Panorama

Warnung vor Spendenaktionen Amt schließt "Querdenker"-Familienzentrum

248987819.jpg

Ein Transporter in Polizeifarben mit der Aufschrift "Friedensfahrzeug" im Katastrophengebiet.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Not in Ahrweiler ist nach der Flutkatastrophe groß und die Opfer sind für jede Hilfe dankbar. Doch auch fragwürdige "Helfer" versuchen das Unglück für ihre Zwecke zu instrumentalisieren - wie in einem angeblichen Familienzentrum, das offenbar von "Querdenkern" betrieben wird. Das Jugendamt schreitet nun ein.

Das rheinland-pfälzische Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung hat ein offenbar von Anhängern der "Querdenker"-Bewegung betriebenes Familienzentrum im vom Hochwasser betroffenen Bad Neuenahr-Ahrweiler verboten. "Zur Vermeidung einer im Raum stehenden Kindeswohlgefährdung" sei das "Angebot durch den Verein Initiative 'Eltern stehen auf e. V.' ab sofort zu unterbinden", sagte Landesamt-Präsident Detlef Placzek.

Das Landesamt nehme die "schlechten Bedingungen" wahr, unter denen Kinder ab drei Jahren in diesem Zentrum in einer Grundschule betreut würden, erklärte er. So gebe es weder Strom noch Wasser. Zudem befinde sich öliger Schlamm auf den Fluren. Grund für die Schließung sei insbesondere die Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Zudem seien die Kinder ohne Erlaubnis dort betreut worden.

Der Verein "Eltern stehen auf" spricht sich gegen die Corona-Maßnahmen aus. Er warnt auf seiner Homepage vor der Impfung gegen das Virus und spricht von einem "medizinischen Experiment", vor dem Kinder geschützt werden sollen.

Der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Konstantin von Notz, bezeichnete das Auftreten von "Querdenker"-Anhängern im Katastrophengebiet als "schamlos". "Querdenker", "Reichsbürger" und andere Rechtsextremisten versuchten vor dem Leid der Menschen "ihren persönlichen Tag X zu zelebrieren", sagte von Notz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Eine bewusste Schwächung staatlicher Infrastrukturen sei kontraproduktiv und unter Umständen strafbar. Er forderte ein entschiedenes Durchgreifen der Sicherheitsbehörden.

"Querdenker" verbreiten Falschmeldungen

Zudem warnt das Bundesinnenministerium vor Spendenaktionen aus der sogenannten "Querdenker"-Szene für die Opfer der schweren Unwetter im Westen Deutschlands. "Es wird dazu geraten, ein breites Informationsangebot zu nutzen, um sich über Möglichkeiten zur wirksamen Hilfeleistung zu informieren, und sich ausschließlich an Spendenaktionen zu beteiligen, die von offiziellen Hilfsorganisationen organisiert werden", zitierte die "Welt" das Ressort von Horst Seehofer.

Dem Ministerium seien Behauptungen aus der Szene bekannt, dass Bundeswehr und Technisches Hilfswerk (THW) nicht ausreichend in den Krisenregionen vor Ort seien oder die Hilfen nur mangelhaft koordinieren würden, berichtet die Zeitung weiter. Meist seien diese Behauptungen mit Aufrufen zur Hilfeleistung und finanziellen Unterstützung durch einzelne Protagonisten der "Querdenker"-Szene verbunden. "Diese werden vorrangig über soziale Medien verbreitet und zielen insbesondere darauf ab, das Vertrauen in die staatlichen Maßnahmen und Strukturen zu beschädigen", erklärte das Ministerium dem Zeitungsbericht zufolge.

Insgesamt waren in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz in den vergangenen Tagen mindestens 175 Menschen ums Leben gekommen, viele Gebäude, Straßen und Bahnstrecken wurden zerstört. Seitdem sammeln viele Hilfsorganisationen wie auch die "Stiftung RTL - Wir helfen Kindern e. V." Spenden für die betroffenen Gebiete. Wenn Sie helfen wollen, können Sie eine SMS mit dem Stichwort "UNWETTER" an die 44844 senden (10 Euro/SMS, ggf. plus Transportkosten). Oder spenden Sie hier über ein Online-Formular mit dem Kennwort "UNWETTER" im Freitextfeld.

Quelle: ntv.de, hny/AFP

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.