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Nicht jede Mutter liebt ihr Kind. In "Loveless" könnte genau das der Fall sein.
Nicht jede Mutter liebt ihr Kind. In "Loveless" könnte genau das der Fall sein.(Foto: imago/ZUMA Press)
Mittwoch, 14. März 2018

"Loveless" - Eltern in der Krise: Keine Liebe, kein Erbarmen

Von Anna Meinecke

Familie soll was Schönes sein, doch nicht selten ist sie schmerzhaft und schrecklich. Das russische Drama "Loveless" kreist um ein unterkühltes Vater-Mutter-Kind-Trio, das nach einem furchtbaren Ereignis mit den eigenen Abgründen konfrontiert wird.

Eltern lieben ihre Kinder. Klar, diese Liebe gibt es in unterschiedlichen Abstufungen. Aber irgendwas ist bestimmt da an Gefühlen. Sagt man doch so. Obwohl sich längst erahnen lässt, dass Geburt nicht zwangsläufig zu Bindung führt und aus geteiltem Genmaterial keine Zärtlichkeit erwachsen muss.

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In "Loveless" ist es nicht erst die anstehende Scheidung seiner Eltern, die Aljoscha (Matwei Nowikow) den Frost in der heimischen Wohnung fühlen lässt. Der Junge lässt den Kopf hängen wie einer, der nie etwas anderes gekannt hat. Er schlurft, er schweigt und er verschwindet. Eines Tages kommt er einfach nicht nach Hause. Als seine Mutter (Marjana Spiwak) das bemerkt, ist Aljoscha schon zwei Tage lang nicht mehr in der Schule gewesen.

Es beginnt die Suche nach einem Sohn, den seine Eltern weder zu kennen noch zu lieben scheinen. Und doch wird er durch seine Abwesenheit unmittelbar relevant. Seine Mutter blickt zum ersten Mal von ihrem Instagram-Feed hoch und in die Augen des Vaters (Alexei Rosin), der nun nicht länger nur die eigene Existenz durchschleichen kann.

Fluchtweg oder Sackgasse?

"Loveless" von Andrei Swajginzew ist ein düsterer Film. Nicht, weil seine Bilder in dunklen Schattierungen und mit viel Nebel verstören, sondern weil er sich so kalt anfühlt. Die Protagonisten fühlen, doch sie haben ihre Emotionen irgendwann fest verpackt und in der hintersten Ecke der Abstellkammer verstaut. Sie sind nicht zugänglich, nicht füreinander und erst einmal auch nicht für den Zuschauer.

Misstrauen, Unsicherheit und blinder Egoismus zeichnen den Streifen, der als russischer Beitrag für den Auslands-Oscar nominiert war. "Loveless" entwirft Ehe als Fluchtweg und Sackgasse zugleich und illustriert dabei, welchen Schmerz diejenigen fühlen, die sich in tradierten Familienmodellen probiert haben und daran gescheitert sind.

"Loveless" macht bei aller Empathie für seine Erwachsenen kein Geheimnis aus deren Versagen: Das Schicksal mag es nicht gut mit ihnen gemeint haben, doch an ihrem Kind haben sie sich schuldig gemacht. Der Zuschauer wird schlucken müssen. Genau deshalb ist dieser Film wichtig.

"Loveless" startet am 15. März in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de