Panorama
Madsen in einer Szene des Films "Amateurs in Space".
Madsen in einer Szene des Films "Amateurs in Space".(Foto: picture alliance / One Filmverle)
Donnerstag, 08. März 2018

Sexuelle Lust am Töten: Verwirklichte Madsen eine Mord-Fantasie?

Von Solveig Bach

Peter Madsen ist ein exzentrischer Erfinder. Und er hat sexuelle Fantasien, in denen Frauen getötet werden. Liegt darin der Schlüssel zum Tod der schwedischen Journalistin Kim Wall?

Die Anklage ist sicher: Peter Madsen, der U-Boot-Bauer, Raketenerfinder und Visionär tötete Kim Wall auf seinem selbstgebauten U-Boot, nachdem er sie gefesselt, misshandelt und gefoltert hatte. Dafür hatte er vorher Werkzeuge an Bord gebracht, spitze Schraubenzieher, eine Säge, schwere Metallteile.

An der Leiche der schwedischen Journalistin wurden zahlreiche Einstiche im Genitalbereich gefunden, die einzelnen Körperteile waren nach Tagen verpackt und beschwert zum Teil am Meeresgrund entdeckt worden. Auf Madsens Rechner fanden die Ermittler zudem Videos, auf denen Frauen getötet und enthauptet werden. Eine frühere Partnerin des 47-Jährigen berichtete von Textnachrichten des exzentrischen Erfinders, in denen er über einen Mordplan auf seinem U-Boot fantasierte.

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Die Ermittler schließen daraus offenbar, dass Madsen gezielt einen lang gehegten Mordplan in die Tat umgesetzt hat. Doch Psychologin Lydia Benecke ist nicht sicher, ob dies tatsächlich so sein muss. Sie forscht seit Jahren über sadistische und psychopathische Täter. "Es gibt sehr viele Menschen auf der Welt, die sexuelle Tötungsfantasien haben", sagt sie n-tv.de. "Das Internet ist voll mit Tausenden Leuten, die sich darüber austauschen. Aber die allermeisten davon begehen nicht solche Delikte."

Perfekt geplant?

Regulierend wirken bei ihnen moralische Grenzen wie das Tötungstabu, auch die Empathie mit einem möglichen Opfer oder schlicht die Angst, für eine solche Tat zur Verantwortung gezogen zu werden. Bei der äußerst kleinen Gruppe, die ihre Tötungsfantasie umsetzt, müssen hingegen aus Beneckes Sicht mehrere Dinge zusammenkommen: die Fantasie des Täters, bestimmte Charaktereigenschaften und schließlich situative Faktoren.

Dass Madsen diese Fantasien hatte, gilt als sicher. Dänische Medien mutmaßen, dass er seine Energien nach dem Scheitern der Raketenpläne darauf verwandte, einen Mord zu planen. Die schwedische Journalistin, die Madsen für ein Interview traf, wäre dann ein Zufallsopfer, das sich für die Umsetzung anbot.

Gegen einen Mordplan sprechen aus Beneckes Sicht jedoch mehrere Gründe: Zum einen die Tatsache, dass mehrere Menschen von der Verabredung mit Wall wussten. "Sadistische Täter, die einen Mord planen, achten in den allermeisten Fällen darauf, dass es keine nachweisbare Verbindung zwischen ihnen und dem Opfer gibt." Auch die Tatsache, dass Madsen bestimmte Werkzeuge an Bord hatte, die er offenbar für die Tat verwendete, müsse man kritisch hinterfragen. Der 47-Jährige sei ein Handwerker, ein Bastler. Vielleicht brauchte er das Werkzeug und zweckentfremdete es dann nur.

"Ohne Stoppknopf"

Und dann gibt es noch diesen Moment, in dem Madsen die Ventile seines U-Bootes öffnet und es bei voller Fahrt versenkt. Für Benecke ein mögliches Zeichen für eine Panikreaktion. "Menschen, die sich etwas, so wie er dieses U-Boot, mit viel Liebe aufgebaut haben, zerstören es für gewöhnlich nicht so einfach." Vielleicht hoffte Madsen, das eindringende Wasser würde Spuren beseitigen.

Der Autor Thomas Djursing beschrieb Madsen lange vor der Tat in seinem Buch über den Erfinder als "leidenschaftlich, ohne Stoppknopf". Das bekamen Menschen zu spüren, die mit ihm an seinen Raketenprojekten arbeiteten. Aufbrausend konnte Madsen sein, ungerecht und verletzend. Selbst enge Freunde ziehen sich dann von ihm zurück. Diese Ausbrüche könnten darauf hindeuten, dass Madsen dazu neigt, die Kontrolle zu verlieren. Möglicherweise wollte Madsen seine Fantasien nicht ausleben, sie brachen sich aber dennoch Bahn.   

Im Prozess wird die Staatsanwaltschaft das Bild eines von sexuellen Gewaltfantasien geleiteten Psychopathen zeichnen. Madsen will keine Geschworenen, nur ein Richter und zwei Schöffen werden das Urteil fällen. So wenige Menschen wie möglich sollen über sein Schicksal entscheiden.

Quelle: n-tv.de