Panorama

Viel Wenn und Aber Öffnen die Schulen bald wieder?

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Eltern, Schüler und Lehrer möchten bald wissen, was mögliche Lockerungen der Corona-Beschränkungen für die Schulen bedeuten würden.

(Foto: imago images/Revierfoto)

Rund einen Monat schon lernen Schüler aller Altersstufen aufgrund der Corona-Krise zu Hause. Nachdem nun erste Lockerungen der geltenden Beschränkungen nach den Osterferien in Aussicht gestellt werden, ist unklar, was das für die Schulen heißt. Einigkeit herrscht bei diesem Thema bislang nicht.

Seit fast vier Wochen haben die Schulen bereits bundesweit geschlossen. Gerade für berufstätige Eltern wird durch das sogenannte "Homeschooling" der Alltag zur Herausforderung. Eine baldige Schulöffnung könnte diesbezüglich für Entspannung sorgen. Doch wie wahrscheinlich ist das angesichts der nach wie vor steigenden Zahl an Corona-Infizierten?

Im Interview mit der "Bild"-Zeitung regte Friedrich Merz, Kandidat für den CDU-Vorsitz, die schrittweise Lockerung der derzeitigen Beschränkungen an. Vor allem der Schulbetrieb könne so wieder in Gang kommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hingegen äußerte sich bei der heutigen Pressekonferenz diesbezüglich eher vorsichtig. Mögliche Lockerungen der Kontaktbeschränkungen wegen der Corona-Epidemie seien nur in sehr begrenztem Ausmaß vorstellbar. "Wir müssen ganz, ganz vorsichtig vorgehen", sagte sie. Wenn, dann könne man "in kleinen Schritten" vorgehen und müsse immer wieder die Folgen beobachten. Das Ziel sei weiterhin, das Gesundheitssystem in keinem Punkt zu überfordern. Sie machte außerdem deutlich, dass derartige Entscheidungen "auf festem Grund" von Zahlen unter anderem zum Infektionsgeschehen zu treffen seien. Dabei verwies sie auf eine nach Ostern erwartete Studie der nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina.

Osterfeiertage sind "Weggabelung"

Für Gesundheitsminister Jens Spahn sind die kommenden Osterfeiertage ausschlaggebend. Ebenfalls im Rahmen einer Pressekonferenz zeigte er sich heute zufrieden mit den jüngsten Entwicklungen bei den Corona-Zahlen, richtete aber auch einen Appell an die Bürgerinnen und Bürger. Zwar steige die Zahl der neuen Infektionen nur noch um vier oder fünf Prozent täglich, doch es sei wichtig, weiter konsequent zu bleiben. Die Feiertage bezeichnete er als "Weggabelung". "Bleiben wir auch übers Wochenende konsequent, wird eine schrittweise Rückkehr zur Normalität wahrscheinlicher", sagte er. Wenn nicht, werde eine Verlängerung der Auflagen jedoch notwendig, stellte er ebenfalls klar.

Auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer hofft, dass nach Ostern eine Entscheidung zum Vorgehen an den Schulen stehe. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet forderte einen Konsens aller 16 Bundesländer beim Zeitplan für die Wiedereröffnung von Schulen und Kitas. NRW werde bei den Beratungen mit Kanzlerin Merkel darauf drängen. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hofft ebenso auf ein einheitliches Vorgehen der Bundesländer. "Ich will da nicht mutmaßen, aber es kann mindestens nicht unser Ziel sein", sagte er im ZDF auf die Frage, ob unterschiedliche Lösungen - etwa bei Schulöffnungen - denkbar seien. Und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte bereits am Dienstag explizit auf Österreich verwiesen, das in der Entwicklung drei Wochen voraus sei. Bei den Nachbarn werden viele Maßnahmen verlängert, Ausgangsbeschränkungen bleiben, und auch die Schulen werden voraussichtlich erst am 4. Mai öffnen, wenn die Vorbereitung für die Reifeprüfung der achten Schulstufe beginnt.

Erst Kitas und Grundschulen?

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher aber hält eine Lockerung der Maßnahmen nach Ostern auch hinsichtlich der Schulen für möglich. Das Wichtigste sei, dass "die Schulen wieder sukzessive öffnen, dass die Kinder wieder in die Schule gehen können." Das Gleiche gelte für Auszubildende und Studenten. Eine Idee könne dabei sein, Kitas und Grundschulen zuerst wieder zu öffnen. "Sollte sich herausstellen, dass Experten sagen, dass kleine Kinder nicht die Infektionsübertragungen machen, wie man ursprünglich angenommen hat, dann wäre es natürlich schön, dass man mit den Kitas, mit den Grundschulen beginnt", so Tschentscher beim Radiosender NDR 90,3.

Virologe Hendrik Streeck mahnt jedoch zur Vorsicht. "Wenn wir die Schulen zu früh wieder öffnen, schaffen wir womöglich einen Multiplikator für das Virus, der dann wieder gefährlich sein kann", sagte der Direktor des Bonner Instituts für Virologie der "WAZ".

Lehrerverband rät zu stufenweiser Rückkehr

Eine Rückkehr zum normalen Schulunterricht unmittelbar nach den Ferien sieht der Deutsche Lehrerverband aber ohnehin nicht. Alles hinge von der medizinisch-virologischen Lageeinschätzung und den Maßnahmen ab, die von den Ministerpräsidenten der Länder und der Bundeskanzlerin beschlossen würden, so Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger.

Werde der Lockdown gelockert, sei nur eine stufenweise Rückkehr zum Schulbetrieb denkbar, am besten beginnend mit den Abschlussklassen für Abitur, Mittlere Reife und Hauptschulabschluss - vor allem wegen der Prüfungen. Die Kultusminister der Länder hatten Ende März vereinbart, dass die Schulabschlussprüfungen in Deutschland trotz Corona-Krise stattfinden sollen. Auch seien Gruppen- und Klasseneinteilungen vorstellbar, um einen größeren Sicherheitsabstand zu ermöglichen, so Meidinger weiter. Das Tragen von Atemschutzmasken ist seiner Meinung nach ebenfalls notwendig. Außerdem brauche es Ausnahmeregelungen für besondere Risikogruppen unter Schülern und Lehrkräften.

Am Dienstag will zunächst die Bundesregierung im Corona-Kabinett beraten, am Mittwoch sprechen dann der Bund und die Ministerpräsidenten der Länder über das weitere Vorgehen. Erst dann werden Eltern, Schüler und Lehrer hoffentlich etwas mehr Gewissheit haben.

Quelle: ntv.de