Panorama

Ein Virus und der Seuchenschutz Wie gut ist Deutschland vorbereitet?

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Das DRK kümmert sich um Menschen, die wegen des Coronavirus-Verdachts unter Quarantäne gestellt werden.

(Foto: imago images/rheinmainfoto)

In Italien breitet sich das Coronavirus immer weiter aus und fordert sogar mehrere Todesopfer. Die europäischen Nachbarländer und Deutschland sind alarmiert. Wie bereiten sich die deutschen Behörden auf einen möglichen Ernstfall vor?

Nachdem auch Europa mehrere Coronavirus-Tote beklagt, wächst in den europäischen Staaten die Alarmbereitschaft. Deutschland sieht sich nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums "bestmöglich vorbereitet". Vor allem das Netzwerk von Kompetenzzentren und Spezialkliniken in Deutschland sei international beispiellos, heißt es immer wieder.

Nach Angaben der Bundesbehörde wurden dem Robert-Koch-Institut im Zuge des Coronavirus "erweiterte Befugnisse bei der Koordinierung von Maßnahmen mit den Bundesländern eingeräumt. Um Verdachtsfälle möglichst früh zu erkennen, wurden Ärzte, Kliniken und Labore verpflichtet, auch begründete Verdachtsfälle zu melden", erklärt das Gesundheitsministerium.

Was sich genau dahinter verbirgt, erläutert das Ministerium auf Anfrage von ntv.de nicht. Abhängig von der Risikoeinschätzung für Deutschland werden demnach noch weitere Maßnahmen geprüft und Ausgaben in Höhe von 23 Millionen Euro beantragt.

"Wir wissen noch nicht alles über das Virus"

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn äußerte sich am Montag zur großen Virus-Ausbreitung in Italien und gab Einblicke in die Einschätzung der Lage: "Die Infektionsketten sind teilweise nicht mehr nachzuvollziehen", sagte Spahn in einem Pressestatement. Insofern ändere sich auch die deutsche Einschätzung der Lage. "Wir müssen damit rechnen, dass sich die Corona-Epidemie auch in Deuschland ausbreiten kann. Wir haben auf internationaler und europäischer Ebene immer darauf gedrungen, uns vorzubreiten und uns auzutauschen."

Ärzte und Pflegekräfte würden aber jedes Jahr Grippewellen bewältigen, die sie zumindest vor vergleichbare Herausforderungen stellten. "Wahr ist aber auch, dass wir noch nicht alles über das Coronavirus wissen", sagt der Gesundheitsminister. Die Forschung über das Virus und eine Therapie seien deswegen wichtig. In Bezug auf die abgeriegelten Städte in Italien sagte er, wenn es in einer Stadt, in einer Gemeinde in Deutschland zu Infektionen komme, müsse man im Einzelfall dann entscheiden, welche Maßnahmen für den öffentlichen Raum notwendig seien. "Aber ich finde es wichtig, dass wir im Einzelfall entscheiden."

*Datenschutz

So lange es gehe, würden Menschen in bestimmten Fällen in Quarantänen isoliert werden. Weiterhin plane das Ministerium Informationen für Reisende - an Flughäfen, in Zügen und in Bussen. "Wir bleiben aufmerksam, wir bereiten uns auf alles vor - wir reagieren aber auch jederzeit angemessen und verhältnismäßig", erläutert Spahn.

Aus Sicht des Virologen Alexander Kekulé schätzt Spahn den Ernst der Lage bei der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus nicht richtig ein. Das Bundesgesundheitsministerium stelle das Virus weiterhin als harmloser als die Grippe dar, sagte Kekulé im Deutschlandfunk. Allerdings liege die Sterblichkeit bei der Grippe bei etwa 0,1 Prozent, beim neuartigen Coronavirus hingegen zwischen 0,5 und 1,5 Prozent. "Das heißt, das Virus ist für denjenigen, der die Infektion bekommt, zehn Mal gefährlicher", warnte der Virologe.

Kekulé hatte zuvor schon Einreisekontrollen und "flächendeckende Screenings" zum Schutz vor der Epidemie empfohlen. Nun müssten die Behörden die "Zigarette austreten, bevor sie einen Waldbrand verursacht", mahnte der Mediziner.

Deutsches Rotes Kreuz betreut Quarantäne-Fälle

Besonders akut sind die Schutzmaßnahmen für diejenigen, die aus Asien zurückkehren und möglicherweise mit Coronavirus-Infizierten in Kontakt standen. Sie müssen in Quarantäne, um eine mögliche Ausbreitung zu verhindern. Organisiert und durchgeführt werden die Isolations-Maßnahmen vom Deutschen Roten Kreuz (DRK).

*Datenschutz

Nach Angaben des DRK wird noch eine Gruppe isoliert: "Derzeit befinden sich noch 15 Menschen in Kirchheim unter Teck in Baden-Württemberg in Quarantäne", erklärt der Pressesprecher des DRK, Dr. Dieter Schütz, auf Anfrage von ntv.de. Zwei weitere Gruppen von China-Rückkehrern, die das DRK betreut hatte, konnten in Rheinland-Pfalz und Berlin ohne Infektionen nach der Quarantäne wieder entlassen werden.

Die aktuell in einem Hoteltrakt isoliert untergebrachten Menschen werden für 14 Tage in Kirchheim verbleiben, um sicherzugehen, dass keine Erkrankung aufgetreten ist. "Sollten Erkrankungen auftreten, wird die Quarantäne auch der Kontaktpersonen entsprechend verlängert. Personen, bei denen ein konkreter Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus besteht, werden umgehend in eine darauf vorbereitete Klinik eingewiesen", erklärte das DRK in einer Pressemitteilung am vergangenen Freitag.

Die sechs Japan-Rückkehrer vom Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" werden seit Samstag in häuslicher Quarantäne untergebracht. Auch die 30 deutschen Passagiere, die auf der "MS Westdam" waren, sind vorsorglich in häuslicher Isolation. Die zuständigen deutschen Gesundheitsbehörden in Deutschland kümmern sich nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums um die weitere Betreuung der Personen.

Quelle: ntv.de