Panorama

Expertenrunde bei Erhard-Gipfel Lauterbach: "Ende Mai viele Regionen unter 50"

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Impfdrängelei bezeichnete Lauterbach als "unfair" und "unsolidarisch".

(Foto: imago images/Political-Moments)

Die dritte Welle scheint gebrochen, SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach bekräftigt beim Ludwig-Erhard-Gipfel seine optimistische Prognose für den Sommer. Auch Weltärzte-Vorstandschef Montgomery glaubt an "einen etwas freieren Sommer", erinnert aber an die katastrophale Lage in anderen Teilen der Welt.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat beim Ludwig-Erhard-Gipfel in München seine positive Erwartung an die kommenden Monate bekräftigt. "Es wird ein guter Sommer werden", sagte Lauterbach mit Blick auf die Entwicklung der Corona-Neuinfektionen. Die Prognosen seien eingetreten. Auch wenn man den Tag nicht vor dem Abend loben dürfe, gehe die deutliche Zunahme der Impfgeschwindigkeit mit einem leicht exponentiellen Sinken der Fallzahlen einher. Er gehe davon aus, dass Ende Mai viele Regionen eine Sieben-Tage-Inzidenz von unter 50 haben könnten.

Lauterbach erinnerte jedoch noch mal an die hohen Opferzahlen: "Wir dürfen nicht diejenigen vergessen, die wir durch Covid verloren haben." Impfdrängelei verurteilte Lauterbach als "unfair" und "unsolidarisch". "Das darf nicht passieren." Er führte aus: "Dass es Menschen gibt, die jetzt drängeln, weil sie Party oder Urlaub machen wollen, ist schon ein Problem."

Der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, schloss sich der optimistischen Einschätzung Lauterbachs an, "dass wir wieder einen etwas freieren Sommer erleben werden". Die Zauberformel laute: Impfen, impfen, impfen. Der Verbandschef erinnerte jedoch an die globalen Auswirkungen der Krise. Man dürfe nicht die Probleme vergessen, gegen die etwa Indien und Brasilien kämpften. "Da sterben die Menschen wie die Fliegen, das ist momentan das Hauptproblem."

Montgomery: "Nicht so schlecht, wie wir uns darstellen"

Montgomery zog für Deutschland eine positive Zwischenbilanz des Krisenmanagements. "Wir waren hervorragend aufgestellt", sagte er. "Solange Jens Spahn und Angela Merkel die erste Welle alleine bewältigt haben, standen wir gut da." Erst als sich die Ministerpräsidenten sowie mehrere Virologen als Berater in die Krisenbewältigung eingeschaltet hatten, sei es chaotisch geworden. Europa sprach Montgomery von Schuld frei, da Brüssel bei der Pandemiebekämpfung zu wenige Einflussmöglichkeiten habe. "Wir müssen mehr Kompetenzen nach Europa verlagern", sagte er.

Für künftige pandemische Krisen sagte Montgomery neue Probleme voraus, "da bin ich sicher". Allerdings seien "wir nicht so schlecht davongekommen, wie wir uns manchmal darstellen". Engpässe, wie sie etwa bei der Versorgung mit Schutzmasken aufgetreten seien, seien vorab nicht absehbar gewesen.

Dem widersprach der Hallenser Virologe Alexander Kekulé. "Wir hatten in Europa die Konzepte in der Schublade und wussten seit Jahrzehnten, dass es Engpässe bei den Masken geben würde", sagte er. Er wisse das, da er an den Pandemieplänen mitgeschrieben habe. Kekulé schloss sich jedoch der Forderung an, bei Wissenschaft und Forschung europäische Gemeinschaftsprojekte voranzubringen. Dies müsse man auch gegen starke nationale Institutionen wie das französische Institut Pasteur oder das Robert-Koch-Institut durchsetzen.

Kekulé sagte, er wünsche sich, "dass wir nach der Pandemie nicht zu sehr ins Schulterklopfen verfallen". Kritik an und Verbesserungspotenziale bei Wissenschaft und Forschung in Deutschland müssten ernst genommen werden.

Quelle: ntv.de, jog

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