Panorama

Zu viele Probleme beim Töten Alabama setzt Hinrichtungen vorerst aus

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Alabama nutzt die Giftspritze, um Todeskandidaten hinzurichten.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

In Alabama müssen die Strafvollzugsbehörden bei fast jeder Hinrichtung in den letzten Monaten Komplikationen einräumen. Gouverneurin Ivey zieht deshalb die Notbremse. Für die Probleme macht sie allerdings nicht fehlerhafte Praktiken verantwortlich, sondern die Todeskandidaten selbst.

Die Gouverneurin von Alabama, Kay Ivey, hat alle Hinrichtungen in dem US-Bundesstaat suspendiert, nachdem es bei der Vollstreckung der Todesstrafe zuletzt mehrfach Probleme gegeben hatte. Die 78-jährige Republikanerin verlangt außerdem, dass die Strafvollzugsbehörde ihres Bundesstaats Ablauf und Praxis der Giftspritze vollständig untersucht, um weitere Fehler zu vermeiden. "Die Familien der Opfer erwarten Gerechtigkeit und, dass sie mit dem Verlust abschließen können", begründete Ivey ihre Entscheidung. "Das ist mit gutem Gewissen nur dann möglich, wenn wir garantieren können, dass die Strafe umgesetzt wird."

In den USA sind seit Jahresbeginn 16 Menschen hingerichtet worden, zuletzt in der vergangenen Woche drei Männer in den Bundesstaaten Arizona, Oklahoma und Texas. Eine weitere geplante Hinrichtung in Alabama wurde dagegen in letzter Minute abgesagt. Wegen juristischer Auseinandersetzungen durch mehrere Instanzen blieb letztlich keine Zeit, den um Mitternacht auslaufenden Hinrichtungsbefehl gegen Kenneth Smith umzusetzen. Er ist wegen eines Auftragsmordes im Jahr 1988 zum Tode verurteilt worden.

Der Fall Smith war das zweite Mal in den vergangenen beiden Monaten, dass die Strafvollzugsbehörde von Alabama eine Hinrichtung kurzfristig absagen mussten. Im September blieb auch Todeskandidat Alan Eugene Miller kurzfristig von der Giftspritze verschont, nachdem klar war, dass das zuständige Personal den vorgeschriebenen Ablauf der Hinrichtung nicht in der vorgegebenen Zeit würde einhalten können.

"Ein ganz normaler Vorgang"

Probleme gab es in Alabama auch bei der letzten erfolgreich umgesetzten Todesstrafe: Im Juli benötigte das zuständige Personal drei Stunden, ehe es eine passende Vene für die Hinrichtung von Joe Nathan James fand. "Ein ganz normaler Vorgang", erklärte anschließend ein Gefängnisvertreter. Der 49-jährige James hatte 1994 seine Ex-Freundin ermordet.

Gouverneurin Ivey macht die Strafvollzugsbehörden und die Justiz von Alabama in ihrem Statement nicht für die Probleme verantwortlich. Sie beschuldigt stattdessen die Insassen, mit juristischen Tricks zu arbeiten: "Kriminelle nutzen Lücken im System aus", sagte die 78-Jährige.

Gegner der Todesstrafe in den USA loben die Entscheidung von Ivey, die Todesstrafe in Alabama vorerst auszusetzen. Gleichzeitig kritisieren sie, dass die Strafvollzugsbehörden Vorgehen und Ablauf selbst untersuchen sollen. "Die Behörden haben ihr Versagen in der Vergangenheit immer wieder vertuscht", heißt es. "Es ist ausgeschlossen, dass sie ihre eigene Inkompetenz und ihr eigenes Fehlverhalten aufdecken."

Quelle: ntv.de, chr

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