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Auf der Suche nach Futter Hungriger Eisbär streift durch russische Stadt

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"Er konnte kaum die Augen offen halten", sagt eine Augenzeugin.

(Foto: dpa)

Mit dem Schmelzen des arktischen Eises verlieren Eisbären ihren natürlichen Lebensraum - und ihre Nahrungsquelle. Ein ausgemergelter Eisbär legt deshalb Hunderte Kilometer bis in eine sibirische Stadt zurück. Auf der Suche nach Futter durchwühlt er dort eine Müllkippe.

Ein Eisbär auf Nahrungssuche ist in Sibirien in besiedeltes Gebiet vorgedrungen und sorgt nun in einer russischen Stadt für Aufregung. Bilder zeigen, wie das Tier in Norilsk unbeeindruckt von Autos die Straße überquert und keine Scheu vor Menschen hat. Es ist das erste Mal seit 40 Jahren, dass ein Eisbär in der Kleinstadt rund 2800 Kilometer nordöstlich von Moskau gesichtet wurde.

"Ein einzigartiger und seltener Fall", sagte Anatoli Nikolaitschuk von der lokalen Jagdbehörde der Agentur Tass zufolge. "Ich würde nicht sagen, dass der Bär sehr erschöpft war." Augenzeugen, die aus sicherer Entfernung Fotos und Videos von dem Tier machten, berichteten jedoch, dass der Bär sehr ausgehungert ausgesehen habe. "Er kann kaum blinzeln oder die Augen offen halten, ist beinahe unfähig zu laufen", sagte Fotografin Irina Yarinskaya von der Zeitung "Zapolyarnaya Pravda". "Er lag lange auf dem Boden und hat sich ausgeruht, dann hat er die Straße überquert." Schließlich habe der Bär auf einer Müllkippe nach Nahrung gesucht.

Experten schätzen, dass das Tier Hunderte Kilometer vom Nordpolarmeer zurückgelegt hat - Norilsk befindet sich etwa 500 Kilometer von der Küste entfernt. Einheimische gehen laut der "Siberian Times" sogar davon aus, dass der Bär die rund 1500 Kilometer von der Taymyr-Halbinsel nach Norilsk lief.

Die Behörden warnten davor, sich dem etwa ein Jahr alten und rund 200 Kilogramm schweren Bären zu nähern. Der letzte Eisbär, der sich 1977 in die Stadt verirrt hatte, musste wegen seines aggressiven Verhaltens erschossen werden. Dieses Schicksal blieb dem nun aufgetauchten Tier erspart: Nachdem es mehrere Tage durch die Stadt irrte, wurde es von Fachkräften eingefangen und untersucht. Weil sein Gesundheitszustand nicht zulässt, es wieder auszuwildern, soll es im Zoo von Krasnojarsk aufgepäppelt werden.

Erst Anfang des Jahres waren 50 Eisbären auf der russischen Inselgruppe Nowaja Semlja im Polarmeer in eine Siedlung eingedrungen. Als Grund nannten Wissenschaftler, dass die Robbenjagd für die Eisbären durch den Klimawandel schwerer geworden sei. Weil das arktische Eis schmilzt, wandern die Tiere zunehmend nach Süden, um an Land nach Nahrung zu suchen. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) führt Eisbären als gefährdete Art.

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Quelle: n-tv.de, ftü/dpa

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