Kino

Wenn Geldsäcke Krieg spielen "Soldiers Of Fortune" wollen Spaß!

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Dimidow (Sean Bean), Sin (Dominic Monaghan), Sam Haussmann (James Cromwell), "Grim Reaper" (Ving Rhames) und McCenzie (Christian Slater): Am Ende des Films sind sie eine kämpfende Einheit.

(Foto: Pandastorm)

Fünf Milliardäre langweilen sich. Sie können sich von ihrem Geld alles kaufen, warum nicht auch einmal die Rolle eines Elitesoldaten in einem richtigen Krieg? Das verspricht Nervenkitzel und vor allem eines: Spaß. Aber es dauert nicht lange, bis aus dem Spaß tödlicher Ernst wird.

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"Soldiers Of Fortune" ist bei Pandastorm erschienen.

(Foto: Pandastorm)

Die meisten von uns werden nie in diese Situation kommen: Was mache ich mit all meinem Geld? Was mache ich, wenn ich schon alles gesehen, erlebt, gekauft habe? Was mache ich gegen diese gähnende Langeweile, die dann mein Leben ist? Na, ganz einfach: Krieg spielen. Mittendrin statt nur dabei. Auge in Auge mit dem Feind. Den Finger immer am Abzug. Bereit zu töten. Für einen guten Zweck versteht sich, schließlich könnte man wie bei einem real gewordenen Videospiel ein ganzes Land von der Tyrannei eines unbarmherzigen Diktators befreien?! Damit könnte man im "Milliardaires Club" fein angeben.

Fünf Milliardäre bekommen die Chance dazu. Sie sind Teil des neuen Showprogramms "Soldiers Of Fortune": "Auf einer Abenteuermission werden sie den Adrenalinstoß eines richtigen Kampfes in einem Kriegsgebiet erleben. Aber ohne das Risiko, ihr Leben zu verlieren. Es ist doch so: Sie haben so hart für ihre Millionen gearbeitet, sie wollen sie doch auch später im Alter genießen", verspricht die Werbung für den "ultimativen Extremurlaub". "Egal, ob sie feindliche Söldner aus dem Hinterhalt erschießen, eine Waffenladung liefern, die äußerst brisant ist oder feindliche Stellungen hochnehmen - sie werden bei jedem Schritt beschützt sein durch unser qualifiziertes Action-Team!" Und das Beste daran ist: Die Kosten der Teilnahme sind steuerlich absetzbar!

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Ex-Elitesoldat McCenzie soll den Ausbilder und Aufpasser geben.

(Foto: Pandasotmr)

Ex-Elitesoldat Craig McCenzie (Christian Slater; "Windtalkers", "Very Bad Things") traut seinen Ohren nicht, als er von dem Programm angeworben wird. Er ist Teil des "Action Teams". Er soll die Milliardäre "ausbilden" und sie im Kampfeinsatz beschützen. Bodyguard und Babysitter in einer Person. McCenzie muss zu dem Job überredet werden. Und trotz seiner Geldsorgen dauert es ziemlich lange, bis Cecilia (Oksana Korostyschewskaja) McCenzie zu seinem neuen Traumjob überreden kann. Ihr Totschlagsargument heißt Carter Mason (Colm Meaney; "Layer Cake", "Star Trek: Deep Space Nine").

Mason hat McCenzie seine unehrenhafte Entlassung aus der US-Armee zu verdanken, denn bei einem streng geheimen Einsatz in Afghanistan kommt er dem damaligen CIA-Agenten Mason und dessen Nebenjob als Drogenhändler auf die Schliche. Jetzt ist Mason Sicherheitschef des skrupellosen Colonel Lupo (Gennadi Vengero; "Hotel Lux", "Dark Planet"). Lupo terrorisiert mit seiner Söldnerarmee eine kleine Insel am östlichen Ufer des Schwarzen Meeres. Die Berge der als Snake Island bekannten Insel sind voller Minerale und seltener Edelmetalle. Lupos Regime beutet sie aus und tötet jeden, der versucht, sich gegen ihn und seine brutale Herrschaft zu erheben.

Revolution als Touri-Attraktion

Mit Hilfe der fünf Milliardäre, die für den "Nervenkitzel und Spaß" des Kriegsspiels eine hübsche Summe Bares hinblättern, wollen die Rebellen um ihren Führer Ernesto und seine Tochter Cecilia Waffen kaufen und diese dann auch gleich mit Hilfe des "Action-Teams" und der Milliardäre auf die Insel bringen und so die Bewohner von Snake Island von der Schreckensherrschaft Colonel Lupos befreien. Alles für die Freiheit!

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Lebemann Dimidow rückt in "Begleitung" an.

