Musik

Muss man gehört haben Bei David Bowie bleibt alles anders

imago57739857h.jpg

David Bowie, der Mann mit den irritierenden Augen.

(Foto: imago stock&people)

"Nothing has changed" lautet der Titel einer karriereumfassenden CD-Retrospektive, die jetzt erscheint. Welch ironischer Titel: Veränderung als Konstante - kaum ein Künstler versinnbildlicht das so konsequent wie David Bowie.

Wie stotterte Bowie einst in seinem Song "Changes": "Just gonna have to be a different man. Time may change me. But I can't trace time (…) Ch-ch-changes". Den "different man" hatte Bowie früh zum Leitmotiv erklärt. Und es passt zu ihm, diesem mal eben zur großen Bowies gesamte Karriere von 1964 bis heute umfassenden CD-Retrospektive die Luft herauszulassen. Nichts hat sich verändert, behauptet der Mann mit den vielen Identitäten anno 2014 und blickt auf dem Cover in einen Handspiegel. Nothing has changed? Wirklich gar nichts? Von wegen.

Bowie cover.jpg

Ausgerechnet der Mann der ständigen Veränderung nennt sein Werk "Nothing has changed".

60 Songs umfasst die 3-CD-Box und so wie Bowie seine Pop-Evolution im Titel auf den Kopf stellt, folgt auch die Songfolge keiner Chronologie, im Gegenteil. Mit "Sue (Or in a Season of Crime)" steht der neueste Song gleich zu Beginn. Auch hier Ch-ch-change: Nie zuvor hat Bowie sich so mit beiden Beinen aufs Jazz-Fundament gespielt. Ein etwas verquerer Song, monochromatisch und unheimlich wie der dazugehörige Videoclip, aufgenommen mit dem Maria Schneider Orchestra. Die B-Seite, das treibende "Tis a Pity she's a Whore", macht Bowie gleich zur nächsten Single, mit dem Grauen des 1. Weltkrieges thematisch im selben Terrain angesiedelt wie die Einstürzenden Neubauten auf ihrem aktuellen Album "Lament".

Der Anfang am Ende

Ganz am Ende, für jene Die-Hard-Fans von David Bowie sicher einer der interessantesten Tracks der CD-Sammlung, steht der älteste Song des Künstlers. "Lisa Jane" heißt die Mono-Aufnahme aus dem Jahre 1964. Zwischen den beiden äußeren Enden der bisherigen Karriere von David Robert Jones finden sich die Hits, die großen selbstverständlich, wie "Heroes" und "Space Oddity", "Ziggy Stardust" und "Ashes to Ashes". Die legendäre Kollaboration mit Freddie Mercury, "Under Pressure", hat ebenso ihren Platz wie das wunderbar schwebende "This is not America", das Bowie zusammen mit Pat Metheny für den Film "Der Falke und der Schneemann" (1985) geschrieben hatte.

38301584.jpg

David Bowie bei seiner "Reality"-Tour in Manchester im März 2003.

(Foto: picture alliance / dpa)

Dazu zahlreiche Songs, die es zum Zeitpunkt ihres Erscheinens nicht ganz nach vorne ins Licht geschafft haben, aber die Nachbetrachtung ganz besonders lohnen. "New Killer Star" etwa vom Album "Reality" (2003) mit seinem hypnotischem Groove. Den 4/4-Stampfer "Blue Jean" kann man hier ebenso neu entdecken wie das einst fast übersehene "Time Will Crawl", ein 4-minütiges Drama mit dicken (Computer-)Drums, Akustikgitarren und Hardrock-Solo vom 1987er Album "Never let me Down", das der "Rolling Stone" damals als das "lärmendste, schwächste Bowie-Album aller Zeiten" abkanzelte.

Rare Perlen

Und Bowie wäre nicht Bowie, gäbe es neben den großen Hits und den potenziellen Neu- und Wiederentdeckungen nicht auch noch ein paar ganz rare Perlen. "Love Is Lost" etwa, der hochgelobte Remix von James Murphy, der jetzt zum ersten Mal überhaupt auf CD erscheint. Ein ein bisher unveröffentlichter Stereo-Mix von "All the Young Dudes", mit dem Mott the Hoople einst ihren größten Hit landeten, findet sich ebenso. Und auch "Let Me Sleep Beside You", das erstmals 1970 auf dem Album "The World Of David Bowie" veröffentlicht wurde, kommt hier noch einmal zu seinem Recht. Anno 2000 für "Toy" war eine Neuaufnahme entstanden, um mitsamt Album im Orkus zu verschwinden. Bis dato setzte sie im Archiv Staub an, jetzt kommt der Song zurück ans Licht.

Zusammen mit der großen "David Bowie is"-Austellung, die in London und Berlin zu sehen war, und dem gleichnamigen Film, der jetzt in die Kinos kommt, ist die Song-Sammlung also der dritte Baustein der großen Retrospektive des "Thin White Duke" in Bild und Ton. Welche Wünsche da noch offen bleiben? Am dringlichsten wohl jene, die Legende wieder einmal live auf der Bühne zu sehen. Bowie schloss das bislang, vor allem wohl aus gesundheitlichen Gründen nach seinen schweren Herzproblemen Mitte der nuller Jahre, kategorisch aus. Doch wer weiß: Veränderung als Konstante - vielleicht betrifft das auch noch einmal seine Haltung zur Live-Performance. Zu wünschen wäre es.

"Nothing has changed - The Best of David Bowie" bei Amazon bestellen

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema