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Freitag, 17. April 2009

Tödlicher Zaun: Die Grenze zwischen den USA und Mexiko

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Sonnenuntergang nahe Tijuana, einem Grenzort zwischen Mexiko und den USA.

Sonnenuntergang nahe Tijuana, einem Grenzort zwischen Mexiko und den USA.

Sonnenuntergang nahe Tijuana, einem Grenzort zwischen Mexiko und den USA.

Das idyllische Bild täuscht:

Drogenbanden werfen hier regelmäßig ihre Opfer vor den Zaun - als Warnung an alle, die auspacken.

Auf der anderen Seite des Grenzzauns liegt San Diego.

Der 13-jährige Alfonso schaut sehnsüchtig durch den Grenzzaun nach San Diego. Wie viele Mexikaner will er eines Tages in den USA leben.

Gewalt und Chaos, ...

... Menschenhandel, ...

... Drogen- und Waffengeschäfte - ...

... Zustände - wie hier in Tijuana - gehören längst ...

... auch an anderen Stellen der Grenze zwischen Mexiko und den USA ...

... zur traurigen Realität.

Die mexikanische Grenzstadt Ciudad Juárez gilt seit Jahren als Niemandsland.

Wegen der steigenden Gewalt hat die Regierung Mexikos Anfang 2009 Tausende Soldaten nach Ciudad Juárez geschickt.

Sie sollten die Drogenkartelle bekämpfen und die Sicherheit in der Stadt wiederherstellen.

Doch der Effekt war genau das Gegenteil: Durch den Stich ins Wespennest hat die Anzahl der Morde im Zusammenhang mit dem Drogenhandel sogar noch zugenommen.

Drei Kartelle schießen derzeit um die Alleinherrschaft, hier im amerikanisch-mexikanischen Grenzkaff: Das Juárez-Kartell, das Sinaloa-Kartell und das Golf-Kartell.

Es vergeht fast kein Tag, an dem die Banden keine neuen Todesopfer fordern.

Drogenkrieg und Menschenhandel haben Anarchie gesät.

Die Regierungen in Washington und Mexiko-Stadt haben die Kontrolle verloren. Jahrelang beschuldigten sie einander gegenseitig, für die Rechtlosigkeit verantwortlich zu sein.

Das Pentagon verglich Mexiko kürzlich gar mit Staaten wie Pakistan oder Afghanistan.

US-Außenministerin Clinton hat bei ihrem letzten Besuch in Mexiko erstmals eine Mitschuld eingeräumt:

"Unsere unersättliche Nachfrage nach Drogen nährt den Drogenhandel. Unsere Unfähigkeit, den Waffenschmuggel über die Grenze zu unterbinden, führt zum Tod von Polizisten, Soldaten und Zivilisten."

Das Symbol amerikanischer Hilflosigkeit ist gerade fertig geworden, ein 1000 Kilometer langer Hochsicherheits-Zaun ...

... entlang der 3100 Kilometer langen Grenze.

Der Zaun markiert die Front.

Entlang des Abschottungswalls zwischen Erster und Dritter Welt haben 2008 mehr als 6300 Menschen ihr Leben im Drogenkrieg verloren, ?

? in Ciudad Juárez waren es allein 1600.

Auf der US-Seite der Grenze, im Bundesstaat Arizona, steigt die Furcht.

Justiz und Regierung registrieren schockiert einen Anstieg haarsträubender Gewalttaten.

Durch spektakuläre Morde demonstrieren die Kartelle ihre Macht, Leichen werden als Mahnung irgendwo abgeladen.

Unlängst wurde nahe Juárez ein ermordeter Mann mit Folterspuren gefunden, der mumienähnlich in Klebeband eingewickelt war.

Seit Mexikos Präsident Felipe Calderón Ende 2006 den Drogenkartellen militärisch den Kampf ansagte und zehntausende Soldaten für die Aufgabe abkommandierte, ist die Gewalt eskaliert.