(Foto: Pandastorm)

Als McCenzie Ernestos und Cecilias kompletten Plan erfährt, sagt er - wenn auch kopfschüttelnd - zu. Er wird die Geldsäcke beim Kriegsspiel beschützen. Aber da kennt er diese auch noch nicht. Da wäre etwa  Charles Herbert Vanderbeer (Charlie Bewley; "Twilight"-Saga), US-amerikanischer Aristokrat. Einer seiner Vorfahren hat Manhattan für 24 Silberdollar und eine Flasche Schwarzgebranntem von einem betrunkenen Indianer abgekauft. Vanderbeer managt einen Hedge Fonds an der Wall Street. Sein Vermögen hat er während und nach der Finanzkrise gemacht. Zu ihm stößt Roman St. John alias Dimidov (Sean Bean; "Herr der Ringe", "The Hitcher"), ein Rohstoff-Magnat und Lebemann. Sein Geld machte er nach dem Mauerfall, seine Konkurrenten starben allesamt unnatürlicher Tode.

Dritter im Bunde der reichen Krieger ist Samuel Haussmann (James Cromwell; "Space Cowboys", "Der Anschlag"). Der Mobilfunkpionier war fünf Mal verheiratet und hat acht Kinder. Er hat den Everest bestiegen, mit Bullen gekämpft, jedes Großwild der Erde zur Strecke gebracht, selbst zwei Spezies, die jetzt ausgestorben sind. Er hat zwei Vermögen gemacht und eines wieder verloren sowie zwei Herzinfarkte überlebt. Kurzum: Haussmann, der alte Haudegen, hat die kompletten Leben von drei Menschen gelebt, wie es heißt - und ist von der Forbes-Liste der Superreichen nicht mehr wegzudenken.

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Ein Waffenhändler wie "Grim Reaper" braucht eine große Wumme.

(Foto: Pandastorm)

Grimaud Tourneur (Ving Rhames; "Dawn Of The Dead", "The Tournament"), genannt "Grim Reaper", ist der "Böse" der Truppe. Er ist der Top-Waffenhändler auf dem Globus und bekannt dafür, wie beispielsweise beim Bürgerkrieg im Sudan, Waffen an beide Seiten zu liefern. Tourneur hat auch Colonel Lupo Waffen verkauft. Der Abschaum der glorreichen Fünf ist Tommy Sin (Dominic Monaghan; "Herr der Ringe", "Lost"), Computerspiele-Entwickler, verantwortlich für das megabrutale Fantasy-Videospiel "Death Porn". Fünf Teenager haben nach dem Spielen des Games ihre Eltern enthauptet, Sin wurde angeklagt, kam aber ungeschoren davon. Sin ist abhängig von Videospielen - und hat noch ein weiteres Handicap: ein gebrochenes Bein. Willkommen bei den "Soldiers Of Fortune"!

Viel Action - und Satire

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Im richtigen Krieg wird auch scharf geschossen.

(Foto: Pandastorm)

Die Story klingt vollkommen verrückt, aber eben so verrückt, dass sie durchaus wahr sein könnte. Wer kennt schon die geheimen Wünsche der Superreichen, abseits von Adoptionen in Drittweltländern, roten Teppichen, Cocktail-Partys und TV-Soaps? Klar ist der Plot vorhersehbar. Dass die wohlsituierte Kampf-Bagage erst einmal einen kräftigen Tritt in den Hintern braucht, ehe sie kapiert, dass auf sie bei dem Einsatz scharf geschossen wird - vernachlässigenswert. Dass ihre Beschützer und Bodyguards, das "Action-Team", alle bis auf McCenzie bereits bei der Anfahrt zur Insel sterben - nachvollziehbar. Dass einer der Reichen ein doppeltes Spiel spielt und sich als Verräter entpuppt - nicht überraschend. Dass der Film ein Happy End hat - logisch.

Und dennoch macht "Soldiers Of Fortune" Spaß. Der Film ist voller spitzer und schwarzhumoriger Dialoge. Die Reichen nehmen sich selbst auf die Schippe, selbst die ach so hoch gehandelte Freiheitsliebe der US-Amerikaner wird verballhornt. Dazu packt Regisseur Maxim Korostyschewski noch jede Menge Action: Es wird geschossen und explodiert, was das Zeug hält. Die Szenerie wirkt dabei wie aus diversen James-Bond-Filmen geklaut und mit "Into The Blue" gekreuzt. Die Schauspieler sind bekannt - und teilweise auch gut (Sean Bean, James Cromwell). Die Musik wartet am Ende standesgemäß mit einem knarzigen Rocksong (Tommy Fields: "Wildfire In The Streets") auf.

Gelungen, kann man da nur sagen. Wem "The Expendables" gefallen hat und wer sich die Zeit bis zum zweiten Teil dieses Action-Spektakels verkürzen will, ist mit "Soldiers Of Fortune" gut bedient.

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Quelle: n-tv.de

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