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Schultaschen für Flüchtlingskinder Leo spendet seinen Ranzen

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Für Flüchtlingskinder ist der Schulbesuch ein bisschen Rückkehr in die Normalität.

(Foto: picture alliance / dpa)

Sie fliehen vor Hunger und Krieg, manchmal sogar ohne ihre Eltern. Oft haben Flüchtlingskinder jahrelang keine Schule besucht. Das Landesjugendwerk der Berliner AWO sammelt Schulsachen für sie.

Leos Ranzen ist cool, bestickt mit einem Dinosaurier und einem richtigen Vulkanausbruch. Er hat auch die passende Sporttasche dazu und zwei Federmappen. Als Leo zur Schule kam, hat er sich genau diesen Ranzen ausgesucht. Seitdem ist der Junge ein ordentliches Stück gewachsen, Dinosaurier sind nicht mehr ganz so cool und im neuen Schuljahr wird er mit einem Rucksack zur Schule gehen.

Den Dino-Ranzen hat er trotzdem sauber gemacht, neue Stifte ins Etui gepackt und die Sporttasche ordentlich zusammengefaltet. An einem der ersten Ferientage liefert er alles beim Jugendwerk der Arbeiterwohlfahrt Berlin ab. Seit Anfang Juli werden dort Schulsachen für junge Flüchtlinge gesammelt. Die ersten Dinge sind bereits in den Räumen im Stadtteil Lichtenberg angekommen.

Andere Dimension von Bedürftigkeit

"Wir sammeln Federmappen vielleicht auch mit Stiften, Sportbeutel und vor allem Ranzen", sagt der Geschäftsführer des Berliner Landesjugendwerks, Christopher Langen, n-tv.de. An jedem Tag nehmen die Berliner AWO-Unterkünfte neue Flüchtlinge auf, viele sind unter 18. Die AWO kümmert sich sowieso um bedürftige Kinder und Jugendliche, doch bei Flüchtlingen bekommt das Wort Bedürftigkeit noch einmal eine ganz andere Dimension.

Schon Familien, die Hartz IV beziehen, haben Schwierigkeiten, alles zu bezahlen, was Kinder für die Schule brauchen. Viele Flüchtlingsfamilien werden jedoch über Essensgutscheine versorgt, verfügen nicht über Bargeld und auch nicht über ein familiäres Netz, in dem Kleidung oder auch Schulmappen weitergegeben werden könnten.

"Gerade Schulsachen sind für die jungen Flüchtlinge sehr wichtig", sagt Langen. Wer zwei bis drei Jahre keine Schule mehr besuchen konnte, sei dankbar, wieder die Chance auf Bildung zu bekommen. Die Ranzen seien dafür ein sichtbares Zeichen.

Willkommen durch Unterstützung

Seit 2011 werden in Berlin Flüchtlingskinder in sogenannten Willkommensklassen unterrichtet. Sie haben intensiven Deutschunterricht, aber auch Mathe, Englisch, Biologie oder Sport. Ziel ist es, dass die Schüler nach spätestens einem Jahr dem Unterricht in einer Regelklasse folgen können. Tatsächlich müssen die Lehrer jedoch oft traumatisierte Kinder und Jugendliche wieder an den Schulbesuch heranführen. Langen hat selbst erlebt, dass die Willkommensklassen längst nicht alles auffangen können. Der Geschäftsführer und seine Mitstreiter freuen sich deshalb darüber, "wenn sich die Zivilgesellschaft einbringt und ganz praktische Unterstützung leistet". Langen fürchtet jedoch, die Berliner Senatsverwaltung könnte sich zu sehr auf diese Hilfe verlassen. "Wir fordern deshalb, dass die Flüchtlingsarbeit von staatlicher Seite aus besser finanziert wird."

500 Ranzen und Schulrucksäcke will die AWO in den nächsten Wochen sammeln. "Dann könnten wir in allen AWO-Einrichtungen in Berlin alle Kinder und Jugendlichen versorgen, die eine Schultasche brauchen, weil sie in diesem Jahr neu in die Schulen kommen." An drei verschiedenen Sammelstellen können die Schultaschen, Sportbeutel und Federmäppchen abgegeben werden.

Mit ähnlichen Aktionen in den vergangenen Jahren hat der Wohlfahrtsverband gute Erfahrungen gemacht. Über die konkrete Hilfe komme ein Austausch zwischen Flüchtlingen und Menschen in Deutschland in Gang. Private Spenden sind auch aus diesem Grund sehr wichtig. "Wir könnten uns aber auch vorstellen, dass sich Firmen beteiligen. Entweder, indem sie unter ihren Mitarbeitern einen Aufruf starten oder indem sie neue Schulrucksäcke spenden. Auch das ist schon vorgekommen."

In der letzten Augustwoche werden Busse zu den Flüchtlingsunterkünften der Berliner AWO fahren und Leos Ranzen wird einem Flüchtlingskind übergeben. Es wird nichts wissen von dem Jungen, der bisher damit zur Schule gegangen ist. Aber es wird eine Schulmappe haben, zwei Federmappen mit neuen Stiften und eine Sporttasche mit einem Dinosaurier drauf.

Quelle: n-tv.de

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