Panorama

Springer geht in Berufung Kachelmann bekommt Schmerzensgeld

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Der Springer-Verlag und die "Bild"-Zeitung müssen wegen ehrverletzender Berichterstattung über den Vergewaltigungsprozess gegen Jörg Kachelmann Schmerzensgeld an ihn zahlen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mehr als zwei Millionen Euro forderte der Wettermoderator Jörg Kachelmann vom Springer-Verlag. Das Landgericht Köln spricht ihm 635.000 Euro zu. Der Verlag geht in Berufung. Beide Seiten sehen sich als Sieger.

Der Moderator und Meteorologe Jörg Kachelmann hat einen Rechtsstreit mit der "Bild"-Zeitung gewonnen. Kachelmann hatte den Springer-Verlag wegen aus seiner Sicht ehrverletzender Berichterstattung über den Vergewaltigungsprozess gegen ihn verklagt.

Das Landgericht Köln sprach Kachelmann insgesamt 635.000 Euro Schmerzensgeld zu. Gefordert hatte er 2,25 Millionen Euro. Der Springer-Verlag hob in einer Stellungnahme hervor, dass Kachelmann zudem einen Großteil der bisherigen Gerichts- und Anwaltskosten tragen müsse. Zudem werde das Unternehmen in Berufung gehen.

17.000 Euro pro Fall

Die Richter urteilten, dass die "Bild"-Zeitung sowie deren Online-Portal und die "Bild am Sonntag" durch die Preisgabe von Informationen über sein Sexualleben Kachelmanns Intimsphäre verletzt hätten. Die Kammer sei deutlich hinter der Millionenforderung zurückgeblieben, weil sie bei einigen Artikeln "kein unabwendbares Bedürfnis einer Geldentschädigung erkennen konnte". Zum anderen folgte sie nicht Kachelmanns Argumentation, Springer und andere Verlage hätten eine "gezielte Kampagne" gegen ihn geführt. Wechselseitiges Zitieren, so die Richter, stelle kein ausreichendes Indiz dar.

Insgesamt ging es dem Urteil zufolge um 38 Fälle von Persönlichkeitsverletzungen. Auf den einzelnen Fall umgerechnet würde Kachelmann, sofern das Urteil rechtskräftig würde, knapp 17.000 Euro bekommen. Kachelmann war Ende Mai 2011 in Mannheim vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen worden.

Kachelmann schrieb nach der Gerichtsentscheidung auf Twitter, die Schmerzensgeldhöhe belaufe sich einschließlich der Zinsen auf insgesamt rund 800.000 Euro. Allerdings gilt auch die Summe von 635.000 Euro als die bisher höchste in einem solchen Verfahren. "Herr Kachelmann musste die schlimmste Hetzkampagne der deutschen Presserechtsgeschichte über sich ergehen lassen", sagte sein Anwalt Ralf Höcker. "Sein Ruf wurde durch 'Bild' & Co. vollständig ruiniert. Dieses Urteil ist die Quittung. Es wird hoffentlich abschreckende Wirkung auf den Boulevard haben."

Die Axel Springer SE verwies hingegen darauf, dass das Gericht den Kampagnenvorwurf gerade nicht bestätigt habe. Claas-Hendrik Soehring, Leiter der Abteilung Medienrecht der Axel Springer SE, kündigte an: "Wir werden auf jeden Fall in Berufung gehen. Denn es liegt weder im Interesse einer freien Presse noch der Öffentlichkeit, dass Medien irrwitzige Geldentschädigungen zahlen müssen, wenn sie über aufsehenerregende Strafprozesse gegen bekannte Persönlichkeiten berichten."

Quelle: ntv.de, AFP/dpa