auch der Sultan war höchst angetan. Als er aber den Koch mit Gold belohnen wollte, kam der Weise in Bedrängnis - welchen von den vielen Köchen sollte er nennen? Letzten Endes bekam er das Gold für seinen Einfall, aber auch die Köche gingen nicht leer aus, denn sie mussten nun jeden Tag ihren Anteil an der Suppe kochen. Der Sultan aß dreimal am Tag von der Mischung und wurde gesund. Und die Moral von der Geschicht’: Nicht immer verderben viele Köche den Brei.

Gemeinsam kochen, gemeinsam suppen

Suppen kann man immer wieder essen, sie sind magenfreundlich und nahrhaft, sie wärmen Körper und Seele. Und sie haben einen Kuschelfaktor: Schälchen füllen und in eine Hand nehmen, Löffel in die andere, eng zusammenrücken, anlehnen - und löffeln - zum Beispiel des "Sultans Suppe":

Zutaten (4 Personen):

1 l gute Rinderbrühe
1 große Zwiebel
1 Knoblauchzehe
60 g Butter
3 EL Mehl
2 Eier
1 Nelke
4 EL White Port oder Amontillado
100 g frisch geriebener Greyerzer oder Gruyère
Worcestersauce, Salz, weißer Pfeffer

Zubereitung:

Zwiebel und Knoblauch schälen und fein hacken. Die Butter in einem Suppentopf zerlassen und darin Zwiebel- und Knoblauchstückchen leicht anbräunen. Mit Mehl überstäuben und goldgelb schwitzen. Die Brühe (Vegetarier nehmen Gemüsebrühe) unter kräftigem Rühren hinzufügen und zum Kochen bringen. Den Port bzw. den Sherry sowie die Nelke und einige Tropfen Worcestersauce zugeben, mit Salz und Pfeffer vorsichtig würzen und alles 10 Minuten sachte köcheln lassen.

Die Nelke wieder herausfischen. Die Eier mit einer Gabel leicht verschlagen und unter Rühren in die Suppe geben; sie sollen leicht stocken. Suppe portionieren und den geraspelten Käse auf der Suppe verteilen.

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Ende gut, alles gut: Sultan is(s)t gesund.

(Foto: kathy1976/pixelio.de)

Gutes Gelingen beim gemeinsamen Kochen, Kuscheln und Genießen wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de