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Verbandschef zum Schulstart Meidinger: Wir werden wieder Distanzunterricht sehen

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Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, sieht der vierten Corona-Welle mit Sorge entgegen und sagt, die Politik hätte noch mehr tun können für einen möglichst sicheren Schulstart.

Die Sommerferien enden, doch die Schulen sind nicht wirklich vorbereitet, sagt Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Lehrerverbandes. Er rechnet damit, dass auch wieder Distanzunterricht nötig sein wird. Umso wichtiger ist für ihn, dass niedrigschwellige Impfangebote auch für Kinder und Jugendliche gemacht werden.

ntv: In den ersten Bundesländern enden die Sommerferien. Wie gut sind wir gewappnet für den Start ins neue Schuljahr?

Heinz-Peter Meidinger: Die Frage ist, wie gut man sich überhaupt wappnen kann bei so einer Pandemie …

… es gab viel Zeit zum Vorbereiten.

Natürlich wissen wir jetzt eher, was wir tun müssen. Allerdings hat die Politik auch jetzt wieder sehr spät gehandelt.

Zum Beispiel?

Wenn ich höre, dass nach wie vor bei den Bundesländern, die jetzt starten, nur ein kleiner Teil der Klassenzimmer mit Raumluftfiltern ausgestattet ist, dann beschleichen mich schon Zweifel. Und wenn auch noch nicht klar ist, wie lange die Sicherheitsphase am Schuljahresanfang dauern soll, mit Maskenpflicht und regelmäßigen Schnelltestungen, dann ist die Frage, ob die Politik wirklich alles tut, was man tun kann, um die Schulen offen zu halten.

Was fordern Sie, was muss getan werden?

Man muss sich schlicht besser vorbereiten. Beim vollständigen Präsenzunterricht, da wissen wir doch, was zu tun ist: Wir brauchen die Masken noch wahrscheinlich für einige Zeit. Wir werden auch wieder Schnelltestungen machen müssen, allerdings am besten täglich und nicht wöchentlich oder zweimal wöchentlich. Und wir müssen endlich in die Gänge kommen mit den Raumluftfilteranlagen.

Schulschließungen und Fernunterricht sehen Sie nicht mehr?

Es ist nicht auszuschließen, beziehungsweise sogar wahrscheinlich, dass wir, wenn wir mehr Infektionsfälle kriegen, auch Klassen, Lerngruppen, Jahrgangsstufen oder sogar ganze Schulen in Quarantäne schicken müssen. Und die müssen dann auf Distanz beschult werden. Daher brauchen wir auch nach wie vor mehr Tempo bei der Digitalisierung.

Ist man da nicht vorangekommen?

Immer noch haben 50 Prozent aller Schulen in Deutschland kein schnelles Internet.

Wie stehen Sie zur Impfung von Schulkindern?

Ich glaube, es ist klar, dass es keine Impfpflicht geben wird und geben darf. Aber es gibt sehr viele Eltern, die ihre Kinder impfen lassen würden, nach Absprache mit den Hausärzten. Auch in der Altersgruppe der 12- bis 16-Jährigen, also auch in dieser Altersgruppe, in der es noch keine allgemeine Impfempfehlung gibt.

FDP-Chef Christian Lindner hat sich für Corona-Impfungen in den Schulen ausgesprochen. Was halten Sie von diesem Vorschlag?

Niedrigschwellige Angebote auch an Schulen zu machen, mit mobilen Impfteams und natürlich auf freiwilliger Basis, ist eine gute Idee. So können wir die Impfquote unter Jugendlichen deutlich anheben. In der Altersgruppe der über 16-Jährigen sind übrigens sehr viele, die sich impfen lassen wollen. Die wissen ganz genau, dass sie damit wieder mehr Freiheiten bekommen, etwa beim Besuch von Musikveranstaltungen.

Mit Heinz-Peter Meidinger sprach Mara Bergmann

Quelle: ntv.de

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