Bilderserie
Freitag, 18. April 2014

Fassbomben, die vom Himmel fallen: Assads heimtückische Billig-Waffe

Bild 1 von 39
Sie sind billig, stehen reichlich zur Verfügung - und sie kommen im syrischen Bürgerkrieg immer häufiger zum Einsatz: ... (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Sie sind billig, stehen reichlich zur Verfügung - und sie kommen im syrischen Bürgerkrieg immer häufiger zum Einsatz: ...

Sie sind billig, stehen reichlich zur Verfügung - und sie kommen im syrischen Bürgerkrieg immer häufiger zum Einsatz: ...

... Fassbomben, die die syrische Armee wahllos gegen Regimegegner und die Zivilbevölkerung einsetzt.

Schätzungen des Syrischen Nationalrats zufolge starben durch die Bomben in nicht einmal zwei Jahren mehr als 20.000 Menschen.

Die erste Fassbombe explodierte vermutlich im August 2012 in der Nähe von Homs.

Seitdem haben regimetreue Kräfte wohl rund 6000 dieser improvisierten Billig-Sprengkörper abgeworfen.

Die explosiven Behältnisse - alte Gasflaschen, Öltonnen oder ausrangierte Dieseltanks - werden für die Truppen von Präsident Baschar al-Assad zur Waffe der Wahl.

Schließlich kosten sie wenig und sind leicht herzustellen. Im vierten Jahr des syrischen Bürgerkriegs sind das entscheidende Vorteile.

Die Vorräte an konventionellen Militärsprengkörpern gehen offenbar zur Neige: Alles, was man für den Bau einer Fassbombe braucht, sind ein halbwegs stabiles Behältnis aus Blech oder Eisen ...

... sowie Düngerchemikalien, Treibstoff, Eisenschrott und eine Zündvorrichtung. Die Zutaten stammen allesamt aus dem zivilen Sektor und sind selbst im international weitgehend isolierten Syrien recht einfach zu beschaffen.

Verwackelte Videos belegen den Einsatz: Hubschrauber transportieren die Fassbomben ins Zielgebiet. Im Laderaum der Maschine wartet ein Crewmitglied mit Zigarette auf ein Signal aus dem Cockpit, ...

... auf Kommando hält er die Glut an die Zündschnur. Jetzt darf nichts mehr schiefgehen, denn die Bombe ist scharf.

Die Aktion ist auch für die Besatzung des Hubschraubers in höchstem Maße gefährlich. Schließlich liegen hier im Bild im umgebauten Stahlzylinder einer Gasflasche geschätzte 30 Kilogramm zündfähiges Material mit glimmender Lunte.

Die Brutalität des syrischen Bürgerkriegs sprengt alle Maßstäbe. Mit dem Einsatz von Fassbomben bewegen sich die Soldaten nah an der Grenze zum Wahnsinn. Aus der offenen Ladeluke am Heck schicken sie die Höllenfracht in den Abgrund.

Aus großer Höhe taumelt der Sprengkörper in die Tiefe. Unter tosendem Pfeifen rast die Bombe ihrem Einschlagspunkt entgegen.

Wo genau sie aufschlägt, lässt sich aufgrund der großen Abwurfhöhe und der aerodynamisch ungünstigen Form der Bombenhülle auch für die Besatzung des Helikopters nur grob abschätzen.

Hinzu kommt: Der improvisierte Zündungsmechanismus ist schwer zu berechnen. Ist die Zündschnur zu lang, zerschellt der Behälter ohne größere Wirkung am Boden.

Manche Fassbomben explodieren schon in der Luft, ...

... andere gar nicht. Angst und Schrecken verbreiten sie trotzdem. Niemand am Boden kann sich vor ihnen sicher fühlen.

Doch wenn die Fassbomben zünden, dann kann die Mischung aus Düngemittel und Diesel in den dicht bebauten Städten und Dörfern eine verheerende Wirkung entfalten.

Die Druckwelle reicht aus, um sämtliche Fenster des betroffenen Viertels zu zerschmettern.

Im engeren Umkreis des Einschlagspunkts reißt die Wucht des Explosion tiefe Krater und schleudert gewaltige Erdmengen auf. In einzelnen Fassbomben sollen mehr als 1000 Kilogramm Sprengstoff enthalten sein.

Selbst massiver Stahlbeton hält der Gewalt dieser syrischen Blockbuster nicht stand: Die Wunden, die sie in Häuserblocks reißen können, sind furchterregend.

Die Splitterwirkung ist selbst aus großer Distanz noch tödlich: Durch die Explosion werden die Metallteile, mit denen der Sprengstoff durchmischt ist, weit in die Gegend geschleudert.

Wer mit dem Leben davonkommt, muss das Ausmaß physischer Gewalt einer explodierenden Fassbombe verarbeiten. Die psychologische Wirkung des Bombenschocks übersteigt die Sprengkraft um ein Vielfaches.

Da die Fassbomben nicht gezielt abgeworfen werden können, ...

... sind sie für den militärischen Einsatz gegen Punktziele vollkommen ungeeignet. Darum geht es den Befehlshabern offenbar auch gar nicht.

Die Wirkung ist berechnet: Fassbomben sind eine ungemein brutale Waffe gegen Zivilisten, unter denen sie immer wieder zu furchtbaren Verlusten führen.

Das Regime hofft so, die Unterstützung für den Kampf der Aufständischen zu erschüttern.

Besonders deutlich wird die Brutalität der syrischen Kriegsführung jüngst in Aleppo, wie die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet.

Dort soll der Einsatz von Fassbomben innerhalb von wenigen Tagen hunderte Opfer in der Bevölkerung gefordert haben.

Die internationale Gemeinschaft steht dieser Eskalation weitgehend hilflos gegenüber: Die Luftangriffe mit Fassbomben hätten "verheerende Auswirkungen in Wohngebieten", kritisiert UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.

Der Einsatz von Fassbomben steht demnach im Widerspruch zu den Menschenrechten.

Menschenrechtsaktivisten geißeln den massiven Gebrauch der Zufallswaffen über bewohntem Gebiet als Kriegsverbrechen.

Auch US-Außenminister John Kerry kritisiert die Fassbomben scharf: ...

... "Jede einzelne Fassbombe, gefüllt mit Schrappnellen und Sprengstoff, die sich gegen unschuldige Syrer richtet, verdeutlicht die Barbarei des Regimes".

Das Land sei inzwischen in einen "Supermarkt des Terrors" verwandelt worden.

Offiziell leugnet das syrische Regime den Gebrauch der Bomben.

Doch zahlreiche Fotos und Videos zeigen: Es gibt diese Bomben, und sie werden in großen Mengen aus Hubschraubern der Assad-treuen Truppen abgeworfen - aus einer Höhe, in der sie für Luftabwehrwaffen kaum zu erreichen sind.

Die Lufthoheit über Syrien liegt beim Regime. Die Aufständischen verfügen über keine flugfähigen Hubschrauber. Ein Ende des Terrors aus der Luft ist nicht in Sicht.

weitere Bilderserien