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Jogger in Georgia getötet Drei Weiße wegen Mord an Afroamerikaner verurteilt

Eine Videoaufnahme zeigt Ahmaud Arbery, wie er nach einem Schuss stolpert und zu Boden fällt. Neben ihm steht der Todesschütze Travis McMichael mit einer Waffe.

Eine Videoaufnahme zeigt Ahmaud Arbery, wie er nach einem Schuss stolpert und zu Boden fällt. Neben ihm steht der Todesschütze Travis McMichael mit einer Waffe.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

2020 wird ein schwarzer Jogger von drei weißen Männern mit einem Wagen verfolgt, bedroht und dann mit zwei Schüssen durch Travis McMichael getötet. Der Fall hatte für Aufruhr gesorgt, weil erst ein Video von der Tat für eine Strafverfolgung gesorgt hat. Nun wurden alle drei Täter verurteilt.

Mehr als eineinhalb Jahre nach der Tötung des schwarzen Joggers Ahmaud Arbery im US-Bundesstaat Georgia sind die drei weißen Täter in den meisten Anklagepunkten schuldig gesprochen worden. Der Angeklagte Travis McMichael, der auf Arbery geschossen hatte, wurde von den Geschworenen des Mordes für schuldig befunden. Das Urteil wurde vor Gericht im Ort Brunswick verlesen. Die beiden Mitangeklagten, der Vater des Schützen, Gregory McMichael, und ihr Nachbar William Bryan, die an der Verfolgung Arberys beteiligt waren, wurden jeweils unter anderem wegen schwerer Körperverletzung und Totschlagsdelikten schuldig befunden.

Das Strafmaß für die Angeklagten wird zu einem späteren Zeitpunkt festgelegt. Ihnen könnte lebenslange Haft drohen. Der 25-jährige Ahmaud Arbery war am 23. Februar 2020 beim Joggen in einem Vorort der Stadt Brunswick erschossen worden. Den Ermittlern zufolge hatten sie Arbery zunächst mit ihrem Fahrzeug verfolgt und dann mit Schusswaffen bedroht. Dem Autopsiebericht zufolge wurde er von zwei Schüssen aus nächster Nähe in die Brust getroffen.

Arberys Mutter Wanda Cooper-Jones begrüßte das Urteil vor dem Gerichtsgebäude. In Bezug auf ihren Sohn sagte sie: "Er wird jetzt in Frieden ruhen." Anwalt Ben Crump sagte, das Urteil markiere für die USA einen Triumph der Gerechtigkeit. Obwohl nur einer der Angeklagten die tödlichen Schüsse abgab, wurde auch den beiden anderen wegen Mordes an Arbery der Prozess gemacht - aufgrund ihrer Beteiligung an der Tat. Die Staatsanwaltschaft argumentierte, das Handeln aller drei Männer habe zu Arberys Tod geführt.

Die Angeklagten hatten auf nicht schuldig plädiert. Der Vater Gregory McMichael wurde von den Geschworenen in acht Anklagepunkten für schuldig befunden, der Nachbar William Bryan in sechs Anklagepunkten. Der Prozess war diese Woche zu Ende gegangen, die Geschworenen hatten seit Dienstag über das Urteil beraten.

Männer hielten Arbery angeblich für Einbrecher

Die drei Männer hatten den Jogger nach eigenen Angaben für einen Einbrecher gehalten und beriefen sich auf ein damals in Georgia geltendes Gesetz, das Bürgern die Festnahme von Verdächtigen erlaubte. Das von Bryan aufgenommene Video zeigt, wie die mit einem Gewehr und einem Revolver bewaffneten McMichaels dem rennenden Arbery mit ihrem Pickup den Weg versperren. Es kommt zu einer Auseinandersetzung zwischen Travis McMichael und Arbery, dann sind mehrere Schüsse zu hören und der Schwarze bricht zusammen.Travis McMichael beteuerte später vor Gericht, er habe in Selbstverteidigung gehandelt, weil Arbery ihn angegriffen habe.

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Der Fall war politisch aufgeladen: Arberys Tod führte - zusammen insbesondere mit dem Tod von George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis - zu den landesweiten Anti-Rassismus-Protesten, die die USA im Sommer 2020 in Atem hielten. Für Empörung sorgte, dass die Justiz erst gegen die weißen Männer aktiv wurde, als das Video von dem Vorfall Monate später publik wurde.

Zuletzt gab es dann Kritik daran, dass in der zwölfköpfigen Jury nur ein schwarzer Geschworener saß. Zusätzlich zu dem strafrechtlichen Verfahren in Georgia sind die Männer auch noch wegen des mutmaßlich rassistischen Hintergrunds der Tat nach Bundesrecht angeklagt. Die Tat werde als "Hassverbrechen" eingestuft, erklärte das Justizministerium im vergangenen April.

Quelle: ntv.de, ysc/dpa/AFP

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