Zu lange, kritisieren Experten, habe die US-Regierung den Drogenkrieg als rein mexikanisches Problem betrachtet.

US-Präsident Obama will nun das Problem angehen. Im Kampf gegen die mächtigen Drogenkartelle versprach ...

... die US-Regierung, den mexikanischen Behörden mit 1,4 Milliarden Dollar zur Seite zu stehen.

Sogar Kampfhubschrauber vom Typ Blackhawk sollen an den Nachbarn geliefert werden.

Denn die Grenze lässt sich nicht lückenlos kontrollieren, die Gewalt hat die USA erreicht.

Genährt wird der Krieg am Rio Grande von Gestrandeten aus ganz Mexiko.

2008 haben US-Grenzer rund 4500 Flüchtlinge aus dem Süden geschnappt, die den Zaun überwinden wollten, um im Norden eine bessere Zukunft zu suchen.

Um zu überleben, wurden sie schnell Klienten und Killer der Kartelle.

Mexikanische Kartelle schmuggeln allein in die USA jährlich Drogen im Wert von etwa 40 Milliarden Dollar.

Gehandelt wird hauptsächlich mit Kokain, aber auch mit Marihuana und Amphetaminen.

60 Prozent der Erwachsenen sind nach Erhebungen des Gesundheitsamts von Juárez Kokainkonsumenten.

Ein Drittel der bis zu drei Millionen Einwohner hier soll vom Drogengeschäft leben. Dealen ist ihre einzige Überlebenschance.

Die Grenze zwischen Mexiko und den USA: "Hier herrscht Krieg, und zwar jeden Tag", erzählt ein Reporter.

90 Prozent des Kokains, das aus Lateinamerika in die USA geschleust wird, geht in Juárez über die Grenze.

Im Gegenzug schaffen Waffenhändler nach Angaben von Mexikos US-Botschafter jeden Tag 2000 Waffen aus Arizona oder Texas nach Mexiko.

Ein Bericht der US-Armee warnte im November 2008 vor dem Zusammenbruch des mexikanischen Staates. Weltweit sei die Lage nur in Pakistan weniger stabil.

Mit etwa zwei Millionen Einwohnern ist Ciudad Juárez eine riesige Konzentration von Billigarbeitskräften, die in den "maquilas", Fabriken internationaler Konzerne, arbeiten.

In den "maquilas" wird Ware angefertigt, die anschließend über die nahegelegene Grenze in die USA exportiert wird.

Die Grenzstadt ist ein "Spiegel" dieser speziellen Arbeitssituation:

Gesetzlos und desolat, ein Drogenumschlagsplatz, ein Gewimmel von Schmugglern, Schleppern und Prostitution.

Die politisch Verantwortlichen bieten ihren Einwohnern kaum menschenwürdige Lebensumstände. Es gibt weder eine kommunale Wasserversorgung noch ein Abwassersystem.

Die Straßen haben keine Gehwege und erst recht keine Straßenbeleuchtung.

Kindergärten gibt es kaum, was vor allem alleinerziehende Mütter vor große Probleme stellt.

Käufliche Liebe ist in Ciudad Juárez dagegen kein Problem. Die Preise in den Etablissements aber sind so verdorben wie der ganze Ort.

Für 30 Dollar kann man Sex haben. Viele Prostituierte haben Geschlechtskrankheiten.

In den letzten Jahren gelangte die nordmexikanische Metropole nicht nur wegen des Drogenkriegs, ...

... sondern vor allem wegen der Frauenmorde zu trauriger Berühmtheit.

Laut Amnesty International wurden in den letzten Jahren Hunderte Frauen ermordet. Über 600 Mädchen gelten als vermisst.

Die meisten getöteten Frauen waren zuvor sexuell missbraucht worden.

Die Opfer waren zum Zeitpunkt ihres Todes zwischen 13 und 25 Jahren alt. (alle Bilder: dpa, AP, Reuters)

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