Panorama

Ein ganzes Land als Modellregion Hans verteidigt Öffnungspläne fürs Saarland

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Zuletzt lag die sieben-Tage-Inzidenz im Saarland bei 66,1, Tendenz steigend.

(Foto: dpa)

Das Saarland will trotz steigender Zahlen von Neuinfizierten nach Ostern vorsichtig öffnen. Der Marburger Bund hält wenig von dieser Idee. Und das angrenzende Frankreich könnte noch heute zum Hochinzidenzgebiet erklärt werden. Die Folgen für den Grenzverkehr sind noch offen.

Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans hat die vielfach kritisierten Öffnungspläne für sein Bundesland nach Ostern verteidigt. In den ARD-"Tagesthemen" betonte er, dass die Lockerungen Anreize für Corona-Tests sein sollen, mit denen Infizierte schnell entdeckt werden könnten. Das an das Bundesland angrenzende Frankreich könnte laut  Kanzlerin Angela Merkel heute als Corona-Hochinzidenzgebiet eingestuft werden.

Hans sagte zu den Öffnungsplänen im Saarland, Ziel sei es, einen Anreiz für einen Corona-Test zu bieten, "nämlich vielleicht einmal ein Eis essen zu gehen auf einem Marktplatz oder Sport zu machen im Verein mit wenigen Personen". Mit besonders vielen Tests sollten dann infizierte Menschen entdeckt, in Quarantäne gebracht und so neue Ansteckungen vermieden werden.

Vom 6. April an - dem Dienstag nach den Feiertagen - sollen im Saarland Kinos, Fitnessstudios und die Außengastronomie wieder öffnen. Voraussetzung sei ein tagesaktueller negativer Schnelltest. Beim Ärzteverband Marburger Bund stößt das Konzept auf Skepsis:  "Versuche in Modellregionen können in dieser Situation keine Alternative zum Lockdown sein", kritisiert die Vorsitzende Susanne Johna, in der "Rheinischen Post". Die dritte Welle sei bereits im vollen Gange. "Ich sehe es kritisch, wenn mit dem Saarland ein zwar kleines, aber doch ganzes Bundesland einen Modellversuch durchführen will."

 

Frage nach Evaluation der Modellversuche

Auch wenn die Inzidenz im Saarland noch relativ niedrig sei, bleibe völlig unklar, wie verhindert werden solle, dass viele Menschen aus anderen Bundesländern wegen der Öffnungen einreisen, sagte die Verbandschefin. "Wo immer es Modellversuche geben wird, brauchen wir eine enge Überprüfung der Ergebnisse", mahnte Johna. Es müsse "vorher eindeutig geklärt sein, was positiv getestete Menschen tun müssen". Und die Kommunen, die sich als Modellregion beteiligen, müssten "die Einhaltung der Quarantäne von positiv Getesteten auch überprüfen".

In Nordrhein-Westfalen soll laut einem Zeitungsbericht Köln bei einem Modellversuch des Landes zur sicheren Öffnung von Einzelhandel, Gastronomie und Veranstaltungsstätten eine zentrale Rolle spielen. Am Beispiel der größten Stadt in NRW solle erprobt werden, wie die Maßnahmen in einer Metropole greifen, berichtet der "Kölner Stadt-Anzeiger".

Unterdessen könnte das ans Saarland grenzende Frankreich schon heute wieder zum Hochinzidenzgebiet erklärt werden. Das kündigte Kanzlerin Merkel bei der Pressekonferenz nach dem digitalen EU-Gipfel an, wo sie nach einer Neubewertung des Nachbarlands gefragt worden war. Der europäische Teil Frankreichs als Ganzes ist bereits als Risikogebiet eingestuft. Die grenznahe Region Moselle gilt als Virusvariantengebiet mit schärferen Regeln, weil dort vermehrt Mutanten des Virus kursieren. Hochinzidenzgebiete sind Regionen mit besonders hohen Coronavirus-Fallzahlen. Voraussetzung für die Einstufung ist unter anderem, dass es dort in den vergangenen sieben Tagen mehr als 200 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gab. Eine Einstufung bedeute aber nicht, dass es auch um Grenzkontrollen gehe, betonte Merkel.

Quelle: ntv.de, ino/dpa

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