Panorama

Vier Jets im Anflug auf die USA Anrufer löst Terroralarm aus

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Ungewohnter Anblick für Passagiere: Kampfjets vom Typ F-15 geleiteten die Ait-France-Maschine zum New Yorker Großflughafen JFK.

(Foto: REUTERS)

Aufregung im Flugverkehr über dem Atlantik: Per Telefonanruf versetzt ein Unbekannter die Behörden in Alarmstimmung. Mindestens vier Passagierjets sind betroffen, Kampfjets steigen auf. Das FBI hegt einen beunruhigenden Verdacht.

Ein unbekannter Anrufer hat zu Wochenbeginn mit anonymen Drohungen gegen mindestens vier Passagierflugzeuge auf der Transatlantikroute Richtung USA für Aufregung gesorgt. Die betroffenen Maschinen wurden umgeleitet und nach der Landung an New Yorker Flughäfen sowie am Flughafen Newark im Bundesstaat New Jersey durchsucht.

Dabei wurden nach Angaben der Polizei weder Sprengsätze noch andere gefährliche Substanzen gefunden. Wie die Bundespolizei FBI weiter mitteilte, hatte in allen Fällen offenkundig ein und derselbe Mann angerufen. Da die Anrufe allesamt Flugverbindungen am "Memorial Day" betrafen, stand eine symbolische Tat im Zusammenhang mit dem öffentlichen Gedenken an die Kriegstoten der Vereinigten Staaten zu befürchten.

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Kein Tag wie jeder andere: Am Memorial Day ist das ganze Land auf den Beinen um auf den Friedhöfen und bei Paraden die Kriegsopfer, das Militär und die Veteranen zu ehren.

(Foto: REUTERS)

Die Hinweise auf vier betroffene Maschinen dürfte in den USA zudem lebhafte Erinnerungen an die Anschläge vom 11. September 2001 geweckt haben. Damals waren insgesamt vier Passagierflugzeuge entführt worden, um sie als fliegende Bomben gegen die beiden Türme des New Yorker World Trade Centers, das Pentagon und wohl ein weiteres Anschlagsziel in der US-Hauptstadt zu lenken. Dabei gab es allerdings keinerlei telefonische Vorwarnung.

Festgelegte Sicherheitsmaßnahmen

Vor diesem Hintergrund wirkt die starke Reaktion der US-Sicherheitsbehörden auf die Drohanrufe zumindest nachvollziehbar: In einem Fall seien sogar US-Kampfjets aufgestiegen, um eine aus Paris kommende Maschine der Air France nach New York zu eskortieren, hieß es.

Die französische Fluggesellschaft war allerdings nicht alleine betroffen: Weitere Drohungen gingen gegen einen Flug der US-Fluggesellschaft Delta Air Lines von Paris nach Boston und eine Maschine der ebenfalls amerikanischen United Airlines auf dem Weg von Madrid nach Newark ein. Warum nur der Air-France-Flieger von Militärjets eskortiert wurde, blieb unklar.

Reaktionstest von Terroristen?

Unbestätigten Berichten zufolge soll es sogar Drohungen gegen bis zu zehn Flüge gegeben haben. Diesen Umfang wollten die Behörden allerdings zunächst nicht bestätigen. Anti-Terrorexperten wollen den Vorfall jedoch keinesfalls einfach auf sich beruhen lassen. Offenbar gibt es einen beunruhigenden Verdacht: Nach Angaben des Senders CNN soll überprüft werden, ob hinter den anonymen Anrufen eventuell ein Versuch von Islamisten stecken könnte, die Reaktion der USA auf derartige Drohungen zu testen. Denkbar wäre allerdings auch ein verwirrter Einzeltäter.

Unklar blieb zunächst, ob die Sicherheitsbehörden die Anrufe zurückverfolgen konnten. Falls der oder die Täter gefasst werden, dürfte zumindest eine Anklage wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Flugverkehr die Folge sein. An dem Terroralarm waren US-Medienberichten zufolge neben den Anti-Terroreinheiten der betroffenen Flughäfen auch zwei Kampfjets der US-Luftwaffe vom Typ F-15 beteiligt. Koordiniert wurden die Maßnahmen vom US-Kommandozentrum für Luftabwehr im Bereich Nordamerika, Norad.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa